So sollen beispielsweise Unterführungen in Zukunft über Nacht für Fußgänger – und damit auch für Obdachlose – schlicht unzugänglich gemacht werden. Daneben ist im nun bekannt gewordenen Dokument auch von einer Anhebung der Zahl der Schlafplätze für Obdachlose die Rede.

Obdachlose kritisieren: „Dann werden wir noch mehr frieren“

Auf Nachfrage des Nachrichtenportals index.hu sagte Budapests Oberbürgermeister István Tarlós, er selbst habe darum gebeten, zu überprüfen, wie Unterführungen über Nacht auch physisch abgesperrt werden können. Der nun lancierte Vorstoß der Regierung kann, da die Hauptstadt direkt betroffen ist, nicht ohne Tarlós beschlossen werden. Und auch die Stadtversammlung muss dem Vorschlag zustimmen. „Noch überlege ich, wann und wie wir hier tätig werden sollen. Aber Minusgrade sind eine besondere Situation“, so der Oberbürgermeister.

Während die Wochenzeitung hvg berichtet, dass sich aus dem ihr zugespielten Dokument ergebe, dass erste Schritte zur Umsetzung der nächtlichen Absperrung von insgesamt neun Unterführungen noch vor Ende des Jahres unternommen werden sollen, scheint OB Tarlós für so einen rigorosen Schritt die kälteste Zeit des Jahres abwarten zu wollen. Dass eine Schließung der Unterführungen für die Obdachlosen der Hauptstadt einen herben Einschnitt darstellen würde, bestätigten Betroffene auf einer Pressekonferenz des Sozialverbandes Magyar Szociális Fórum (MSZF) am Montagmorgen.

So sprach der selbst auf der Straße lebende Tibor Szepesi beispielsweise davon, dass die jüngste Verordnung nicht nur die bereits Obdachlosen betreffe, sondern alle Ungarn, da heute niemand mehr davor gefeit sei, auf der Straße zu landen. Auf die Frage, was geschehe, sollte die Regierung ihre nun bekannt gewordenen Pläne umsetzen, antwortete Gábor Udvardi, ebenfalls obdachlos: „Dann werden wir noch mehr frieren als ohnehin schon. Denn das Problem der Obdachlosigkeit kann damit nicht gelöst werden.“

Mehr Schlafplätze geplant

Das nun bekannt gewordene Dokument macht ebenfalls öffentlich, dass die ungarische Regierung eine Aufstockung der Schlafplätze für Obdachlose plant. So sollen sich zukünftig bereits aktive Unterkünfte um eine Erhöhung ihrer Bettenzahl bewerben können. Der Vorschlag wurde, wie dem Dokument zu entnehmen ist, unter anderem vom hauptstädtischen Roten Kreuz und den Baptisten unterstützt. Nach Einschätzungen könnten so landesweit rund 350 zusätzliche Plätze geschaffen werden. Weiterhin sei geplant, in Újpest ein neues Heim mit Kapazitäten für bis zu 150 Obdachlose zu schaffen, die aufgrund ihres physischen und psychischen Zustandes nicht mehr in der Lage sind, sich selbst zu versorgen und bei denen, so zitiert die hvg, eine Resozialisierung nahezu aussichtslos sei. Als Standort habe sich die Regierung dafür ein derzeit ungenutztes Krankenhaus in Újpest ausgesucht. Rund 270 Millionen Forint sollen für den Umbau zur Verfügung gestellt werden.

Zwar würden zusätzliche Schlafplätze dringend benötigt, aber Endre Simó, Gründer des MSZF und Sozialarbeiter erinnerte auf der Pressekonferenz am Montagmorgen auch daran, dass das Problem der Obdachlosigkeit komplex sei und deswegen einer komplexen Lösung bedürfe. Schlafplätze allein, sagte er, reichen da nicht.

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