Im Zuge der fotographischen Handreichung stellen die Zentralbibliothek der Universität Regensburg und das „Hungaricum – Ungarisches Institut“ 150 eindrucksvolle Bilderpaare aus Wien und Budapest in der oberpfälzischen Donaustadt aus und machen die Stadtarchitektur der Österreichisch-Ungarischen Doppelmonarchie mit all ihren Parallelen und Unterschieden erlebbar. Nach der Erstausstellung in Wien (2015) und einer Station in Budapest (2016) kommen in diesem Herbst nun auch die Regensburger in den visuellen Genuss der übersichtlich strukturierten Fotoauswahl über die urbanen Entwicklungen in der Budapester und der Wiener Moderne.

Selbstbewusste Reaktion auf eine ungleiche Entwicklung

Diese Ausstellung dokumentiert die selbstbewusste Reaktion auf eine ungleiche Entwicklung. Die Stadtfotografien setzen Wien und Budapest zwar gleichermaßen auf dem Höhepunkt ihrer zeitgenössisch modernen Entwicklung in Szene. Doch um zu verstehen, was diese Stellung Budapests im österreichisch-ungarischen Dualismus, im Fin de Siècle an der Donau, bedeutete, müssen wir einen Blick in die gemeinsame österreichisch-ungarische Geschichte werfen.

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Nach den Türkenkriegen im ausgehenden 17. Jahrhundert waren Buda und Pest am Boden zerstört, während Wien seine Rolle als Kaiserstadt ungehindert entfalten konnte. Zwei Jahrhunderte später, am Ende des 19. Jahrhunderts wollte Wien die Führung als einzige Hauptstadt des Gesamtreiches bewahren, während die, inzwischen vereinigten Städte Buda und Pest danach trachteten, zur zweiten Hauptstadt Österreich-Ungarns zu werden.

Budapest nahm sich zwar auch an außerösterreichischen Mustern ein Beispiel, so etwa an den Champs-Élysées in Paris, wie ein Blick auf die Andrássy út auf der Pester Seite Budapests heute noch erweist. Doch wesentlich war und blieb für die Modernisierung Budapests der Vergleich mit jenen Menschen, die der ungarische Volksmund seit dem Ende des 18. Jahrhunderts als österreichische Schwager bezeichnete, um ein Verhältnis zu beschreiben, das die beiden Partner mehr oder minder innig gestalten, ohne miteinander blutsverwandt zu sein.

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Wien: Parkanlage am Franz-Josefs-Kai, um 1890. (Foto: Budapester Historisches Museum/Museum Kiscell / György Klösz)

Budapest setzte also in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einer rasanten Aufholjagd an, die aus ungarischer Sicht vermeintliches oder tatsächlich erlittenes Ungemach gegenüber Wien wettmachte. Ein schwerwiegender Nachteil blieb aber bestehen: Ungarn war zwar im Bunde mit dem Haus Habsburg selbständig, es war aber nicht unabhängig. Umso wichtiger war die Betonung der ungarischen Eigenarten und der ungarischen Erfolge, wie sie sich gerade im modernisierten Budapest abzeichneten. So konnte sich das Stephansreich darüber hinwegtrösten, dass es nur im Verbund mit den Habsburgern in der Lage war, eine regionale Großmacht zu sein.

Die älteren Schwager

Die erwähnte Formel mit dem Schwager bezog sich bemerkenswerterweise lange Zeit auch auf die Deutschen. Die Bezeichnung deutsche Schwager – sinngemäß bayerische Schwager – ist noch aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts überliefert. Heute gilt sie aber als ausgestorben. Dabei sind die historischen Beziehungen Bayerns und Ungarns sogar noch älter als jene zwischen Österreich und Ungarn – und sie waren im Laufe der Jahrhunderte mit weniger Konflikten behaftet, als die habsburgisch-ungarischen.

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Ein Ausstellungskatalog ist vor Ort oder unter http://www.muerysalzmann.at/ erhältlich:

Donaumetropolen Wien – Budapest. Stadträume der Gründerzeit. Hgg. Adolph Stiller. Text- und Bildauswahl: Máté Tamáska. Salzburg/Wien: Müry Salzmann Verlag 2015, 216 S., zahlr. Abb., 20 Euro.


Ausstellungsdauer: 25. Oktober bis 22. November 2018

Öffnungszeiten: Mo - Fr 8 - 20 Uhr, Sa 9 -18 Uhr

Der Eintritt ist frei

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