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Der Buchtitel „Privatpirat im Filmdschungel“ entspringt einem Tagebuch-Eintrag von Zsigmond Móricz. „Mit diesen Worten beschreibt Móricz seinen ersten Eindruck von Höllering“, erzählt Szekfü, „Es ist eigentlich eine falsche Metapher, denn im Dschungel gibt es ja keine Piraten, die gibt es im Meer… aber doch schön. Höllering war sehr arm und hat den Film ‚Hortobágy‘ quasi aus dem Nichts selber finanziert. In seinem ganzen Leben hat er nie für ein Filmstudio oder für eine große Filmfabrik gearbeitet. Er war immer sein eigener Produzent."



Herr Szekfü, wie sind Sie als Filmwissenschaftler das erste Mal auf den Film „Hortobágy“ von Höllering gestoßen?

Das Wichtigste während meines Literaturstudiums an der ELTE-Universität war für mich die Mitarbeit am Filmprogramm der Universitätsbühne. Dieser Veranstaltungsort der Universität gehörte früher zur Kapelle der Piaristen und war von den Kommunisten in eine Bühne verwandelt worden. Die Uni befand sich auf der Pester Seite der Elisabeth-Brücke am Piarista Köz. In dieser Universitätsbühne fanden zu Beginn der 60er Jahre Kinovorführungen statt. „Nachspielkino“ (Ungarisch „utánjátszó mozi“) nannte sich das, denn die Filme wurden mit drei, vier Wochen Verspätung gezeigt. Das Publikum schaute sich hier Kommerzfilme an. Als Studenten haben wir dieses Kino dann in unseren Betrieb genommen und Vorführungen von wertvollen, unbekannteren Filmen organisiert. Studenten aller Fachbereiche füllten regelmäßig die Vorstellungen des rund 350 Sitzplätze zählenden Saals. Durch einen Kontakt zum Ungarischen Filminstitut gelang es uns, alte Stummfilme und frühe Tonfilme aus dem Archiv zu bekommen, die dort in ihren Blechdosen verstaubten. Diese Filme waren nicht direkt verboten, aber, sagen wir, sie wurden „bewusst vernachlässigt“. Zu diesen Filmen zählte auch „Hortobágy“ von Höllering, der bei mir und meinen Kommilitonen einen bleibenden Eindruck hinterließ. Später, als ich selbst als Dozent tätig war, zeigte ich den Film in meinen Wiener Vorlesungen über ungarische Filmgeschichte meinen Studenten. Und auch hier wurde er bestaunt. Dieser Film war anders als alles, was die Studenten bis dahin gesehen hatten. Es ist ein sehr ungewöhnlicher und besonderer Film. Nichts Gewöhnliches.

Szenen aus dem Film


Was macht denn diesen ungewöhnlichen Film aus?

Hortobágy ist eine für die damalige Zeit ganz einmalige Bauerndarstellung mit original ungarischer Volksmusik. In Ungarn existiert ja einerseits ein reiches, authentisches Volksliedgut, auf Ungarisch „népdal“; im Kontrast dazu stand die „magyar nóta“, die sich erst Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte und von damals bekannten Komponisten komponiert wurde. Letzteres ist eine Art „Pseudo-Volksmusik“, die auch in den 30er Jahren sehr präsent war. Bauern und ihr Landleben wurden in Filmen eben auf diese Weise, oft operettenhaft dargestellt. Meistens sangen dabei die Landeigentümer, die Herren, und nicht die Bauern. Dies passierte beispielsweise nach dem Schema: Graf tritt auf, gibt ein Zeichen, der Zigeuner spielt ein Lied auf und der junge Graf singt dazu. Diese verfälschende Darstellung der ungarischen Realität herrschte in den ungarischen Filmen vor. Die Filmmusik von László Lajtha besteht hingegen aus echter Volksmusik (népdalok) und komponierten, symphonischen Teilen. In dieser Mischung ähnelt sie der fantastischen Musik, die Hanns Eisler für „Kuhle Wampe“ geschrieben hat. Anstatt aus Unterhaltungsmusik bestanden die komponierten Teile aus moderner, klassischer Musik. Auch das war eine echte Neuheit.

„Hortobágy“ zeigt das Leben der Hirten also nicht operettenhaft, sondern authentisch. Hier wird auch klar, warum Sándor Márai den Film als so tiefgreifende Darstellung des Ungarischen pries. Seine Handlung ist dünn, stilisiert und volksmärchenhaft: Die Tochter des Haupthirten verliebt sich in einen armen Hirten und will nicht den reichen Bauern heiraten.

Diese Geschichte wird unterstützt durch Aufnahmen von dokumentarischem Wert. Denn der Film wurde ohne professionelle Darsteller gedreht. Ein einziger Schauspieler war dabei, der den Mechaniker vom Gasbohrturm spielt. Bis auf ihn spielten ansässige Bauern und Hirten die Geschichte und vertonten sie auch nachträglich. Denn damals waren Tonaufnahmen zwar schon möglich, aber ein Tongerät beanspruchte die Größe eines Busses und Höllering konnte sich das nicht leisten. So wurden die Hirten und Bauern aus Hortobágy nach Budapest gefahren, viele zum ersten Mal, um ihre Stimmen einzusprechen und auch die Volkslieder einzusingen. Durch die dokumentarischen Aufnahmen aus der Hortobágyer Gegend ist der Film bis heute eine wertvolle Quelle für Anthropologen und andere Kulturforscher.



Wie kommt es, dass Sie den Film nun wieder aus seiner wahrscheinlich immer noch verstaubten Filmdose geholt haben?

Ich begann mich vor etwa zwölf Jahren wieder mit Dokumentarfilmen zu beschäftigen. Wissen Sie, ich bin ein Spätanfänger: ich habe meinen PhD in Kommunikation mit 66 Jahren gemacht! Von 1969 bis 1990 arbeitete ich am Forschungszentrum für Massenkommunikation. In meiner akademischen Laufbahn gab es nach der Wende eine Lücke von fast 20 Jahren, in der ich mich mit anderen Dingen beschäftigen musste. Erst vor rund 15 Jahren tauchte ich wieder vollends in die akademische Sphäre ein und erwarb in den letzten Jahren meinen Doktortitel. Eigentlich zwei Doktortitel: erst einen PhD in Kommunikation und dann noch ein DLA-Doktorat (Doctor of Liberal Arts), also ein Doktor-Äquivalent in Filmwissenschaft. Seit jeher schlagen zwei Herzen in meiner Brust, oder wie man auf Ungarisch sagt: trage ich zwei Hüte. Der eine ist ein Filmhistoriker-Hut, der andere ein Medienforscher-Hut. Letztendlich habe ich diese Hüte abwechselnd mein ganzes Arbeitsleben lang getragen. In den letzten Jahren nun wieder den Filmhistoriker-Hut. Meine Dissertation zu dem DLA-Doktor schrieb ich über die Gattung des Dokumentarfilms und infolgedessen beschäftigte ich mich wieder mit Höllering und „Hortobágy“.



Was haben Sie dabei herausgefunden?

Als ich mit den Recherchen begann, wusste man in der Öffentlichkeit erst sehr wenig über Höllering. Auf der Webseite des Britischen Filminstituts existierte beispielsweise nur ein knapp 20-zeiliger Lebenslauf, der mehrere falsche Angaben enthielt. Aufgrund meiner Dreisprachigkeit gelang es mir während meiner Recherchen verborgenes Wissen zu entdecken und ungarische, deutsche und englische Quellen aus Archiven, Bibliotheken und Gespräche mit Zeitgenossen zusammenzuführen.

Erhalten geblieben sind uns beispielsweise ausführliche Beschreibungen durch seinen ungarischen Bekanntenkreis, wie den Schriftsteller László Passuth, der 1935 einen Artikel mit dem Titel „Die Legende von Hortobágy“ in der bekannten, ungarischen Zeitschrift Nyugat veröffentlichte. Hier wird klar, dass Höllering 1934 eigentlich mit der Absicht einen dokumentarischen Kulturfilm namens „Puszta 1934“ zu drehen, nach Ungarn gekommen war. Für erste Aufnahmen begab er sich ein paar Monate nach Hortobágy in die Puszta, lebte dort bei Hirten und Bauern. Aus meinen Forschungen geht hervor, dass dort ein bedeutender Wechsel seiner Konzeption stattfand. Anstatt des geplanten Kulturfilms mit einem klassenkämpferischen Agit-Prop-Ende á la Kuhle Wampe, kommt er zu der Überzeugung, dass er in Hortobágy viel eher den Zyklus der Natur und des menschlichen Lebens einfangen will. Er lässt seine Präkonzeptionen bezüglich der Abbildung von Ausgebeuteten und Ausbeutern fallen, und konzentriert sich eher auf die allgemeinen Fragen nach Alt und Neu, nach Generationskonflikten. Schließlich bittet er den bekannten Schriftsteller Zsigmond Móricz, ein Drehbuch für seinen Film zu schreiben. Die umfangreichen Tagebücher von Móricz dokumentieren, welche Kontroversen sich während des Schaffensprozesses zwischen den beiden zutrugen. Zsigmond Móricz war nämlich Graphomane, der jeden Abend eisern sein Tagebuch schrieb, egal ob müde, betrunken oder nach dem Besuch eines Bordells. Diese dicken Bände aus den Jahren 1926 bis 1942 wurden erst in den letzten Jahren aufgearbeitet und publiziert - wenn bisher auch nur zur Hälfte. Sie zeugen von einem fantastischen Gedächtnis, mit dem er seinen Tagesablauf, Dialoge und seine Kommentare zum Geschehen festhält. In den Tagebüchern, die ich im Archiv des Petőfi-Literaturmuseums einsehen durfte, spiegelt sich auch die Dramatik des Konflikts zwischen beiden wider, die ich versucht habe, auch in meinem Buch festzuhalten.



Warum hatte „Hortobágy“ Ihrer Meinung nach keinen größeren Erfolg?

Der Film wurde von der damaligen Zensur verstümmelt und um mehr als zehn Prozent gekürzt. Man strich Szenen von sich paarenden Störchen und Pferden. Die einmalige Szene der Geburt eines Pferdefohlens, die in Filmkritiken hochgelobt wurde und auch bei Vorführungen im Ausland eine große Wirkung auslöste, wurde ganz gestrichen. Und merkwürdigerweise auch die Beisetzung eines Pferdes, das im Sturm getötet wurde. Wahrscheinlich haben die Zensoren dort eine Art Parodie gegenüber der christlichen Beerdigung gesehen. Ende 1935 wurde der Film fertiggestellt und 1936 zensiert. Höllering hat die vollständige Kopie des Films jedoch bei seiner Emigration nach England gerettet, deswegen ist sie uns auch erhalten geblieben. Aber auch in London wäre der Film zensiert worden, sodass er ihn in den 30er Jahren nur in privaten Filmklubs zeigen konnte. Das hat wohl den internationalen Erfolg verhindert.

Merkwürdig ist jedoch, dass der Film in ungekürzter Form 1938 in Nazideutschland landesweit gezeigt wurde. Höllering war ja damals schon emigriert und außerdem Linkssympathisant, sein Bruder war ein Kommunist und der Kameramann László Schäffer war jüdischer Abstammung. Goebbels empörte sich in dieser Zeit deutlich, weil in ungarischen Filmen so viele jüdische Schauspieler vorkamen. Trotzdem wurde dieser Film ungekürzt vorgeführt und erhielt viele positive Kritiken. Ich nehme an, dass es sich dabei um eine Art stille Verschwörung von früheren Bekannten Höllerings handelte. Er hatte ja während seiner Berliner Jahre vielerlei Kontakte aufgebaut; diese ehemaligen Freunde organisierten höchstwahrscheinlich diese Aufführung. Auch bestanden selbst in Nazideutschland vielleicht noch Überreste der Freikörperkultur aus den Zeiten der Weimarer Republik, sodass die in Ungarn beanstandeten Szenen nicht gekürzt oder gestrichen werden mussten.



Wo kann man den Film heute sehen?

Das Ungarische Filminstitut hat eine digital restaurierte Fassung auf DVD herausgegeben. Diese beinhaltet englische und auch – von mir hart erkämpfte – deutsche Untertitel. In Budapest ist sie in DVD-Geschäften oder beispielsweise im Írók Boltja auf der Andrássy-Straße erhältlich. Auch meinem Buch liegt im Anhang eine Kopie bei.



Wie lange haben Sie an dem Buch gearbeitet?

Drei Jahre lang. Dank der Unterstützung durch die deutsche Marion Dönhoff-Stiftung und die ungarische Kulturstiftung NKA konnte ich meine Recherchereisen finanzieren.



Planen Sie eine deutsche Version?

Ja, es soll eine überarbeitete Version auf Deutsch erscheinen, die dann auf das Interesse der deutschen Leser zugeschnitten werden wird. Der Redakteur des Verlags „Text und Kritik“ hat mir bereits eine Veröffentlichung auf Deutsch zugesichert und ich habe auch schon eine wunderbare Übersetzerin gefunden. Nur die Übersetzungskosten kann der Verlag nicht zahlen. Hierfür suche ich nun noch Unterstützung. Dieses Werk wäre natürlich auch für deutschsprachige Leser interessant und erschließt einen bisher unbeleuchteten Winkel mitteleuropäischer Filmgeschichte.


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