Für Emese Árvai-Illés (Gesang) and Krisztián Árvai (Keyboard) von Black Nail Cabaret (BNC) läuft es gerade auf mehreren Ebenen gut: Konzerte, ein neues Label, ein neues Album und die Rückkehr in ihre Heimat Ungarn. Das Pop-Noir-Duo ist in der Vergangenheit bereits mit erfolgreichen Bands wie Camouflage, Solar Fake, Covenant und Division aufgetreten, nun bestreiten sie in Budapest ein Konzert mit Lebanon Hanover aus Deutschland.

Emese erklärt: „Ich habe mir ihre Musik viel angehört, besonders das vorherige Album. Ich kenne jemanden aus dem Produktionsteam, das sie hierher bringt, und habe angefragt, ob es schon eine Vorband gibt. Er verneinte und wollte wissen, ob wir dieser Aufgabe gewachsen wären. ‚Natürlich!’, habe ich geantwortet und wir haben den Zuschlag erhalten.” Emese lacht. Tatsächlich hat das Duo guten Grund zur Freude, denn die Tickets für das Konzert haben sich im Vorfeld so gut verkauft, dass die Veranstaltung in eine größere Halle verlegt wurde.

Auftritte mit Kostüm und Maske

BNC sind für dramatische Bühnenauftritte bekannt, mit Theaterelementen und interessanten Kostümen. „Wir werden noch nichts vom neuen Album spielen. Nur die Single „Bête Noir” (dt.: „Schwarzes Biest“), welche schon veröffentlicht wurde, und einen für die ungarischen Fans neuen Coversong“, erklärt die BNC-Sängerin. Es sei immer eine Herausforderung, eine neue Setlist zu erstellen. Setlists enthalten die Auswahl und die Reihenfolge der Lieder, die beim Konzert gespielt werden und sind davon abhängig, wie lange gespielt wird und mit wem.

„Natürlich bin ich immer bereit, Kostüme zusammenzustellen und eine neue Persönlichkeit für die spezifischen Shows zu erfinden“, so Emese und erklärt in Bezug auf das anstehende Konzert: „Ich bin mir noch nicht sicher, welcher Charakter ich bei diesem bestimmten Konzert sein werde. Es kommt immer auf die Gelegenheit an, wie ich mich bei dieser Show fühle, aber es ist ein natürlicher Prozess.“

Die Kostüme der Band sind für gewöhnlich eine Mischung aus selbst gemachten, gekauften und geborgten Stücken. Die Accessoires wie Schulterpanzer, Masken und Ähnliches mache Emese selbst, erzählt sie. „Ich hole mir viel Inspiration bei Künstlern auf Instagram oder suche im Internet. Dabei kommen mir manchmal ganz andere Ideen, ich werde abgelenkt und dann es geht in eine ganz andere Richtung.”

Emese liebt die Interaktion mit den Zuschauern bei Konzerten: „Ich mag es, wenn die Leute Reaktionen zeigen, wenn sie mich durch ihr Schreien ihre Liebe fühlen lassen. Das gibt mir einen Kick. Sie wollen eine schöne Zeit haben, wir wollen ihnen eine schöne Zeit geben und es wird mit jedem Song besser und besser.“

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BNC-Keyboarder Krisztián Árvai stammt aus den Achtzigern. „Und das kann man auch hören“, meint seine Bandkollegin, Sängerin Emese Árvai-Illés. (Foto: Attila Kozmári)

Schwieriger sei es dagegen, schildert die Sängerin, wenn die Zuschauer nur da stehen und sich in der Musik verlieren. Dies sei zwar auch gut, aber: „Man weiß dann nicht, was in ihrem Kopf los ist und die Kommunikation ist nicht so tief.“ In Ungarn sei es für BNC in vielerlei Hinsicht einfacher: „Die Menschen kennen uns, manche sogar persönlich. Sie kennen die Lieder und die Texte, sie wünschen sich Songs, manchmal bekommen sie sie, manchmal nicht. Ich mag diese Reaktion, es ist freundschaftlich, vertraut … es ist eine gegenseitige Liebe”, gesteht Emese.

Abenteuer in London

Black Nail Cabaret wurde 2008 gegründet, damals noch mit Sophie Tarr an den Keyboards, die aber die Band 2016 für ein Soloprojekt verließ. Im Moment haben Emese und Krisztián ihren festen Wohnsitz in Tatabánya, der Hauptstadt des Komitats Komárom-Esztergom. Bei Emese hört man aber einen britischen Akzent heraus. Das liege daran, dass das Duo fünf Jahre lang in London gelebt hat. Dass man dieses sprachliche Überbleibsel ihres Aufenthalts auf der Insel nach einem Jahr in ihrem Heimatland Ungarn noch immer entdecken kann, erfreut die Sängerin. „Ich habe den Eindruck, ich hätte den Akzent schon verloren”, sagt sie und lacht erleichtert.

„Das Vereinigte Königreich war sehr aufregend. Wir haben so viel gelernt: Arbeitsethik, wie man zusammenlebt, wie man eine elende Zeit zusammen übersteht, wie man sich gegenseitig stärker macht und nicht schwächer. Es war faszinierend, diese Mischung von Kulturen zu sehen und so viel wie möglich davon aufzusaugen.“

Die Rückkehr in ihr Heimatland habe für das Duo trotzdem positive Veränderungen gebracht: „In Tatabánya fühle ich mich jetzt sesshaft, es ist sicherer, ruhiger und langsamer. Wir fummeln nicht mehr so viel rum. In London haben wir uns selber unter Druck gesetzt, es hat uns niemand dazu gezwungen, es war nur die allgemeine Atmosphäre. Hier in Ungarn haben wir immer noch dieselbe produktive Einstellung, aber ohne den Stress.”

Neues Label und Album

Das vierte Studioalbum der Band mit dem Titel „Pseudopop” soll im November bei einem neuen Label veröffentlicht werden. „Mit jedem Album versuchen wir einen Schritt vorwärts oder zumindest einen Schritt in eine neue, leicht andere Richtung zu gehen“, erklärt Emese. Mit „Pseudopop“, glaubt sie, hat die Band dies wieder erreicht. Der dunkle, melancholische Popsound, der so typisch für BNC ist, sei jedoch immer noch da. „Ich bin mir nicht sicher, ob es auch für Außenstehende so klingen wird, die hören es ja ganz anders. Wir haben hingegen schon so lange daran gearbeitet.“

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Zur Bühnenperformance der Band gehören auch Kostüme, Masken und andere Accessoires. (Foto: Attila Kozmári)

Auf dem neuen Album könne man viele Einflüsse aus der Popmusik der 90er wahrnehmen. „Aus der Zeit, als zum Beispiel Madonna mit ihrem Album ‚Ray of Light‘ fertig war, noch vor ‚Bedtime Stories‘ und ‚Neurotica‘“, erläutert die Sängerin und fügt hinzu: „Ich liebe besonders ihre Musik, bei der sie mit Künstlern wie Prince oder Lenny Kravitz zusammengearbeitet hat. Es war eine fantastische Ära. Diese Musik war ein Teil meiner Teenagerzeit. Ich habe so viele Eindrücke aus dieser Epoche.“

BNC-Keyboarder Krisztián ist dagegen ein bisschen älter, er komme aus einer anderen Ära, wie Emese sagt, und das könne man auch hören. Das neue Album sei daher eine Mischung aus beiden – Achtzigern und Neunzigern – und eher so eine Art Avantgardepop-Experiment. „Es ist schwer, einzuordnen“, so Emese, „es hat, die von uns gewohnte Dunkelheit beibehalten, aber wir haben zu einem Retropop-Klang gewechselt.”

Das neue Album „Pseudopop” wird im November veröffentlicht. BNCs melancholische Poplieder kann man sich in Budapest aber auch live am 18. Oktober im Dürer Kert anhören und anschauen.


Geplante Konzerte

Black Nail Cabaret + Lebanon Hanover im Dürer Kert
18. Oktober 2018, 20 Uhr
Budapest, XIV. Bezirk, Ajtósi Dürer sor 19-21

Tickets gibt es unter https://tixa.hu/lebanonhanover_durerkert

Fekete Hullám III im Roxxy Music

2. November 2018, 21 Uhr

Tatabánya, 2800, Győri út 1/A


Weitere Informationen zur Band finden Sie unter anderem auf Facebook unter https://www.facebook.com/bncband/.

Einen Teaser zum neuen Album „Pseudopop” gibt es auf

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