Die Energieversorgungsgruppe ELMŰ-ÉMÁSZ übergab dem ungarischen Malteser Hilfsdienst aus dem jährlichen Spendenbudget eine Finanzspritze von zehn Millionen Forint. „Sieben Millionen Forint davon konnten wir für den Ausbau der Terrasse eines Seniorenheimes verwenden“, so Miklós Vecsei, Vizepräsident des Hilfsdienstes. Die Unterzeichnung der strategischen Vereinbarung sollte zunächst in diesem Seniorenheim abgehalten werden. Aufgrund der starken Regenfälle in den Tagen zuvor verzögerte sich aber die Fertigstellung. Stattdessen wurde die Veranstaltung vergangenen Donnerstag in der Ratshalle des ungarischen Malteser Hilfsdienstes im XII. Bezirk abgehalten.

Ein historischer Exkurs

ELMŰ-ÉMÁSZ-Vorstandsvorsitzende Marie-Theres Thiell freute sich dennoch über den Ausweichort: „Wir haben hier die Gelegenheit, einen Blick in die gemeinsame Geschichte von Deutschland und Ungarn zu werfen, die wir immer in Erinnerung behalten müssen.“ Das Grundstück des Hilfsdienstes ist nämlich zugleich der Ort, an dem von August bis November 1989 ein Zeltlager stand, in dem insgesamt rund 48.600 Flüchtlinge – ausreisewillige DDR-Bürger – betreut wurden.

„Alle haben diese Fotos von der Prager Botschaft im Kopf, als Genscher auf dem Balkon stand und sagte: ‚Die Grenze ist eröffnet‘. Aber in Budapest war das eben hier“, erklärte die Vorstandsvorsitzende gegenüber der Budapester Zeitung. Dann gibt sie schmunzelnd zu: „In den 13 Jahren, die ich schon in Budapest lebe, habe ich es noch nicht geschafft, alle Denkmäler, die an die Verbundenheit zwischen Ungarn und Deutschland erinnern, zu besuchen.“ Ein solches Denkmal steht auch direkt im Hof des Malteser-Standortes: Eine Statue mit zwei sich innig umarmenden Menschen, darunter steht in Versalien: „Idegen voltam és befogadtatok. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.“

Eine langjährige Zusammenarbeit

In der Ratshalle ergriff Tamás Romhányi, Kommunikationsleiter des ungarischen Malteser Hilfsdienstes, das Wort. Er verkündete, die Zusammenarbeit zwischen dem Hilfsdienst und ELMŰ-ÉMÁSZ habe eine neue Etappe erreicht. Damit übergab er das Wort an Miklós Vecsei.

Der Vizepräsident der Malteser ließ in seiner Rede die bisherigen Projekte, die mit der Unterstützung von ELMŰ-ÉMÁSZ realisiert wurden, Revue passieren. Ein simples und doch besonders wichtiges Projekt erklärte Vecsei im Detail: „In den vergangenen Jahren waren wir in Miskolc tätig. Wir hatten drei Millionen Forint zur Verfügung und haben bei einigen Einwohnern der Stadt den Verbrauch ihrer alten Haushaltsgeräte, wie Kühlschränken und Waschmaschinen, gemessen. Wenn diese Geräte einen bestimmten Stromverbrauch überschritten, haben wir den Verbrauchern ein Angebot unterbreitet: Wir finanzieren die Hälfte des Preises eines neuen Haushaltsgerätes und die zweite Hälfte reichen wir als Darlehen. Aufgrund ihrer gesunkenen Ausgaben mit den neuen Geräten konnten die Verbraucher letztendlich das Darlehen innerhalb eines Jahres abbezahlen.“

Nun im Fokus der Unterstützung: Senioren

In den letzten Jahren hätten sich die gemeinsamen Projekte eher an Senioren gewandt, erklärte Miklós Vecsei weiterhin. So sei auch die Zusammenarbeit beim Ausbau der Terrasse des Seniorenheimes zustande gekommen. Dieses liegt am Battyhány tér mit Blick auf das Parlament. „Letztes Jahr war es in einem furchtbaren Zustand“, so Vecsei. Frau Thiell erklärte: „Es gab dort keinen Garten, deswegen haben die Malteser eine innen liegende Terrasse gebaut. Als ich zu Weihnachten dort war, habe ich erfahren, dass sie noch eine Möblierung für die Terrasse benötigten. Und eben das haben wir jetzt in Form einer Spende übernommen.“

Seine Ansprache beendete Vecsei mit konkreten Worten: „Von Weitem kann man nicht helfen, von Weitem kann man nicht lieben, von Weitem kann man sich nicht begegnen“, und zeigte dabei auf an die Wand projizierte Fotos, die Marie-Theres Thiell vor Ort bei Bedürftigen zeigen. Auf einem Foto hält die Vorstandsvorsitzende die Hand einer Seniorin und blickt ihr dabei wohlwollend in die Augen. „Daher bedanken wir uns insbesondere dafür, dass Frau Dr. Marie-Theres Thiell bei vielen Projekten persönlich vor Ort war.“

Ihr besonderes Augenmerk liege auf der ÉMÁSZ-Region, erklärte Marie-Theres Thiell anschließend. Ihr sei bewusst, dass Budapest eine wunderschöne, tolle Stadt sei, in der man gut leben könne. „Aber sobald man aus der Region rausgeht, ist dort noch sehr viel zu tun. Und als Energieversorgungsunternehmen haben wir eine Verantwortung – auch für unsere Kunden“, sagte sie und erklärte auf Nachfrage: „Unsere Kunden sind die normalen Haushaltskunden. Jeder, der im Gebiet von ELMŰ und ÉMÁSZ wohnt. Und darunter fallen statistisch gesehen eben auch Bedürftige.“

Mehr als nur finanzielle Hilfe

Beide Vertreter betonten nicht nur, dass sie miteinander professionell zusammenarbeiten können, sondern auch, dass diese Zusammenarbeit gegenseitigen, wertvollen Mehrwert biete. Miklós Vecsei schätzt die ELMŰ-ÉMÁSZ nach eigenen Angaben als einen besonders wichtigen Partner: „Mehrere Firmen unterstützen unsere Hilfsangebote. Aber es gibt eben solche Themen, die in Ungarn immens wichtig sind – wie die Stromkosten. ELMŰ war sogar die erste Firma, die sich diesem Thema angenommen hat und das bedeutet uns ehrlich gesagt mehr als die finanzielle Hilfe. Das ist sozusagen eine Win-win-win-Situation, da nicht nur wir und ELMŰ-ÉMÁSZ davon profitieren, sondern auch die Verbraucher. Wenn wir beispielsweise über Bedürftigkeit reden, dann wird von politischer Seite erwartet, dass wir Malteser uns darum kümmern. Aber die Unterstützung von Firmen wie ELMŰ-ÉMÁSZ verstärkt unser Auftreten vor der Politik und das hat für uns eine enorme Bedeutung.“

Eine gemeinsame Grundlage für die Zukunft

Trotz der bisherigen langjährigen Zusammenarbeit unterzeichneten beide Parteien anschließend eine Kooperationsvereinbarung. Laut Marie-Theres Thiell stehe in dem Dokument nichts Neues, es werde lediglich festgehalten, woraus die Zusammenarbeit bestehe. Was normalerweise per Handschlag gemacht wird und bisher sehr gut funktioniert hat, soll nun einen formalen Charakter erhalten und als ein symbolischer Baustein fungieren, auf dem sich die gemeinsame Zukunft aufbauen lasse.

Eine Erinnerung an die deutsch-ungarische Erfolgsgeschichte

Miklós Vecsei übergab im Anschluss im Namen des Malteser Hilfsdienstes noch zwei Geschenke an Frau Thiell: einen Bilderrahmen mit einer Danksagung für ihre Unterstützung und – als Erinnerung an ihre ungarisch-deutsche Zusammenarbeit – eine kleine Nachbildung der Statue, die im Hof des Hilfsdienstes steht. „Danke, das macht mich sehr stolz“, sagte die ELMŰ-ÉMÁSZ-Vorstandsvorsitzende mit einem strahlenden Lächeln.

Insgesamt haben die Malteser dieses Jahr 10 Millionen Forint von dem Energieversorgungsunternehmen erhalten. „Darüber hinaus gab es noch zahlreiche Hilfen, die wir nicht in Geld messen können“, ergänzte Miklós Vecsei. „Ich werde mit Sicherheit noch mal zum Seniorenheim hinfahren, sobald die Terrasse fertig gebaut ist und werde mir die neuen Möbel ansehen“, versprach Marie-Theres Thiell abschließend.


Der ungarische Malteser Hilfsdienst

Eine Hilfsorganisation für Bedürftige

Budapest, XII. Bezirk, Szarvas Gábor út 58-60

Projekte in Ungarn finden Sie unter www.maltai.hu/programjaink

Sie möchten selber helfen oder etwas spenden? Informationen dazu finden Sie unter www.maltai.hu/adomanyok und www.maltai.hu/onkentesseg (auch auf Englisch)

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