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Ein Rahmenlehrplan mit einigen sinnvollen Gedanken

Erschwert durch acht Jahre Rózsa Hoffmann und Judit Czunyi-Bertalan (Anm.: ehemalige Staatssekretärinnen für Bildung), hat die Regierung einen Rahmenlehrplan geschaffen, in dessen Entwurf überraschenderweise und ganz untypisch für dieses System auch sinnvolle Gedanken Einzug fanden. Diese stehen fast ausschließlich mit Valéria Csépe in Zusammenhang, der Ministerialbeauftragten für Lehrplanfragen.

Doch auch sie tat eigentlich nichts anderes als Allgemeinplätze zu wiederholen, die von Wissenschaftlern, oppositionellen Politikern und demonstrierenden Lehrkräften seit Jahren gefordert wurden: Dass man Kinder zum Beispiel ruhig britische Fantasy-Romane und amerikanische Science Fiction-Literatur lesen lassen sollte, wenn sie das interessiert, statt ihnen das Leben mit Mór Jókai (Anm.: ungarischer Schriftsteller) schwer zu machen. Denn ansonsten werden sie überhaupt nichts lesen. Außerdem, dass wir wahrnehmen und nutzen sollten, wie schnell und effizient Kinder komplizierte Spielregeln, Landkarten und Daten auf Tablet-Rechnern erlernen. Die Lehrer sollten dem Rechnung tragen. Und dass wir uns allen voran darum bemühen sollten, dass Kinder nicht widerwillig zur Schule gehen.

Die Frage ist nun, ob eine Schwalbe schon den Sommer macht. Da außer Valéria Csépe alle mit dem Thema befassten Regierungsmitglieder wie komplett hohle Idioten rumlabern, wäre dies ein wahres Wunder.

Christlich-nationale Erziehung statt internationaler Unis

Es gibt ein paar konservative Dreckskerle, die vor sich hin raunen, dass die Schule auch nicht Spiel und Spaß sein sollte, sondern bedrückend und streng, schließlich sind sie auch so groß geworden. Und was für wohlgeratene Dreckskerle sind sie doch geworden. Von ihnen gibt es auch unter den Staatssekretären mehr als genug. Sie meinen es nicht zwingend ernst – nicht etwa, weil sie sich im Geheimen über erfolgreiche Schulsysteme informiert hätten, sondern weil sie schlicht überhaupt nicht denken. (...)

Es gibt auch die armen Deppen, die mit dem Minister an ihrer Spitze und den Vielen im Schlepptau, wirklich glaubten, dass Viktor Orbán die Zeit für sie zurückgedreht hat. Dass es wieder 1920 oder besser noch 1820 ist und man keine internationalen Unis und Gymnasien braucht, dafür aber Lateinunterricht und christlich-nationale Erziehung. Sie knüppeln mit überbordendem Glauben auf jede Form von Modernisierungswillen ein.

Natürlich gibt es auch die puren Machtinteressen: Das Interesse, dass wir die Schnauze halten für jetzt und ewig. Dafür benötigt man Schüler, Eltern und Lehrer, die in Angststarre verharren, und nicht etwa mündige Bürger.

Dabei wäre es wichtig, dass sich fähige Lehrer erneut zusammensetzen und die Lehrbücher und Applikationen überarbeiten. Es wäre wichtig, dass es erneut einen freien Markt gibt, wo nur der erfolgreich ist, der gute Arbeit leistet. Dafür bedürft es der stetigen Rückmeldung durch Schüler und Eltern, was funktioniert und was nicht. Aber das würde die Hegemonie des Staates bedrohen, denn es würden Diskussionen aufkommen. (…)

Der Bildungssektor bedarf einer Modernisierung

Es steht außer Frage – und die Äußerungen von Valéria Csépe weisen ebenfalls darauf hin –, der Bildungssektor bedarf einer liberalen Modernisierung. Aber solche Begriffe getrauen sich heute selbst kleine Museen nicht mehr zu benutzen, ohne Vergeltungsmaßnahmen zu fürchten. Selbst eine Oper wird von Scheißhausfliegen heimgesucht, wenn diese dort nur die Gelegenheit wittern, ein wenig gegen Liberale und Schwuchteln zu hetzen. Eine wettbewerbsfähige, zeitgemäße, digitalisierte Schule, die zu freiem und eigenständigem Denken erzieht, zum Diskurs und zur Kreativität wäre – wenn es sie denn gäbe – in Ungarn heute ein Fremdkörper.

Gott hilf, dass es sie doch gibt und um sie herum ein ihr würdiges Land heranwächst.

Der hier in Auszügen wiedergegebene Kommentar erschien am 29. August in der

Onlineausgabe der liberalen Wochenzeitung hvg.

Aus dem Ungarischen von Elisabeth Katalin Grabow

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