Bevor es losgehen kann, muss man sich im Voraus über die Website seine Plätze für eine der 30-minütigen Touren reservieren; die Auswahl sowohl von Datum und Zeitpunkt als auch der Sitzposition ist einem völlig freigestellt. Gerade an heißen Sommertagen kann es allerdings vorkommen, dass das Boot schnell ausgebucht ist – eine gewisse Planung ist daher erforderlich.

Auch bittet Redjet seine Besucher, sich mindestens 20 Minuten vor dem Start am Ausgangspunkt, dem BKK-Terminal am Kopaszi-gát auf der Budaer Seite, direkt hinter der Rákóczi híd, einzufinden. Das hat seinen Grund: Nachdem man – natürlich unter den neidischen Blicken der normalen Fährpassagiere – in eine Seitenkabine geleitet wird, müssen dort Habseligkeiten verstaut und Rettungswesten angelegt werden; gerade bei größeren Gruppen kann das einige Zeit in Anspruch nehmen. Ob man sich aber auch die eigens zur Verfügung gestellte Regenjacke und -hose überstreifen möchte, bleibt einem selbst überlassen. Eine kleine Warnung vorweg: Die Chancen, ohne jeglichen „Spritzschutz“ trocken zu bleiben, sind gering.

Ein spanisches Rennpferd unter den Donauschiffen

Nun geht es ans Einsteigen und manch einer schaut verunsichert: Wie, es gibt keine Gurte zum Anschnallen? Das Gefährt gleitet schon langsam vom Kai weg, da dreht sich die Beifahrerin nach hinten zu den Gästen und erklärt zunächst ein paar allgemeine technische Infos. Es handle sich um ein aus Spanien importiertes Moggaro-700-Jetboot mit Wasserstrahl- beziehungsweise Rückstoßantrieb, sagt sie, ein Fünfzehnsitzer, welcher durch seine 440 PS in kürzester Zeit auf knapp 80 km/h beschleunigen könne. Während man noch in gemäßigtem Tempo unter der Rákóczi híd hindurchtuckert, wird auch die Route erklärt: Zunächst gehe es zum Parlament und zurück, Tricks würden am Schluss in den ruhigeren Teilen des Flusses folgen. Diese Information lässt die Spannung merklich steigen.

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Nachdem alles gesagt ist, drückt der Kapitän das Gaspedal durch und man merkt, dass nicht zu viel versprochen wurde. Pfeilschnell schießt das rote Bötchen übers Wasser, der Motor dröhnt, der Wind zerzaust einem die Frisur – ein Heidenspaß. Während man im Eiltempo stromaufwärts rauscht, bekommt man auch dessen Manövrierfähigkeit vorgeführt: Der Fahrer fährt einen Zickzackkurs, kurvt gekonnt zwischen schwerfälligen Dampfern und Touristenschiffen und kreuzt immer wieder deren Kielwellen, sodass man kleinere Sprünge vollführt. Gefühlt viel zu rasch erreicht man schon das Parlament, von dort geht es noch weiter bis zur Margit híd, deren Pfeiler zum Slalomkurs umfunktioniert werden. Dann hält die Beifahrerin plötzlich ihren Finger in die Luft und lässt ihn kreisen – das Handzeichen für eine Wende. Gespannt hält man sich fest, während sie runterzählt: Drei … zwei ... eins! Der Fahrer reißt das Steuer herum, das Boot stellt sich unter Motorengeheul seitlich gegen den Wasserwiderstand – von hinten klatscht eine Welle über die Passagiere. Es wird gejauchzt und gekreischt.

Souvenir inklusive

Nun geht es im gleichen Stil dorthin zurück, von wo man hergekommen ist, vorbei am Parlament – einmal kurz den Menschen auf der Kettenbrücke zugewunken – bevor man bereits unter den nächsten Brücken hindurchfliegt. Wieder hinter der Rákóczi híd angelangt, ist die Spritztour allerdings noch nicht zu Ende. Im Gegenteil, nun wartet der spannendste Moment auf die Passagiere: die Tricks. Auf Höhe des Kopaszi-gát ist der Fluss tatsächlich um einiges ruhiger. Ungedrosselt rauscht man über die glatte Wasseroberfläche und schon geht es los. Der Fahrer hat einiges in petto, von Wenden und Schleifen über enge Zickzackkurse bis hin zu abrupten Brems- und Driftmanövern sowie 360-Grad-Wenden – wer nach dem besonderen Kick gesucht hat, wird bestimmt nicht enttäuscht.

Tropfnass und glücklich legt man am Hafen an, erneut geht es unter neidischen Blicken „normaler“ Passagiere in den Umkleideraum, wo man sich der Schwimmwesten und Regenkluft entledigen kann. Eine letzte Überraschung haben die Veranstalter hier noch für ihre Gäste. Während der Fahrt wurden mit einer GoPro-Kamera Aufnahmen gemacht; diese bekommt man innerhalb von 48 Stunden von Redjet als Link per E-Mail zugeschickt. Wer also während der Fahrt noch nicht genug gelacht hat, kann sich dabei noch einmal kräftig amüsieren. Obendrein hat man auch noch ein Souvenir vom Sightseeing der besonderen Art.

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Redjet

Seit 20. Juni 2018

Budapest, XI. Bezirk, Kopaszi gát Budapart kikötő

Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag ab 10 Uhr, letzte Fahrt um 17.30 Uhr

Eintritt: 7.000 Forint

Weitere Informationen auf www.redjet.hu

Tipps für die Fahrt

Eine Reservierung ist notwendig, der Check-in sollte circa 20 Minuten vor Beginn der Tour erfolgen. Grundsätzlich gibt es für Kinder keine Altersbeschränkung – Kinder unter 16 müssen allerdings in Begleitung einer erwachsenen Begleitperson und mindestens 1,20 Meter groß sein.

Es empfiehlt sich, in Kleidung zu kommen, die nass werden darf. Redjet stellt seinen Gästen zwar wasserdichte Überkleidung zur Verfügung, diese ist allerdings keine Garantie dafür, ganz trocken zu bleiben. Das Tragen einer Schwimmweste ist Vorschrift.

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