Der im letzten Dezember angekündigte Bau des ersten ausländischen Produktionsstandortes der Krones AG im ostungarischen Debrecen hat begonnen. Gleich zu Beginn des Bauvorhabens sahen sich die Verantwortlichen und Ingenieure mit einer Herkulesaufgabe konfrontiert: das neu zu erschließende Gelände im neuen Industriepark Süd von Debrecen war zunächst eine große sandig-sumpfige Wiese voller Schilfbestand nahe am Grundwasserspiegel. Drainage-Leitungen mit einer Länge von mehr als 4.000 Metern und eine erstklassige Ingenieursleistung einschließlich Niveau-Erhebung von fast einem Meter machten jedoch aus dem Sumpf in kurzer Zeit ein brauchbares Industriegelände. Allerdings werden die technischen Herausforderungen auch beim Bau des eigentlichen Gebäudes nicht wirklich kleiner werden. Für die zukünftig tadellose, das heisst vollkommen erschütterungsfreie Produktion, sind weitere technische Herausforderungen angesagt: bis zu 16 Meter tiefe Betonträger im sandigen Untergrund sollen einen reibungslosen Betrieb sicherstellen.

Im Januar 2019 soll bereits der Probebetrieb anlaufen

Am Dienstagvormittag war unter Aufbietung zahlreicher Prominenz Spatenstich. Für diesen symbolischen Akt zur Bewegung einer Schaufel ostungarischen Flugsandes bot Pascal Männche, Geschäftsführer der Krones Hungary Kft., mehr als ein Dutzend Politiker, Partner und Mitarbeiter auf und unterstrich damit die tatkräftige Bedeutung von Teamwork für das große Bauvorhaben. Bereits im Januar 2019 soll der Produktions-Probebetrieb für binnen Jahresfrist insgesamt 500 meist hochqualifizierte Arbeitsplätze anlaufen.

Die Familien-AG mit Sitz in Neutraubling bei Regensburg setzt mit der Standortentscheidung in Ostungarn in der Region bislang unbekannte Standards. Davon erhoffen sich alle Beteiligten klare Vorteile – so etwa der lokale Schul- und Universitäts-Betrieb mit neuen Kooperationsmöglichkeiten für Ausbildung, Forschung und Entwicklung. Laut Tamás Menczer, Staatssekretär für Kommunikation im Ministerium für Außenhandel und auswärtige Angelegenheiten, beteiligt sich der ungarische Staat bis 2020 mit 5,5 Mrd Forint oder 37 Prozent am Investitionsvolumen von rund 15 Milliarden Forint (ca. 46 Mio. Euro).

Bürgermeister László Papp bezeichnete die Investition als historisch, da die Krones AG das erste Unternehmen ist, das sich in der neuen südlichen Gewerbezone in der Nachbarschaft des internationalen Flughafens der Stadt ansiedelt. In Debrecen erfolge derzeit eine regelrechte Industrierevolution. Seit Bekanntmachung des Neuen Főnix Plans haben 26 Unternehmen Investitionen in Höhe von insgesamt 160 Mrd. Forint angekündigt, in deren Rahmen mehr als 5.000 neue Arbeitsplätze entstehen. 56 deutsche Unternehmen haben bereits ihren Sitz im Komitat Hajdú-Bihar, 41 davon in Debrecen.

Klare Standortvorteile

Der ostungarische Standort Debrecen hat sich in einem strengen Wettbewerb gegen rund zwei Dutzend regionale Mitbewerber in Zentral- und Osteuropa durchgesetzt. Neben der erheblichen Subvention durch den ungarischen Staat haben offenbar auch das gut ausgebildete lokale HR-Reservoir und die lokale Uni-Ausbildung für das „protestantische Rom“ gesprochen. Ebenso die Tatsache, dass das erste Krones-Produktionswerk außerhalb Deutschlands optimal direkt am Flughafen Debrecen und einer Autobahnausfahrt liegt und zudem über einen Eisenbahn-Terminal verfügt.

Nach Angaben der Unternehmensleitung ist eine Erweiterung der Auslandskapazitäten für die Krones AG, das international in der Getränkeabfüll- und Verpackungstechnik führende deutsche Maschinenbauunternehmen, äußerst wichtig. Um den perfekten Standort zu finden, wurden seitens des Unternehmens detaillierte Analysen verschiedener möglicher Standorte in Europa durchgeführt. Debrecen hatte sich auf Grund seiner guten logistischen Anbindung sowie seiner hervorragenden Infrastruktur, aber auch der bestens ausgebildeten Fachkräfte und dem ausgezeichneten Ausbildungsangebot, als der perfekte Produktionsstandort für das zweite Standbein der Krones AG in Europa herauskristallisiert.

„Letztendlich ausschlaggebend für die Wahl von Debrecen war die außerordentlich engagierte Unterstützung der Stadt, vertreten durch Bürgermeister Dr. László Papp, sowie deren Wirtschaftsförderung EDC“, betonte Vorstandsmitglied Ralf Goldbrunner.

Hochqualifizierte Arbeitsplätze

Auf einer Grundstückfläche von 150.000 m2 – das entspricht 60 Fussballfeldern – wird nach dem ersten Spatenstich die Firma Market Építő Zrt. als Generalunternehmer mit dem Bau des rund 40.000 m2 großen Produktions- und Verwaltungsgebäudes beginnen. 500 neue Arbeitsplätze werden dort entstehen und spätestens Mitte nächsten Jahres soll das Werk mit seiner regulären Produktion in Betrieb gehen.

In Deutschland beschäftigt die Krones AG in der Fertigung und Montage hauptsächlich hoch qualifizierte Facharbeiter und Ingenieure im Bereich des Engineering. Auch für sein neues Werk in Debrecen benötigt Krones dementsprechend sehr gut ausgebildete Mitarbeiter. Derzeit finden Vorstellungsgespräche vorwiegend für Arbeitsplätze in der Fertigung und Montage statt. Die ersten Arbeitsverträge sind auch schon abgeschlossen. Gesucht werden aber noch Ingenieure für die Bereiche Metall- und Elektrotechnik sowie Mechatronik. Ebenso sind noch interessante Positionen in den Abteilungen Einkauf, Qualität und IT sowie Finanzbuchhaltung zu besetzen.

Werksleiter Pascal Männche betonte, dass den Mitarbeitern im Werk Debrecen eine erstklassige Arbeitsumgebung, mit „state-of-the-art“ Verarbeitungstechnologien, sowie ein attraktives Entlohnungspaket angeboten wird. Besonders attraktiv für die Stadt Debrecen: In Zukunft wird die Krones AG für die im neuen Werk benötigten Berufe auch Ausbildungsplätze anbieten. Eigens dafür erhält das Werk Debrecen ein in das Werk voll integriertes Ausbildungszentrum.

Krones-Konzern

Die Krones AG mit Sitz in Neutraubling/Deutschland wurde 1951 gegründet. Sie plant, entwickelt, fertigt und installiert Maschinen und komplette Anlagen für die Bereiche Prozess-, Abfüll- und Verpackungstechnik. Informationstechnologie, Intralogistik sowie Fabrikplanung und eine eigene Ventilproduktion ergänzen das Produktportfolio des Unternehmens. Seine Erfahrungen und seine Innovationskraft sowie die Verbindung und Optimierung von Maschinenbau, Anlagen-Know-how, Verfahrenstechnik, Mikrobiologie und Informationstechnik machen das Unternehmen zum weltweit führenden Anbieter von Systemtechnik.

Hauptabnehmergruppen sind Brauereien und Getränkehersteller, die Nahrungsmittel- sowie die chemische, pharmazeutische und kosmetische Industrie.

Weltweit beschäftigt Krones rund 16.000 Mitarbeiter. Etwa 90 Prozent des Umsatzes erzielt Krones im Ausland. Der Konzernumsatz 2017 betrug 3,691 Mrd. Euro. Zum Krones-Konzern gehören neben der börsennotierten Krones AG mehr als 90 Tochtergesellschaften und Niederlassungen weltweit. Außerhalb Deutschlands verfügt er über fünf kleinere Werke in den USA, China und Brasilien.

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