Péter Győri genießt im VIII. Bezirk einiges Ansehen. Der studierte Ökonom ist vor allem für seine Arbeit im Sozialbereich bekannt. Seit mehr als 20 Jahren setzt er sich für Obdachlose und Drogensüchtige ein. Das macht ihn theoretisch wie geschaffen für das Bürgermeisteramt des Problembezirks.

Doch selbst mit der geballten Unterstützung (und zumindest keinem wirklichen Mitbewerber aus dem eigenen politischen Lager, der Jobbik fehlte schlicht das Geld, um einen eigenen Kandidaten aufzustellen) schaffte es Győri nicht, die Wahl für sich zu entscheiden. Stattdessen übernimmt der Fidesz-Kandidat Botond Sára das Amt des Bürgermeisters von seinem Vorgänger Máté Kocsis.

Mit ihm wird auch der Hardliner-Kurs gegenüber unerwünschten sozialen Randgruppen fortgesetzt. Darauf hofft zumindest Kocsis. Wie der Initiator der umstrittenen Obdachlosengesetze sagt: „Mit Győri würden nur mehr Drogensüchtige ins Viertel gelockt und der Bezirk zu einer Obdachlosenkommune gemacht.” Selbst mit illegaler Einwanderung, so der nun abgetretene Bürgermeister, sympathisiere der oppositionelle Gegenkandidat. Demgegenüber werde der Fidesz-Mann Sára den bereits eingeschlagenen Weg fortsetzen.

Namensverwirrung in Miskolc

Auch im nordungarischen Miskolc wurde nachgewählt. Hier stellten sich jedoch gleich fünf Kandidaten zur Wahl. Beim Blick auf den Wahlzettel gerieten einige Wähler jedoch ins Erstaunen, denn darauf befand sich nicht nur der von einem Großteil der Opposition unterstützte Sándor Erdei, sondern auch ein bis dahin vollkommen unbekannter und politisch nie in Erscheinung getretener Kandidat desselben Namens. Beide unterscheiden sich auf dem Stimmzettel nur durch ihr Geburtsjahr.

Das Nachrichtenportal index.hu versuchte, den gänzlich unbekannten Erdei nach seiner politischen Agenda zu befragen, bekam aber keine Antwort. Ein weiterer Kandidat mit auffälliger Namensähnlichkeit, dafür aber umso weniger klaren politischen Inhalten stand am Sonntag zur Wahl: Zsolt Molnár. Dieser glich dem Künstlernamen von Sándor Erdei, der sich als Komiker betätigt und dabei in die Rolle des Rocker Zsolti schlüpft. Auch Zsolt Molnár hatte sich bisher politisch nicht bemerkbar gemacht. Allein die Kandidatin Istvánné József Fülöp von der Arbeiterpartei war eine bekannte und aktive Gegenkandidatin des letztlich mit eindeutigen 60 Prozent ins Amt gewählten Ákos Nagy (Fidesz-KDNP).

Sowohl in Miskolc als auch im VIII. Budapester Bezirk konnte ein Zusammenschluss der Oppositionsparteien erneut nichts gegen die Kandidaten der Regierungspartei ausrichten, die Opposition wird sich nach einem neuen Wundermittel umsehen müssen.

Konversation

ÄHNLICHE BEITRÄGE
Ramenka im VII. Bezirk

Hier ist Schlürfen Pflicht

Geschrieben von Katrin Holtz

Die Frage, warum nun ausgerechnet eine Nudelsuppe das Potential zum Trendessen hat, wird sich so…

Buchtipp und Interview mit Beatrix Vertel und Csilla Páll

Ungarn in Wien entdecken

Geschrieben von Sarah Günther

„Ungarn in Wien“ ist ein besonders schönes Buch für alle Fans von Geschichte, Kultur und Kunst. Wir…

Strategische Vereinbarung zwischen ELMŰ-ÉMÁSZ und dem ungarischen Malteser Hilfsdienst unterzeichnet

„Eine ungarisch-deutsche Erfolgsgeschichte“

Geschrieben von Andrea Ungvari

Mit diesen Worten beschrieb Marie-Theres Thiell, Vorstandsvorsitzende der ELMŰ-ÉMÁSZ-Gruppe, die…