In dieser Anhäufung von Aussagen ist nicht ein Funken Wahrheit enthalten. Einerseits haben wir nicht verhindert, dass Personen illegal zu uns ins Land kommen – hier reicht es, an das „Moskauer Visumshopping“ zu denken, das Zehntausende unkontrolliert nach Europa einfallen lässt, oder andere, ähnlich große Geschäftszweige, die falsche Staatsbürgerschaften ausgeben.

Andererseits haben wir mit dem Grenzzaun niemanden außer vielleicht uns selbst entlastet, jedenfalls nicht Deutschland: Seitdem es den Gitterzaun an der Grenze gibt, haben sich die Migrationsrouten zwar verändert, aber die Zahl derer, die auf deutschem Gebiet ankommen, hat es nicht beeinflusst. Außerdem hat aus deutscher Sicht die ganze Krise erst dadurch begonnen, dass die Registrierung zunächst nur sporadisch lief und wir (Anm.: Ungarn) dann mehr als 200.000 Flüchtlinge unkontrolliert auf die westliche Grenze losgelassen haben, die von der deutschen Regierung, die dadurch in eine Schachmattsituation geriet, letztlich aufgenommen wurden.

Mit unserer permanenten „Entlastung“ verhindern wir jetzt zudem die Rückkehr von Flüchtlingen aus Deutschland in die EU-Mitgliedstaaten, in denen sie erstmals registriert wurden.

Die ungarische Regierung behauptet, es gebe gerade einmal 531 solcher Personen, was ihre Widerspenstigkeit vollkommen unverständlich machen würde. Nur, dass es eben nicht stimmt. Innenminister Sándor Pintér selbst sagte im Herbst 2015 vor dem Parlament, dass 84.000 Flüchtlinge Ungarn ohne Registrierung durchquert hätten – was wiederum auch bedeutet, dass mindestens 150.000 Flüchtlinge hier registriert wurden und erst danach gen Österreich weitergeschoben wurden.

Damit wurde die EU-Vorschrift verletzt, wonach jenes EU-Land den Asylantrag bearbeiten muss, in dem der Flüchtling zum ersten Mal EU-Boden betreten hat. Wie Agatha Christie einmal schrieb: „Alte Sünden werfen lange Schatten.“ Wer seine Strategie aus Lügen spinnt, der wird sich früher oder später in seinem eigenen Netz verheddern, egal ob die Rede von einem kleinen Gauner ist oder vom Ministerpräsidenten Ungarns.


Der hier in Auszügen wiedergegebene Kommentar erschien am 10. Juli in der Onlineausgabe der linken Tageszeitung Népszava.

Aus dem Ungarischen von Elisabeth Katalin Grabow

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