Dass Márki-Zays Wunsch nach parteiübergreifender Kooperation nicht nur Geschwätz ist, bewies er schon direkt nach seinem Amtsantritt. Da er selbst als eher rechts Gesinnter linke Wähler nicht überzeugend vertreten könne, ernannte Márki-Zay die MSZP-Politikerin Dr. Andrea Kis zu seiner Stellvertreterin.

Kleine Schritte

Doch das war es dann auch schon mit der Kooperation. Als zweite Amtshandlung wollte Márki-Zay zwei Initiativen des Fidesz vor die Stadtversammlung bringen. Diese, noch immer mehrheitlich von Fidesz-Abgeordneten besetzt, verweigerte den Initiativen allerdings die Unterstützung. Auch in den darauffolgenden Monaten änderte sich dieses Verhalten nicht. Mehr noch: Versuche, Márki-Zay in die Quere zu kommen, nahmen zu.

Ein Grund dafür dürfte sein, dass der neue Bürgermeister es sich zur Aufgabe gemacht hatte, Licht in die mehr oder minder undurchsichtigen Geschäfte der Stadt zu bringen. So war es eine seiner ersten Amtshandlungen, die umstrittenen Verträge mit dem Energetikdienstleister Elios Zrt. zu veröffentlichen (das Unternehmen gehörte einstmals dem Schwiegersohn Viktor Orbáns, István Tiborcz, und war jüngst ins Fadenkreuz der Anti-Korruptionsbehörde OLAF geraten. Die EU fordert nun mehrere Milliarden Forint Subventionen zurück). Doch nicht nur hier setzt Márki-Zay auf Transparenz. Er machte auch die Liste der sogenannten TAO-Gelder öffentlich und wie viele dieser Steuerspenden die einzelnen Sportclubs erhalten hatten. Doch auch in Sachen Korruptionsbekämpfung wurde Márki-Zay tätig und erstattete noch Anfang April Anzeige gegen Unbekannt wegen Veruntreuung im Falle von öffentlichen Ausschreibungen der vorangegangenen Stadtführung.

Keine Zusammenarbeit zwischen Lázár und Márki-Zay

Daran, dass das Verhältnis zwischen neuer und alter Stadtführung noch immer alles andere als ungetrübt ist, hat auch der Erdrutschsieg des Fidesz am 8. April nichts geändert. Mehr noch: Mit der Parlamentswahl wurde János Lázár als Abgeordneter des Wahlkreises bestätigt. Die Zusammenarbeit der beiden starken Männer wäre wichtig, doch bisher scheinen die Fronten verhärtet, insbesondere nachdem Márki-Zay fast wöchentlich weitere fragwürdige Ausgaben der vorangegangenen Stadtführung aufdeckt, beispielsweise monatliche Spesenabrechnungen im Wert von drei Millionen Forint.

Vielleicht ist darin die eher ablehnende Haltung von János Lázár nach seiner Rückkehr in die Kommunalpolitik begründet. Denn entgegen aller Lippenbekenntnisse, scheint der ehemalige Leiter des Kanzleramtes bisher vor allem darauf aus zu sein, seinem politischen Widersacher das Leben schwer zu machen. Erst vergangene Woche Donnerstag nahm Lázár an einer Sitzung der Stadtversammlung teil und bezeichnete den Bürgermeister dort als „fürs Amt unfähig”. Eine funktionierende Zusammenarbeit ist in Hódmezővásárhely also weiterhin nicht in Sicht.

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