Es gibt wohl nur wenige Veranstaltungen, die die Hauptstädter so sehr spalten wie das „Red Bull Air Race“. Betrachtet man die Umstände, ist dies vielleicht gar nicht so verwunderlich.

LMP: „Veruntreuung durch die Stadtführung”

Dass auch Stadtvater István Tarlós das Großereignis mittlerweile etwas kritischer sieht, könnte man natürlich auf eine Petition der grünen Partei LMP zurückführen – doch das ist eher unwahrscheinlich. Sicher ist jedoch, dass die Bilanz zum Air-Race aus Budapester Sicht eher wenig positiv ausfällt.

Da ist beispielsweise das Problem mit dem Verkehr: Bereits zwei Wochen im Vorfeld der Veranstaltung wurde ein Abschnitt des Budaer Donauufers für Autos gesperrt, und damit das Verkehrschaos in der Hauptstadt massiv verstärkt. Und auch eine Woche danach ist die Uferstraße noch immer gesperrt, diesmal wegen Abbauarbeiten.

Gut, mag man denken, die Stadtkasse ist leer, so ein zweifelsohne teuer zu arrangierendes Event bringt Budapest zumindest Geld über Platzgebühren ein. Doch weit gefehlt! Denn nicht nur hat die Hauptstadt den Veranstaltern fast die gesamten Platzgebühren erlassen – lediglich 13 Millionen Forint waren zu entrichten –, mehr noch, die Stadt unterstützt den Veranstalter, die Hungaroring Sport Zrt., auch noch mit jährlich 1,8 Milliarden Forint.

Foto: MTI / Zsolt Szigetváry
Es ist diese Tatsache, auf die die LMP nun vornehmlich ihre Veruntreuungsvorwürfe stützt. Doch auch andere Punkte listet sie in ihrer Petition auf: So würde das Rennen die ohnehin schlechte Luft in Budapest zusätzlich belasten. Hierzu zählten sie nicht nur die Emissionen der Flugzeuge selbst, sondern auch das Mehr an Abgasen durch jene Fahrzeuge, die wegen der Absperrungen im Stau stehen. Schon 2014 wandte sich die „Arbeitsgruppe Luft”, eine NGO, die sich gegen Luftverschmutzung einsetzt, in einem offenen Brief an Premier Viktor Orbán. In diesem warfen sie dem Regierungsoberhaupt vor, die Gesundheit der Bürger aufs Spiel zu setzen und fordern eine Erklärung dafür, warum für die EU-Kampagne „Saubere Luft” gerade einmal 54 Millionen Forint bereitgestellt würden, während für den ersten Förderzyklus des Air-Race zwischen 2015 und 2017 ganze sechs Milliarden aus der Staatskasse gezahlt worden sind.

Tarlós: „So nicht noch einmal”

Nun ist das diesjährige Rennen also vorbei und es bleibt die Frage, was die Budapester im kommenden Jahr erwartet. Geht es nach OB István Tarlós, so wird das Rennen nicht noch einmal unter den diesjährigen Bedingungen ablaufen. Gegenüber dem Nachrichtenportal index.hu sagte er: „Das ‚Red Bull Air Race‘ hat am Wochenende ein furchtbares Durcheinander in der Stadt verursacht. Ein großes Gebiet wurde für lange Zeit für den Verkehr gesperrt. Ich ziehe deshalb diese Entscheidung im kommenden Jahr an mich. Sollte die Veranstaltung erneut unter diesen Bedingungen geplant werden, werde ich mich mit meinem Vetorecht einbringen und dies verhindern.”

Als genervter Anwohner ist man geneigt, zu hoffen, dass der Stadtvater seinen Worten in Zukunft auch Taten folgen lässt.

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