Im Sinne der neu geschaffenen Veranstaltungsreihe „Budapester Europa-Rede“ soll dies ab jetzt sogar jedes Jahr der Fall sein. Organisiert wurde die Auftaktveranstaltung am vergangenen Sonnabend an der Andrássy-Universität von der Stiftung für ein Bürgerliches Ungarn (PMA) sowie der Budapester Vertretung der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS). Höhepunkt der ersten Veranstaltung dieser Reihe war eine leidenschaftliche pro-europäische Rede des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, der als Freund von Helmut Kohl der Privileg hatte, vom Altkanzler als letzter ranghoher Politiker kurz vor dessen Tod empfangen zu werden.

Eröffnet wurde die Veranstaltung von den Leitern der beiden Veranstalter, also von Minister a.D. Zoltán Balog sowie Frank Spengler. In seinen einleitenden Worten erinnerte Spengler daran, dass Helmut Kohl immer ein aufrichtiger Freund Ungarns war. Seiner Weitsicht bei der Gestaltung der deutschen Einheit und der Wiedervereinigung Europas hätten die Menschen viel zu verdanken. Es sei der Stiftung daher ein besonderes Anliegen, „an die herausragenden Verdienste des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers für den Zusammenhalt in Europa zu erinnern“. PMA und KAS wollen im Sinne der Pflege des europapolitischen Erbes von Helmut Kohl jedes Jahr einen hochrangigen Politiker einladen, um vor allem über die Zukunft des Kontinents zu sprechen.

Den Großteil seiner etwa dreiviertelstündigen Rede widmete sich Orbán der Europapolitik. Immer wieder würdigte er dabei den ehemaligen deutschen Bundeskanzler. „Für uns, Mitteleuropäer, ist Helmut Kohl das Ideal des christlichen europäischen Menschen. Er vertrat das christliche Europa, wohin wir schon immer gehört haben, und nach vierzig Jahren Kommunismus öffnete sein politischer Wille den Weg für unsere Rückkehr in die Gemeinschaft der europäischen Völker“, bemerkte er gleich zu Beginn seiner Rede. „Helmut Kohl wusste unsere Freundschaft zu schätzen“, unterstrich er einige Gedanken später.

Mit der gegenwärtigen EU ging Orbán immer wieder hart ins Gericht. „Schon seit Langem gab es keine derart erfolglosen fünf Jahre für die Europäische Union, wie es die letzten waren“, stellte er etwa fest. Sodann zählte er die Misserfolge der EU auf, allen voran ihr Versagen in der Migrationskrise und in Sachen Brexit. Entsprechend ablehnend äußerte er sich auch über die EU-Kommission. „Diese Kommission muss gehen!“, forderte er unverblümt.

Auch an der EVP ließ er kaum ein gutes Haar. Origineller Weise dreht er bezüglich der Fidesz-Mitgliedschaft in der EVP einmal den Spieß um. Während üblicherweise stets über einen Rauswurf des Fidesz spekuliert wird, äußerte sich Orbán jetzt folgendermaßen: „Entgegen der durch die führenden Politiker der Europäischen Volkspartei zu unserem Nachteil begangenen Fehler haben wir beschlossen, an der Seite der europäischen Parteienfamilie auszuhalten.“ Ausdrücklich sprach er sich gegen das „Desertieren“ vor der schwierigen Aufgabe aus, die EVP zu erneuern und ihr dabei zu helfen, zu ihren christdemokratischen Wurzeln zurückzufinden, um eine „christdemokratische Renaissance“ einzuleiten.

Die vollständige Rede von Premier Viktor Orbán finden Sie auf der Internetseite der Konrad-Adenauer-Stiftung: www.kas.de/ungarn

Konversation

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