Am Freitag lud László Lovász, Direktor der Akademie, deshalb zu einer außerordentlichen Sitzung. Doch noch während die Mitglieder der Akademie tagten, veröffentlichte die akademieinterne Gruppe „Stadium 28“ eine Erklärung, die die Ängste und Sorgen der Akademiker zusammenfasst: „Das Ministerium wird von nun an in allen Fragen, die auch die Finanzen betreffen, entscheiden können. In Anbetracht der früheren Schritte ist dies nicht überraschend. Es ist aber dafür nicht weniger zu verurteilen, dass die Regierung diesen Schritt, der die Leistungsfähigkeit der MTA grundlegend angreift, ohne vorherige Konsultation, überfallartig vollzogen hat (...).” Die Gruppe fordert, dass die Mittel weiterhin direkt bei der MTA verbleiben sollten, um so die „Unabhängigkeit und Freiheit der Forschung“ zu sichern. „Stadium 28“ initiierte zudem eine Petition, die nur wenige Stunden nach Veröffentlichung bereits mehr als 1.500 Unterzeichner zählte.

„Seit den 50er-Jahren keine solchen Einschnitte”

Auch Minister László Palkovics nahm an der Sondersitzung am Freitag teil. Dies allein ist schon eine kleine Sensation, scheuten sich Regierungsvertreter doch bislang tunlichst vor offenen Konfrontationen. Doch auch zweieinhalb Stunden intensive Gespräche brachten nichts. Nach Ende der Sitzung veröffentlichte das Direktorat der MTA eine Stellungnahme, in der sie die Regierung darum bittet, den Gesetzesentwurf zur Umverteilung der Gelder und auch den Haushalt vorerst dem Parlament nicht zur Abstimmung vorzulegen, da beide Dokumente ohne vorherige Konsultation der MTA entstanden seien.

Der Gesetzesentwurf sieht vor, dass die Subventionen, die bisher vom Staat direkt an die Akademie überwiesen wurden, demnächst an das neu geschaffene Ministerium von Palkovics gehen. Die Akademie könne dann von dort ihre Mittel abrufen. Die MTA sieht darin „einen Einschnitt in die Unabhängigkeit, wie es ihn seit den 50er-Jahren nicht gab”. Wie Lovász auf der anschließenden, gemeinsam mit László Palkovics abgehaltenen Pressekonferenz mitteilte, gebe es Verhandlungen mit Regierungsvertretern, um die Unabhängigkeit der MTA zu sichern. Es sei „bedauerlich”, dass es hierfür im derzeitigen Gesetzentwurf keine Garantien gebe.

László Palkovics sprach am Freitag davon, dass die Umleitung der Gelder über das Ministerium keine Verstaatlichung der MTA bedeute: „Die Regierung glaubt, dass auf gesellschaftliche, wirtschaftliche und technische Herausforderungen gemeinsame Lösungen gefunden werden müssen. Auch in Bezug auf die Mittel ist deswegen mehr Koordination erforderlich. Welche Forschungsprojekte durchgeführt werden, wird aber auch weiterhin die Akademie entscheiden, dies gehört nicht zum Wirkungskreis der Regierung”, stellte Palkovics klar.

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