Obwohl sich das TAMA in prominenter Lage, auf halben Weg zwischen Erzsébet tér und St.-Stephans-Basilika, befindet, ist dieses Edelrestaurant von außen leicht zu übersehen. Doch Kenner wissen spätestens seit anderthalb Jahren, welch kulinarisches Juwel sich hinter diesen Türen befindet.

Einmal eingetreten fühlt man sich im TAMA schnell wie daheim. Obwohl im zeitgenössisch eleganten Stil gehalten, vermittelt vor allem der untere Gastraum des zweistöckigen Lokals mit seinem legeren Mobiliar, edlen Teppichen, Bücherregalen und eklektischen Dekor sowie dem intimen Beleuchtungskonzept ein regelrechtes Wohnzimmer-Feeling. Die offene Küche, in die man dank geschickt platzierter Wandspiegel auch vom hintersten Platz noch einen Einblick genießt, gehört zu den Highlights des Innendesigns.

Im zweiten Stock befindet sich ein weiterer Gastraum, der mit seinem etwas formelleren Ambiente besonders für geschlossene Veranstaltungen, ob nun Businessevents oder Familienfeste, mit bis zu 30 bis 40 Personen geeignet ist.

Dieser Teil des Restaurants fungiert darüber hinaus auch als Galerie. Hier werden derzeit die neorealistischen Malereien des ungarischen Künstlers Viktor Friedl-Kiss ausgestellt.

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Spagat zwischen ungarischer und internationaler Küche

Nachdem das TAMA 2016 als eine Art gehobene Bistroküche startete, verfolgt es seit einem Eigentümerwechsel 2017 einen gastronomischen Ansatz, der mehr dem Fine-Dining-Sektor zuzuordnen ist. Ob die angebotene Küche dabei nun eher als ungarisch oder doch als international zu bezeichnen ist, lässt sich nur schwer beantworten. Es kommt wohl auf den Standpunkt an: „Die Ungarn empfinden es als international, unsere ausländischen Gäste als ungarisch“, löst das Restaurant in einer Selbstbeschreibung auf.

Fakt ist, dass die von Kreativchef János Erdei zusammengestellten Kompositionen vor Einfallsreichtum strotzen und vor allem anspruchsvolle Feinschmecker ansprechen dürften. Seine Spezialität: ein Gericht in seine einzelnen Bausteine zerlegen und auf erfrischende Art neu zusammensetzen.

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Das gelingt ihm bereits im Bereich der Vorspeisen. Einer der Favoriten von Erdei, der der Küche des TAMA seit Anfang des Jahres seinen eigenen Stempel aufdrückt, ist neben den Jakobsmuscheln mit Cider-Espuma und gerösteten Erdnüssen, die Entenleberterrine. In seiner Präsentation ist dieses Gericht vor allem eine Augenweide für Minimalisten. Ohne überflüssigen Schnickschnack in Form von Garnierungen gesellt sich neben die edel marmorierte Terrine nur ein säuberlich abgegrenzter Salat aus fein gehackter Gelber Beete, Apfel und Erdbeere. Der fruchtige Geschmack dieser Beilage verleiht der reichhaltigen Leber den nötigen Frischekick.

Alte Rezepte neu kombiniert

Im Bereich der Hauptgerichte ist Erdei, der in der Vergangenheit unter anderem mit den bekannten Chefköchen Krisztián Huszár und Dániel Magyar die Küche des Beszálló leitete, immer für eine Überraschung gut. Ungewöhnlich und ein bisschen exzentrisch gehört beispielsweise die im Ganzen servierte und mit eigenem Fleisch gestopfte Wachtel zu den Höhepunkten der Speisekarte. Aber auch das Karpfenfilet Rácer Art ist eine Empfehlung wert. Erdei basiert diese Kreation auf einem alten ungarischen Rezept, das, wie er sagt, über die Jahre etwas aus der Mode gekommen sei: „Jeder kennt dieses Gericht, aber selbst in traditionellen ungarischen Restaurants, wie etwa der Csárda, wird es kaum mehr angeboten“, so der Kreativkoch. „Ich habe das Rezept in seine einzelnen Bestandteile runtergebrochen – von den Kartoffeln und Zwiebeln über den Karpfen bis hin zum Speck – und anschließend neu zusammengesetzt. Ich denke, so ist dieses Gericht für unsere ausländischen Gäste ‚verständlicher‘ und bietet auch den Ungarn neue Eindrücke.“

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Dass Erdei und sein fünfköpfiges Küchenteam ihr Handwerk verstehen, zeigt sich auch bei den Desserts: Neben einer verführerischen Schokoladen-Himbeer-Tarte und einem Panna Cotta mit Basilikum und Erdbeerschaum punktet der Kreativkoch hier mit einem leichten Frischkäsedessert, das neben Vanille und einer zarten Orangennote auch aromatischen Dill integriert. Gerade in der warmen Jahreszeit findet man in diesem auch optisch ansprechenden Dessert eine tolle Alternative zu den üblichen Zuckerschleckereien.

Egal ob Vorspeise, Hauptgang oder Dessert – Erdei macht weder bei der Qualität der Zutaten noch bei der gewissenhaften Zubereitung unter Einsatz innovativer Techniken oder der durchdachten Präsentation Abstriche. Alle diese Aspekte müssen, so sagt er, im Einklang miteinander stehen, damit das Endergebnis grandios schmeckt.

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Ein besonderes Plus des TAMAs ist darüber hinaus die fein abgestimmte Weinauswahl. Je nach Geschmack und Vorliebe, ob eher international oder lokal, feinherb oder doch fruchtig, weiß der Sommelier des Lokals zu jedem der Gerichte eine Anzahl passender Weine zu empfehlen. Selbst wählerischen Gourmets dürfte es daher nicht schwerfallen, sich auf das Urteil und die Erfahrung des freundlichen Servicepersonals zu verlassen.

Fazit

Wer nach einem kulinarischen Abenteuer auf Fine-Dining-Niveau sucht, ohne dafür gleich Beträge wie im Costes oder Onyx auf den Tisch legen zu müssen, ist im TAMA genau richtig. Das Restaurant bietet eine für die ungarische Hauptstadt einmalige Erlebnisgastronomie in einer durchgestylten und doch heimeligen Atmosphäre und macht nicht zuletzt durch den aufmerksamen, professionellen Service jeden Besuch unvergesslich. Von Küchenchef János Erdei, der es versteht, seine Leidenschaft für hochwertigen Genuss mit den Gästen zu teilen, dürfen wir in Zukunft sicherlich noch Großes erwarten. Er wird dem TAMA ohne Frage noch die eine oder andere Auszeichnung einbringen.

TAMAs einziges Manko: Es gibt keine Terrasse. Doch zum einen hat es dies mit dem Großteil der Michelin-Restaurants in Budapest gemein, zum anderen werden gerade im anstehenden Juli und August viele Leute den wohltemperierten und vor zu viel Sonnenstrahlung geschützten Gastraum des TAMA durchaus zu schätzen wissen.

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TAMA

Budapest, V. Bezirk, Bajcsy-Zsilinszky út 22

Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 11.30 bis 15 Uhr und 18 bis 23.30 Uhr

Reservierungen unter +36-1-227-2227

Weitere Informationen auf tamabudapest.hu


Preise

Vorspeisen: 2.680 bis 3.950 Forint

Suppen: 1.950 bis 2.450 Forint

Hauptgerichte: 3.250 bis 7.950 Forint

Desserts: 1.550 bis 1.850 Forint

Degustationsmenü: sechs Gänge ab 19.900 Forint

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