Auch mit über 60 Jahren, nach zahlreichen privaten Tiefschlägen und über 40 Jahren des Musikmachens denkt Nick Cave noch lange nicht ans Aufhören. Der australische Musiker hat nicht an Schneid verloren, noch immer versteht er es, die Extreme des Lebens in wortgewaltige Poesie zu gießen.

Seine musikalische Karriere begann Nick Cave bereits in der Highschool im australischen Warracknabeal, doch erst mit seinem Umzug nach London und später Berlin, wo Cave auch den avantgardistischen Musiker und Einstürzende-Neubauten-Frontmann Blixa Bargeld kennenlernte, nahmen seine Bandprojekte so richtig Form an. Gemeinsam mit Bargeld und Multi-Instrumentalist Mick Harvey gründete Cave 1983 die Bad Seeds. Schon ein Jahr später erschien ihr Debütalbum „From Her to Eternity“, zwölf Monate darauf bereits das zweite Album „The Firstborn Is Dead“. Bis dato veröffentlichte die Band 16 zum Teil weltweit erfolgreiche Studioalben sowie mehrere Singles. Das bisher kommerziell erfolgreichste ist das 1996 erschienene Album „Murder Ballads“. Darauf ist auch Caves Duett mit Kylie Minogue „Where the Wild Roses Grow“ zu hören, das sich in Deutschland über 27 Wochen in den Charts hielt.

Über die Jahre änderte sich die Besetzung der Band immer wieder. Heute gehören neben Sänger Nick Cave die Schlagzeuger und Perkussionisten Thomas Wydler und Jim Sclavunos, Violinist Warren Ellis, Pianist Conway Savage sowie Martyn Casey am Bass fest dazu. Auch ihr Sound unterlag vielen Wandeln: von den krachigen Anfängen über düstere und immer eine Spur zu dramatische Auftritte bis hin zum Lyrischen der späten Jahre. Nick Cave selbst hat sich in seiner schon bald vier Jahrzehnte umspannenden Karriere vom brachialen zum feinsinnigen Schmerzensmann des Rock’n’Rolls entwickelt.

Das bisher letzte Studioalbum „Skeleton Tree“ veröffentlichten Nick Cave & The Bad Seeds im September 2016. Dass sich Cave in seinen musikalischen Werken mit dem Tod auseinandersetzt, ist nichts Neues, doch im Lichte der persönlichen Tragödie, die den Sänger nur kurz zuvor ereilte, ist dies eines der ehrlichsten Alben des Australiers. In acht fast schon schmerzhaft intensiven Liedern verarbeitet er den Unfalltod seines 15-jährigen Sohns im Juli 2015. Einige sind düstere Klagegesänge, andere zweifelnd-hoffnungsvolle Song-Gebete. Das Titellied „Skeleton Tree“ hingegen dürfte wohl eine der berührendsten Balladen sein, die Nick Cave je verfasst hat.

Budapester Konzert verspricht Mischung aus Klassikern und Neuheiten

Auch bei seinem Budapester Konzert dürfte es sich der Zimmermann der Klangkunst nicht nehmen, dem Publikum in aller Ausführlichkeit die Songs der neuen Platte vorzustellen. Doch sollten vergangene Konzertberichte irgendein Indikator sein, können Besucher auch auf Klassiker wie „Into My Arms“, „Stagger Lee“ oder „The Mercy Seat“ hoffen.

Doch noch mehr als eine gelungene Setliste, die Oldies und Neuheiten mischt, dürfte es die Bühnenshow des australischen Musikers sein, die das Konzert zu einem unvergesslichen Erlebnis machen wird. Denn Cave hat einen Ruf als wirkmächtiger Performance-Künstler, der während seiner Auftritte in unzählige Rollen schlüpft, sich mal in Rage singt, mal als ungehobelter Wüstling auftritt, um wenig später mit viel Feingefühl und beschwörender Stimme erneut seine dunkle Untergangspoesie zu predigen. Das Ganze natürlich wie immer im Anzug. Stil muss sein.

Caves aufwühlende Offenbarungen und die durchdachte Konzertdramaturgie werden sicherlich auch am Publikum nicht spurlos vorübergehen. Doch wie drückt es der Sänger im Text zu „Push the Sky away“ aus: „And some People say it’s just Rock’n’Roll, but it gets you right down to your Soul.“


Nick Cave & The Bad Seeds

21. Juni 2018 in der Papp László Budapest Sportaréna

Konzertbeginn: 20 Uhr

Tickets: ab 14.990 Forint

Weitere Informationen finden Sie auf www.nickcave.com und www.ticketportal.hu

Konversation

ÄHNLICHE BEITRÄGE
Die konservative Seite / Kommentar zu den Ereignissen in Chemnitz

Lügenpresse

Geschrieben von Mariann Őry

Die deutschen Medien hätten in den letzten drei Jahren wirklich etwas dazulernen können.

Szemrevaló Fesztivál / Sehenswert-Festival 2018

Vergangenheit und Gegenwart auf die Leinwand gebannt

Geschrieben von Katrin Holtz

Kaum geht in Miskolc das internationale Filmfestival Jameson CineFest zu Ende, schon steht das…

Die Letzte Seite: Memes zum Sargentini-Bericht

Die Steilvorlage

Geschrieben von EKG

Seien wir ehrlich, das Ergebnis der Abstimmung am Mittwoch vergangener Woche war trotz allem…