Eröffnet wurde die Konferenz von Krisztina Varju, die von Seiten des ungarischen Außenministeriums für die Abwicklung der ungarischen V4-Präsidentschaft verantwortlich ist. In ihrer Ansprache bezeichnete sie die V4-Gruppe als „stabilste und erfolgreichste Staatengruppe“ der EU. Außenminister Péter Szijjártó erinnerte sodann an die gewaltigen Herausforderungen, vor denen die EU momentan stehe. Konkret nannte er die Abwicklung des Brexits, den Ukraine-Konflikt sowie die Frage der Sicherheit. Leider kommen zu diesen und weiteren Fragen aus Brüssel bisher nicht die richtigen Antworten.

Szijjártó: „Ein starkes Europa braucht ein starkes Mittelosteuropa“

„Ein starkes Europa braucht ein starkes Mittelosteuropa“, so Szijjártó mit Blick auf die Zukunft Europas. Vor diesem Hintergrund empfinde er die Diskussion um den zukünftigen EU-Haushalt als „verlogen und unwürdig“. Bei den EU-Geldern gehe es nicht um eine Art humanitärer Hilfe, sondern um Gelder, die unter anderem auch Ungarn aufgrund früherer Vereinbarungen zustünden. Ungarn habe seinen Teil erfüllt, sich nämlich etwa für westliche Firmen geöffnet, die jetzt hier ihre Waren verkaufen und preiswert produzieren können.

Schließlich sprach sich Szijjártó für eine Fortsetzung der Erweiterung der europäischen Staatengemeinschaft aus. An dieser Stelle äußerte er sein Unverständnis darüber, dass beispielsweise Serbien und Montenegro noch bis 2025 auf ihren EU-Beitritt warten müssen. „Worauf muss hier noch sieben Jahre gewartet werden?“ Seiner Meinung nach sollte mit der derzeit noch positiven Haltung dieser Länder gegenüber einem EU-Beitritt nicht gespielt werden.

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Moscheebau in Duisburg:Moderator Gábor Tallai illustriertedas Diskussionsthema „Kulturkampf“ auf eindringliche Weise.

Nach den beiden Eröffnungsansprachen kam der erste inhaltliche Beitrag der Konferenz vom ungarnstämmigen britischen Soziologen Frank Füredi. Aus eigenem Erleben schilderte er zunächst, wie in Großbritannien immer mehr diverse Grenzen verschwinden würden. Konkret sprach er die permanente Unterminierung der Rolle der christlichen Religionen aber auch der Eltern an. Das linksliberale Establishment würde alle möglichen Formen der Diversität und Identität befürworten mit einer großen Ausnahme: die nationale Identität. „Wir müssen unser Erbe ernst nehmen, wenn wir eine Zukunft haben wollen“, schloss er.

Rettender Glaube

Das erste Podiumsgespräch der Konferenz stand unter dem Titel „Kulturkampf – Kampf der Kulturen in Europa“. Moderiert wurde es von Gábor Tallai, dem Programmdirektor des Terrorhausmuseums. Mit einer gut gewählten Visualisierung machte er sogleich deutlich, wo er in Europa einen Kulturkampf sieht. Das eingeblendete Foto zeigte die Errichtung einer Moschee in Duisburg. Deutlich sichtbar prangt das Schild eines Subunternehmers am Baugerüst: Luther Gerüstbau GmbH. Zufällig wurde die Moschee ausgerechnet 2017 im Luther-Jahr eingeweiht. Nach der Ansicht von Tallai habe der europäische Kulturkampf aber nicht erst mit der massenhaften Ansiedlung von Muslimen in Westeuropa begonnen, sondern bereits 1917, als im Zuge der bolschewistischen Revolution begonnen wurde, die christlichen und jüdischen Wurzeln zu negieren. Die Frage laute seitdem, wie wir unsere Grundwerte bewahren können.

Nicht als Selbstzweck, sondern damit sie auch uns und unsere Lebensart bewahren. So erinnerte der bisherige EMMI-Minister Zoltán Balog daran, dass es nicht zuletzt der „Glauben an unsere Grundwerte“ gewesen sei, der die Staaten des früheren Ostblocks die Zeit des Kommunismus überstehen ließ. „Nicht das Geld, sondern der Glaube hat uns gerettet“, unterstrich Balog. Auch bei der Demographie ginge es nicht nur um Geld, sondern auch darum, ob es eine Gesellschaft als wichtig erachtet, dass sie wächst und gedeiht. Dies sei eine Kulturfrage. Immerhin konnte Balog an dieser Stelle erfreut mitteilen, dass sich in seiner Zeit als EMMI-Minister eine Trendwende hin zum Positiven bei der Zahl geschlossener Hochzeiten vollzogen hat.

Eine neue Phase des Kapitalismus

Der italienische Professor für Philosophiegeschichte Diego Fusaro sieht im gegenwärtigen Sturmlauf gegen alle möglichen Formen von Grenzen in Westeuropa eine neue Phase des Kapitalismus. „Wenn es nationale und sonstige Grenzen und Begrenzungen nicht mehr gibt und nur noch der Markt regiert, geht ein Traum des Kapitalismus in Erfüllung.“ Europa würde gegenwärtig im Zeichen der EZB vereinigt, der Euro sei ein Ausdruck des absoluten Kapitalismus. „Die Eurokraten versuchen Europa auf monetärer Basis zu vereinigen“, findet Fusaro. „Wir sollten nicht den Euro retten, sondern uns selbst“, so der Philosoph weiter. „Wir lieben Europa, deswegen kämpfen wir gegen die EU“, schloss er.

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Der ehemalige stellvertretende polnische Außenminister Aleksander Stepkowski sieht die Hauptursache für die muslimische Masseneinwanderung in westliche Länder in erster Linie in der inneren Schwäche des Westens. Diese habe seine Ursache wiederum darin, dass im Westen gewisse marxistische und neomarxistische Haltungen und Denkweise bei den Entscheidungsträgern bis heute fortbestehen. Zum Teil lasse sich damit auch die Ablehnung der christlichen Religionen erklären. Ebenso die bewusste Tolerierung des Islam als entschiedener Gegner des christlichen Glaubens.

Letztendlich habe man es mit der paradoxen Situation zu tun, dass sich die vom neomarxistischen Geist besessenen Linken in ihrem Kampf gegen die Nationen und christlichen Religionen ausgerechnet zu Handlangern des Kapitalismus machen. Schließlich, so betonte Fusaro, seien die Religion und die Nation zugleich die natürlichen Feinde des Kapitalismus. Der Kapitalismus wolle alle Grenzen zerstören. Auch die Familien, schließlich gäbe es innerhalb von Familien keinen Kapitalismus. Das Ideal des Kapitalismus sei der freie Markt ohne jegliche Begrenzungen, in dem jeder nur noch eine „Commodity“ ist. „Letztendlich sollen wir alle zu Migranten werden, hoch mobil und ohne Vaterland“, mutmaßte Fusaro. Der Kapitalismus liebe Migranten. Sein Schlachtruf laute Globalisierung und habe nur das Ziel, die einheimischen Arbeiter noch besser ausbeuten zu können. „Ich bin stolz ein Italiener zu sein“, schloss er unter Applaus.

Der belgische Schriftsteller und Historiker, David Johannes Engels, erzählte unter anderem von seinen Eindrücken von Budapest. „Ich fühle mich hier wie in einem normalen Land“, stellte er fest. Das gleiche Gefühl habe ihn vor kurzem auch in Warschau überkommen. Es sei schwer zu definieren, fest stehe: im Westen habe er dieses Gefühl nicht mehr. „Ich hoffe sehr, dass die Normalität der östlichen EU-Länder einst auf den Westen ausstrahlen wird“, so Engels.

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