Erwartungen, Hoffnungen und jede Menge Ehrgeiz liegen in der Luft, die Anspannung ist nahezu greifbar. Tänzerinnen in langen Ballkleidern schweben über das Parkett und erfüllen den Raum mit Leben. Eines schöner als das andere, funkeln die mit Strass besetzten Kleider in den leuchtendsten Farben um die Wette. Egal wo man hinschaut, die Tanzpaare wirbeln und springen quer durch den Saal und versetzen die Zuschauer mit ihrer atemberaubenden Eleganz in Erstaunen. Dann der Wechsel. Nur ein paar Meter weiter auf der nächsten Fläche: Kurze, freizügige, hautenge Kleider, soweit das Auge reicht, verziert mit Strass, Pailletten, Federn oder Fransen. Geschmeidige Hüftbewegungen und akzentuierte Schritte, gejagt von Showelementen wie Spagat und Brücke, begleitet von Emotionen zwischen Leidenschaft und purer Lebensfreude, entlocken dem Publikum laute Jubelrufe.

Diese Szene ist nicht etwa einem Hollywoodfilm oder einem Mädchentraum entsprungen, sondern die ganz außergewöhnliche Atmosphäre von Tanzturnieren. Claudia Lengyel kennt diese besondere Stimmung schon seit ihrer Kindheit.

Eine Leidenschaft, die fesselt

„Alles fing damit an, dass ich von Freundinnen gehört hatte, dass hier in Szigetújfalu ein Tanzkurs stattfinden sollte“, erinnert sich Lengyel. Damals war sie gerade einmal fünf Jahre alt und sagte ihren Eltern, dass sie sich diesen Kurs gerne einmal anschauen wolle. „Nun schau ich mir das schon seit 20 Jahren an“, lacht die energiegeladene Tänzerin.

Dass Claudia Lengyel eine vielseitige und zielstrebige Frau mit vielen unterschiedlichen Interessen ist, erkennt man schon an ihrem Bildungsweg und ihrem Interesse für Nationalitätenangelegenheiten.

Aufgewachsen ist die heute 25-Jährige im Geburtsort ihrer Eltern: Szigetújfalu (dt.: Ujfluch) auf der Csepel-Insel, knapp 40 Kilometer von der ungarischen Hauptstadt entfernt. Lengyel ist Ungarndeutsche. Ihr Vater wurde zwar 1946 wie viele andere Ungarndeutsche vertrieben und wuchs somit in Deutschland auf, kehrte später jedoch zurück, um in Ungarn eine Familie zu gründen. Ihre ungarndeutsche Identität prägt das Leben der Tänzerin bis heute. „Ich habe die ungarische und deutsche Staatsbürgerschaft, habe zwei Muttersprachen und spreche darüber hinaus auch Spanisch und Englisch“, erklärte Lengyel einmal in einem Interview im Zentrum der Ungarndeutschen, und ergänzte: „Ich bin sehr stolz darauf, mich in zwei Sprachen und Kulturen zuhause fühlen zu können.“ Aber natürlich ist es vor allem die Liebe zum Tanzen, die ihr Leben bis heute prägt.

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Wenn das Hobby zum Beruf wird

Nachdem Claudia Lengyel am Imre-Madách-Gymnasium in Budapest ihre Hochschulreife erlangt hatte, studierte sie Soziologie an der Budapester Loránd-Eötvös-Universität (ELTE) und Sport an der Sportuniversität (TE), wo sie auch ihr Diplom als Tanztrainerin erhielt. Heute besitzt Lengyel zusammen mit ihrer ersten Tanzlehrerin einen eigenen Tanzverein: Colour Táncegyesület. Dort gibt es Tanzkurse für jede Altersklasse, egal ob für Kinder, Jugendliche oder Erwachsene. Interessierte können hier Einblicke in die Welt der Standard- und Lateintänze sowie in Salsa und Fitness erhalten.

„Ich gebe vier Mal in der Woche Fitnessstunden auf der Csepel-Insel. Dort habe ich eine große Gruppe mit 100 Frauen und zehn Männern“, erklärt Lengyel im Interview mit der Budapester Zeitung. Hier bietet sie ganz unterschiedliche Workouts an. Zum einen ZONA, ein Intervalltraining, in dem es um das Stehvermögen der Teilnehmer geht. Des Weiteren stehen Capoeira Aerobic und Salsa Fitness auf dem Plan. In Ersterem erlernen die Mitwirkenden die Mischung aus Kampfsport und Aerobic. Letzterer beinhaltet Grundschritte vom Latein. Und als wenn diese Trainingseinheiten nicht schon genug wären, trainiert die motivierte Tänzerin selbst noch drei Mal pro Woche mit ihrem Tanzpartner Árpád Tóth.

Voller Körpereinsatz und jede Menge Hüftschwung

„Früher, als ich noch studiert habe, konnte ich vier bis fünf Mal in der Woche trainieren“, erinnert sich Lengyel. Heute sei dies aufgrund ihrer zwei Jobs sehr schwer. Neben dem Tanzstudio arbeite sie, um ihren Unterhalt zu bestreiten, auch im Kundenservice der Firma British Petrol.

„Tanzen ist mein Leben, aber als Erwachsener ist es nun mal etwas schwieriger, für den Traum alles zu geben“, meint die 25-Jährige. In ihrer tänzerischen Karriere hat sie sich vor allem auf die fünf Lateintänze spezialisiert. „Früher habe ich auch mal Standard gelernt und ungefähr zwei Jahre lang an Turnieren teilgenommen, aber mir war schon immer klar, dass Latein mein Stil ist“.

Sowohl Latein als auch Standard gehören zu den Paartänzen, doch beide Stile unterscheiden sich ganz wesentlich. Die Lateintänze – Samba, Cha-Cha-Cha, Rumba, Paso Doble und Jive – erkennt man gut an den meist kurzen, freizügigen Kleidern der Damen. Im Standard – Langsamer Walzer, Tango, Wiener Walzer, Slow Fox und Quickstep – warten die Tänzerinnen hingegen mit langen, eleganten Kleidern auf, die bei jeder Bewegung mitschwingen. Die Herren tragen hier in den höheren Leistungsklassen außerdem einen Frack.

„Ich mag lieber Latein, da man viel mehr Körperbewegungen zeigen muss“, meint Lengyel. Denn anders als im Standard, wo es eine feste Haltung gibt und die gemeinsame Bewegung als Paar in dieselbe Richtung im Vordergrund steht, so Lengyel, bieten die Lateintänze viel mehr Spielraum für die Individualität des einzelnen Tänzers, da sich die Körper unabhängig voneinander bewegen können.

„Zu mir passt Latein einfach viel besser. Ich bin im Leben genauso energisch, und das spiegelt sich in den Tänzen wieder“, erklärt Lengyel. Ihr Lieblingstanz sei daher der Samba. „Er ist sehr rhythmisch und kraftvoll. Dort geht es um viel Körpereinsatz und Hüftbewegungen. Das ist genau das Richtige für mich!“, lacht die lebensfrohe Tänzerin.

Die Verbindung von Sport und Kunst

Mit ihrem Tanzpartner tanzt Lengyel bereits in der Sonderklasse – der höchsten Leistungsklasse in diesem Sport – und blickt auf circa 50 gewonnene Treppchenplätze zurück. Die Liebe zum „Kür-Tanzen“ hat sie dafür erst vor verhältnismäßig kurzer Zeit entdeckt. Bei der Kür handelt es sich um eine passend zur Musik choreografierte Show, die alle fünf Tänze inklusive Showelemente beinhalten kann und jedes Mal eine Geschichte erzählt. Die Idee, sich im Showtanz Latein ausprobieren zu wollen, kam dem Paar erst im vergangenen Jahr. Doch dieses Vorhaben hatte vollen Erfolg!

Im Februar 2017 gewannen sie die ungarische Meisterschaft und qualifizierten sich somit für die Weltmeisterschaft in China, wo sie erfolgreich den 7. Platz belegten. „Das war einer der besten Tage meines Lebens“, erzählt Lengyel. „Wir wurden wie Stars behandelt. Es gab ein Willkommensdinner, einen roten Teppich und die Atmosphäre war einzigartig“, schwelgt die Tänzerin in Erinnerungen. Und auch in diesem Jahr gewann das Tanzpaar die Ungarische Meisterschaft und freut sich erneut auf die Weltmeisterschaft, die im September in der slowakischen Hauptstadt Bratislava stattfinden wird.

„Tanzen ist nicht nur Sport, sondern auch Kunst. Es ist ähnlich wie beim Theater oder bei der Musik: Wir möchten jedes Mal, dass die Zuschauer eigene Gedanken und Gefühle entwickeln, wenn sie unsere Performance sehen“, erklärt Lengyel.

Ein teures Hobby

Was viele nicht wissen, ist, dass es sich beim Tanzsport um ein teures Hobby handelt. Vor allem die Outfits für Auftritte gehen schnell ins Geld: „Ich besitze jetzt fünf Tanzkleider im Gesamtwert von 450.000 Forint“, erzählt Lengyel. Ein stolzer Preis, der für viele Ungarn etwa anderthalb Monatsgehältern entspricht. „Doch das ist nicht alles. Hinzu kommen Ausgaben für Privatstunden, die Fahrten zu Turnieren und die Teilnahmegebühren, die Schuhe, das Make-up“, zählt die Tänzerin auf und die Liste könnte noch fortgesetzt werden. Allein an den Küren des Paares hat ein ganzes Team mitgewirkt. „Wir haben leider keine Sponsoren und müssen alles selbst bezahlen“, fügt Lengyel hinzu. Doch für ihre Leidenschaft nehme sie das gern in Kauf.

Der Tanzsport in diesem professionellen Ausmaß ist aber nicht nur teuer, sondern auch zeitintensiv. So ist das Paar fast das komplette Jahr auf Turnieren unterwegs, teilweise sogar über die Landesgrenzen hinaus. Im Moment haben die Tänzer aber vor allem die nächste Weltmeisterschaft im Showtanz vor Augen. Das Ziel sei es, ins Finale zu kommen und dort eine sehr gute Leistung zu erbringen. „Ich weiß nicht, wie lange wir noch an Wettbewerben teilnehmen werden, aber das Tanzen bleibt ganz sicher in meinem Leben“, ist die Tänzerin überzeugt.

Wer Interesse an den Tanzkursen von Claudia Lengyel hat, der kann sie per E-Mail unter lengyel.claudia@gmail.com oder colourtancegyesulet@gmail.com kontaktieren.

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Ausgehtipps von der Profitänzerin

„Die Ungarn lieben es zu tanzen. Egal ob Volkstanz, Latein oder Zumba. Ich bemerke, dass alle Tanzschulen voll sind“, erzählt Claudia Lengyel. Das Tanzen sei wieder modern und das zeige sich auch an den zahlreichen Tanzschulen der Hauptstadt. Die langjährige Tänzerin verriet im Interview mit der Budapester Zeitung einige Geheimtipps für alle Tanzbegeisterten, die Freude daran haben, sich zur Musik zu bewegen: egal ob Paartanz, Salsa oder Zumba.


Paartanz für Erwachsene im Botafogo Táncegyüttes

In den Erwachsenenkursen des Botafogo können die Teilnehmer Einblicke in die Tänze des Welttanzprogramms bekommen, darunter: die fünf Latein-Turniertänze sowie Tango, Walzer, Foxtrott, Mambo, Salsa, Rock ’n’ Roll und Swing. Der nächste Anfängerkurs beginnt am Dienstag, den 18. September um 20 Uhr. Um bestehenden Gruppen beizutreten oder gleich im Kurs für Fortgeschrittene einzusteigen, ist eine vorherige Anmeldung notwendig.

Budapest, II. Bezirk, Kapás utca 55 (Ecke Margit körút)

Telefon: +36-20-938-4504

E-Mail: tarsastanc@botafogo.hu

Kursgebühr: 12.000 Forint für 8 Tanzstunden

Weitere Informationen finden Sie auf www.botafogu.hu.


Salsa und Bachata in der Goldance Tánciskola

In der Tanzschule Goldance haben die Teilnehmer die Auswahl zwischen einer Vielfalt an Angeboten, Lehrern und Standorten. Es gibt verschiedene preisliche Angebote: Bronze-, Silber- oder Goldtickets sowie separate Preise pro Kurs. Entsprechend dem ausgewählten Ticket kann man unterschiedlich oft und in unterschiedlichen Kursen tanzen. Eine Anmeldung für die Kurse ist ganzjährig möglich. Auf welchem Kurslevel man teilnimmt, hängt von der eigenen tänzerischen Leistung ab.

Ort variiert je nach Kurs und Zeit

Telefon: +36-30-442-7902

E-Mail: mail@goldance.hu

Bronzeticket: 8.990 Forint je Monat

Silberticket: 11.990 Forint je Monat

Goldticket: 12.990 Forint je Monat

separate Preise: 2.250 Forint für 90 Minuten und 1.500 Forint für 60 Minuten

Weitere Informationen zu Kursen, Zeiten und Standorten finden Sie auf www.goldance.hu.


Zumba im Danza Tánzstúdió

Im Danza warten auf die Teilnehmer die unterschiedlichsten Zumbakurse: Zumba Fitness, Strong by Zumba und Zumba Kids. Je nach Kurs gibt es weitere Unterteilungen mit unterschiedlichen Effekten wie etwa Gewichtsabnahme, Steigerung der Muskelkraft und Verbesserung des Gleichgewichtsinns. Die Teilnehmer können separate Tickets oder eine volle Mitgliedschaft erwerben, mit der Möglichkeit jederzeit zu trainieren.

Budapest, IV. Bezirk, Árpád utca 73 (Újpest Központ)

Telefon: +36-30-335-2235

E-Mail: info@danza.hu

Separate Preise: 1.400 Forint für einen Kurs mit 55 Minuten

Gebühr mit Treueversprechen: 12.000 Forint je Monat, verbindlich für ein Jahr

Gebühr ohne Treueversprechen: 14.000 Forint je Monat

Weitere Informationen zu Preisen, Kursen und Zeiten finden Sie auf www.danza.hu.

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