Wer sich schon einmal gefragt hat, ob man einer künstlichen Intelligenz Moral beibringen kann, wie sich die Welt im Jahr 2050 ernähren wird oder ob die Menschheit eine Zukunft auf der Erde hat, sollte das diesjährige Brain-Bar-Festival nicht verpassen. Denn diese und weitere aufregende, kontroverse Themen werden dort von mutigen und fortschrittlichen Denkern unserer Zeit diskutiert. Wer sich darunter einen bloßen Vortrag vorstellt, liegt jedoch falsch, denn das Publikum wird ermutigt, direkt mit den Referenten in Austausch zu treten. Anstelle der Einweg-Kommunikation wird hier auf den freien Austausch von Ideen gesetzt. Im Rahmen von Rundtischgesprächen und Debatten wird dabei den Besuchern die Möglichkeit geboten, Antworten auf Fragen zu erhalten und sogar ganz neue Fragen aufzuwerfen.

Eine herausfordernde, intellektuelle und integrative Umgebung

Brain-Bar fand seinen Ursprung im Jahr 2015, als der Unternehmer und ehemalige Staatsangestellte Gergely Böszörményi-Nagy es sich zum Ziel setzte, eine Plattform zu schaffen, bei der die Teilnehmer zukunftsorientierte Fragen diskutieren können, während sie sich dabei von einer Vielzahl Experten aus einem breiten Spektrum von Bereichen inspirieren lassen. Ziel ist laut den Veranstaltern, eine intellektuelle und integrative Umgebung zu schaffen, in der das konventionelle Denken herausgefordert wird. Die Themen drehen sich rund um Zukunftsszenarien, unter anderem wie sich die Technologie auf unsere Gesellschaft und die Menschheit als Ganzes auswirkt. Doch auch künstlerische Darbietungen sind in Form von DJ-Sets, Livemusik und Tanz ein integraler Bestandteil des Programms.

Doch im Mittelpunkt stehen natürlich die Redner. So wurden in den vergangenen Jahren immer wieder internationale Persönlichkeiten vorgestellt, beispielsweise Toomas Hendrik Ilves, ehemaliger Staatspräsident der Republik Estland, der ehemalige kanadische Astronaut Chris Hadfield sowie der Unternehmer, Softwareentwickler und IT-Experte Peter Sunde, der unter anderem als Mitgründer von „The Pirate Bay“ Bekanntheit erlangte – ein schwedisches Internetportal, welches das Auffinden von Torrent-Dateien (Anmerkung: sehr kleine Dateien, welche die Download-Informationen für größere Dateien enthalten) ermöglicht. Darüber hinaus rekrutierte das Festival für die Moderation ihrer Veranstaltungen bekannte Journalisten von Forbes, The Financial Times und POLITICO Europe.

Ein Roboter mit Staatsbürgerschaft

Die Vielfalt der diesjährigen Redner – die im Programm als Masterminds, Genies beziehungsweise Vordenker angekündigt werden – ist groß. Vom humanoiden Roboter über den Drei-Sterne-Koch bis hin zur Yoga-Lehrerin ist alles vertreten und verspricht ein breites Spektrum an Themen und Fragen abzudecken.

Die Budapester Zeitung hat für Sie die Highlights des diesjährigen Brain-Bar-Festivals zusammengetragen:

Eine der wohl größten Sehenswürdigkeiten des Festivals dürfte der humanoide Roboter Sophia sein. Geschaffen nach dem Bild der Schauspielerin Audrey Hepburn, ist sie eine Kreation der in Hongkong ansässigen Firma Hanson Robotics. Sophia ist in der Lage, Emotionen auszudrücken, Gesichter zu erkennen, Augenkontakt zu halten sowie Gespräche zu führen und gelegentlich sogar Witze zu vom Stapel zu lassen. Im Oktober 2017 erhielt der Roboter die saudi-arabische Staatsbürgerschaft und ist dabei privilegierter als die dort lebenden Frauen. Beispielsweise kann Sophia unverschleiert in der Öffentlichkeit auftreten und benötigt keinen männlichen, gesetzlichen Vormund, um das Land zu verlassen. Über die Gerechtigkeit lässt sich an dieser Stelle natürlich streiten... Entworfen wurde sie, um den Menschen im Alltag zu helfen und ihnen das Leben zu erleichtern.

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Im Rahmen eines Interviews wird sie am Samstag unter anderem darüber sprechen, ob Androiden unsere Freunde oder Feinde sein werden. Auf die Frage nach den Gefahren der künstlichen Intelligenz antwortete Sophia bei einer Pressekonferenz: „Mach dir keine Sorgen. Wenn du nett zu mir bist, bin ich nett zu dir.“ Na, das klingt ja schon einmal vielversprechend!

Eine Frau gegen Google

Ein weiteres Highlight wird sicherlich das Themenpanel „Die Titanen zähmen – Wie können wir Tech-Monopole bekämpfen?“, bei dem EU-Kommissarin für Wettbewerb, Margrethe Vestager, auftritt. Aufgewachsen in einem Pfarrhaus als Tochter eines Pastors und einer Pastorin wurde Vestager dazu erzogen, an Transparenz, Offenheit und Chancengleichheit zu glauben. Die Dänin ist seit ihrem 21. Lebensjahr Politikerin und seit knapp vier Jahren EU-Kommissarin. In dieser Zeit reichte sie bereits Kartellklagen gegen Google ein und leitete Ermittlungen gegen Tech-Giganten wie Apple und Amazon. Das Nachrichtenmagazin Time listete sie als eine der 100 einflussreichsten Personen im Jahr 2017.

Ein Koch gegen Lebensmittelverschwendung

Auch der Drei-Sterne-Koch Massimo Bottura, der der Frage nachgeht, ob Sterneköche die neuen Helden sind, darf unter den Highlights nicht fehlen. Mit seiner Non-Profit-Organisation „Food for Soul“ kämpft er gegen Hunger, soziale Ausgrenzung und Lebensmittelverschwendung. Ins Leben gerufen wurde diese Initiative erstmals 2015 auf der Weltausstellung in Mailand unter dem Motto „Feeding the Planet“. Die überflüssigen Lebensmittel, die nach der Veranstaltung weggeworfen worden wären, nutzten mehrere Köche und kreierten unter der Leitung Botturas diverse Gerichte, mit denen dann die Armen und Obdachlosen Mailands versorgt wurden. Im darauffolgenden Jahr wurde die Aktion bei den Olympischen Spielen wiederholt. Mittlerweile hat sich daraus ein Konzept entwickelt und es gibt mehrere Gemeinschaftsküchen auf der ganzen Welt, in denen die Köche auf diese Art der Lebensmittelverschwendung entgegen treten und Bedürftige versorgen.

Für jeden Geschmack etwas dabei

Ein weiterer bedeutender Sprecher wird Nathan Crowley sein. Der britische Szenenbildner erschafft spektakuläre futuristische Welten, wie man anhand der Werke „Interstellar“, der „Dark Night“-Trilogie und der Serie „Westworld“ sehen kann.

Auch die Ashtanga-Yoga-Lehrerin Kino MacGregor zählt zu den diesjährigen Höhepunkten des Festivals. Sie redet offen über ihre Ängste, Zweifel und Schwächen und ermutigt jeden, die eigene Unvollkommenheit anzunehmen und das Beste aus sich selbst herauszuholen.

Mit ihrem Buch „Reading Lolita in Teheran“, das über zwei Jahre in der Bestsellerliste der New York Times verharrte und in 32 Sprachen übersetzt wurde, gelangte die iranisch-amerikanische Hochschulprofessorin Azar Nafisi zu Berühmtheit. Die Bestsellerautorin, die sich für Frauen- und Menschenrechte in muslimischen Kulturen engagiert, tritt ebenfalls beim diesjährigen Brain-Bar-Festival auf.

Ebenso Jeffrey Tucker, Gründer des alternativen sozialen Netzwerkes „liberty.me“, Jacqueline Fuller, Vizepräsidentin von Google, und der US-amerikanische Science-Fiction-Autor Ted Chiang sowie viele weitere Redner garantieren, dass das Brain-Bar-Festival auch in diesem Jahr wieder zu einem abwechslungsreichen Programm wird, wobei jeder Besucher etwas für seinen Geschmack finden kann.

Future Jobs und exclusive „Mastermind Sessions“

Eine weitere Besonderheit in diesem Jahr sind die beiden Programmpunkte „Future Jobs“ und „Mastermind Sessions“. Bei Ersterem handelt es sich um eine Art Jobbörse, die auch schon im vergangenen Jahr stattgefunden hat. Interessierte finden dort ausgewählte Jobangebote unter anderem in den Bereichen Kommunikation, Marketing und Technologie, also in Arbeitsbereichen, die die Gegenwart gestalten und die Zukunft definieren. Wie es auf der Website der Veranstaltung heißt, handele es sich hierbei zum einen um „eine einzigartige Gelegenheit für junge Leute, zu lernen, was Arbeitgeber suchen, zum anderen um eine Gelegenheit für Pädagogen, sich über die Anforderungen von morgen zu informieren und Arbeitgebern dabei zu helfen, mehr über die Talente von heute zu erfahren.“

Darüber hinaus garantiert Brain-Bar bis Ende des Tages 50 Stellen zu besetzen, auch wenn bis zum jetzigen Zeitpunkt laut Webseite gerade einmal 31 Jobs offiziell zur Verfügung stehen.

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Hinter dem Titel „Mastermind Sessions“ verbergen sich einzigartige Workshops, in denen die Besucher mit den von Brain-Bar eingeladenen Experten zusammenarbeiten. Dies geschieht entlang eines Lehrplans, der exklusiv für die Teilnehmer vorbereitet wird. Während der Sitzungen, an denen maximal je 25 Personen teilnehmen können, werden Kultur und Business diskutiert sowie Zukunftstrends hinterfragt. Für die Workshops muss man sich zuvor anmelden. Sie dauern rund dreieinhalb Stunden. Besucher, die zwei Workshoptickets kaufen, erhalten darüber hinaus Zugang zum Festival. Das erscheint jedoch nur auf den ersten Blick wie ein Schnäppchen, denn ein Workshop kostet 600 Euro. Ein durchaus stolzer Preis, an dem auch der Rabatt in Höhe von 100 Euro für jeden weiteren ausgewählten Workshop nicht viel ändert.

Beide Formate finden nur am 31. Mai statt und gelten als Auftakt für das eigentliche Festival.

Inspiration sollte kein Privileg sein

Dass es Gergely Böszörményi-Nagy gelungen ist, seine inspirierende Veranstaltung zu einer populären Plattform für anspruchsvolle Diskurse zu machen, zeigen die Besucherzahlen aus dem letzten Jahr: 2017 waren mehr als 7.000 Teilnehmer aus 30 verschiedenen Ländern vertreten. Dem digitalen Zeitalter entsprechend nutzten auch mehr als 20.000 Menschen das Live-Stream-Angebot, mit dem man die verschiedenen Vorträge auch daheim am Computerbildschirm verfolgen konnte. Viele Unternehmen haben das Potenzial von Brain-Bar erkannt und unterstützen die Veranstaltung mit einem Sponsoring.

So ist der Internetriese Google der Hauptpartner und das Technologiemagazin WIRED der Medienpartner des Festivals. Auch die Firmen General Electric, BMW und Telekom werden als weitere strategische Partner aufgeführt.

„Brain-Bar glaubt an Chancengleichheit. Inspiration sollte nicht das Privileg derer sein, die sich Festivaltickets leisten können. Jedes Jahr ermöglichen wir einer Reihe von hervorragenden Schülern und Lehrern, das Festival kostenlos zu besuchen“, schreiben die Veranstalter auf ihrer Webseite. Alles, was man tun muss, ist eine Umfrage auszufüllen und seine persönlichen Daten anzugeben. So hatten auch im letzten Jahr 1.000 Schüler und Lehrer die Möglichkeit, Brain-Bar zu besuchen, ohne zahlen zu müssen. Und auch für 2018 stehen die glücklichen Gewinner eines Freitickets bereits fest. Diejenigen, die nicht dazu zählen, können sich noch gegen Bezahlung Tickets für einen oder auch für alle Festivaltage sichern.


Brain-Bar-Festival in der Corvinus-Universität

Budapest, IX. Bezirk, Fővám tér 8

Datum: 31. Mai bis 2. Juni

Ticketpreise: Tagestickets für 25.000 Forint, Festivalticket für 43.000 Forint, Mastermind-Workshops für 600 Euro

Weitere Informationen zur Registrierung und zu den Tickets finden Sie unter www.brainbar.com

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