Foodtrucks sind eigentlich nichts anderes als Imbisswagen, die wohl ein jeder schon seit Kindheitsbeinen kennt. Doch während der klassische Imbisswagen in der Imagekrise steckt, hat sich das Foodtruck-Konzept in den letzten Jahren zu einem neuen Streetfood-Trend entwickelt. Anders als Imbisse steht der Foodtruck-Begriff für hippe Gerichte und eine Qualität, die auch was kosten darf.

Die Geschichte mobiler Küchen geht weit zurück. Schon in der Antike benutzte man Marktkarren, um Essen zu verkaufen. Wer gerade nicht in der Lage war, selbst etwas zu kochen, blieb so auch unterwegs nicht hungrig. Natürlich entwickelten sich die Foodtrucks immer weiter. In der Moderne sind die mobilen Küchen vor allem eine schnelle und günstige Alternative zum Restaurantbesuch.

Wiege stand in Texas

Die Foodtrucks, die wir heute kennen, kommen aus Amerika. Der erste richtige Foodtruck war der „Chuckwagon“ (dt.: Verpflegungswagen), des texanischen Ranchers Charles Goodnight. Nach dem amerikanischen Bürgerkrieg stießen seine Rinderherden in Gebiete vor, in denen es noch keine Eisenbahnverbindungen gab. Für die Verpflegung der Cowboys mit Nahrung musste man sich daher eine Lösung überlegen. Goodnight besorgte sich ein Armeefahrzeug, das er dann ausbaute, und brachte den Cowboys mit einem Anhänger warmes Essen.

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Später entwickelte sich diese anfängliche Version des Foodtrucks weiter. Richtig populär wurden die mobilen Küchen mit dem Auftauchen der „Wienermobile“. Die nach ihrer Form benannten Foodtrucks rollten vor allem auf den Campus von Universitäten wie Yale, Harvard und Princeton vor. Auch das Militär wurde durch die mobilen Küchen versorgt, die sogar bis nach Vietnam rollten. In den Ostblockländern gab es beim Militär unter der populären Bezeichnung Gulaschkanone etwas Ähnliches.

Vielfältiges Angebot

Bei Charles Goodnights „Chuckwagon“ standen noch ausschließlich Bohnen und gepökeltes Fleisch auf dem Menü. Beim „Food Truck Festival“ am Wochenende war die Auswahl natürlich viel größer. Früher wurden die Trucks auch „Grease Trucks“ genannt, aufgrund des ungesunden, fetten Essens, das sie anboten. Auch heutzutage gibt es noch immer die klassischen Burger- und Fritten-Stände, aber es konnten sich auch Foodtrucks mit gesünderem Essen etablieren und natürlich auch vegetarische und vegane Trucks. Fast jedes Streetfood-Restaurant in Budapest hat mittlerweile einen eigenen Foodtruck. Sei es nun Zing Burger, das ungarische Kolbice by Kobe oder auch der Eisladen Levendula.

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Viele davon waren letztes Wochenende im Kincsem-Park vertreten, dessen Hauptattraktion die dort veranstalteten Pferde- und Hunderennen sind. Die Streetfood-Marke Kolbice by Kobe entstand 2015 unter der Leitung von Attila Behovits. Sie bietet verschiedene Arten von Würstchen an. Dabei gibt es nicht nur die traditionelle ungarische Kolbász, sondern auch Fischvarianten, wie das Lachswürstchen oder auch bayrische Weißwürste. Diese werden in Broten in Trichterform mit unterschiedlichen Beilagen und Saucen serviert. Neben ihren zahlreichen Geschäften in Budapest und jetzt auch in Innsbruck, kann man sie mit ihrem Foodtruck auf jedem ungarischen Festival antreffen.

Neben vielen herzhaften Gerichten gab es bei der „Food Truck Show“ aber auch Dessertwagen. Hier konnte man entweder ein hausgemachtes Eis von Levendula probieren oder sich dem Genuss der „Poffertjes“, holländischen Minipfannkuchen, hingeben, die es bei Lekker gab. Lekker wurde dieses Jahr sogar mit dem Preis für den besten Süßigkeiten-Truck ausgezeichnet.

Foodtruck des Jahres 2018

Einer der zu keiner Kette gehörenden Foodtrucks auf dem Festival war der BazsaLikom-Truck. Die im Januar 2018 von Balázs und Lilla, einem Koch und einer Grafikdesignerin, gegründete rollende Küche bietet einen bunten Mix aus süßen und herzhaften Riesenpalatschinken, verschiedenen Sandwiches und kleinen Snacks an. Neben ihren Foodtruck-Auftritten geben sie auch Kochkurse, planen Hochzeiten, Geburtstage und andere Partys. Erwähnenswert sind sie nicht nur wegen ihrer kreativen Küche, sondern auch, weil sie am Wochenende aus mehr als 50 Trucks ausgewählt und mit dem Preis „Foodtruck des Jahres 2018“ ausgezeichnet wurden.

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Da das Wetter am Wochenende mitspielte und es fast ununterbrochen Sonnenschein gab, war der Besucheransturm auf der „Food Truck Show“ enorm. Getränke-Trucks und Straßenmusiker sorgten für die richtige Atmosphäre. Vor jedem Foodtruck bildeten sich lange Schlangen, die sich immer erst kurz vor Feierabend auflösten. In Budapest herrscht eben eine große Begeisterung für Foodtrucks und so werden auch weitere Foodtruck-Festivals in Zukunft wohl immer gut besucht sein.

Von Budapest aus zieht die „Food Truck Show“ weiter nach Szekszárd, Siófok, Nyíregyháza und in weitere ungarische Städte. Im Kincsem-Park wird sie das nächste Mal zwischen dem 7. und 9. September anzutreffen sein.

Weitere Informationen finden Sie unter www.facebook.com/foodtruckshowhungary

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