Abgedreht ist ein Wettbewerb, bei dem kleine Teams von Jugendlichen mit selbst gedrehten Filmbeiträgen antreten. Diese sollen sich thematisch mit der ungarndeutschen Nationalität befassen, dürfen maximal zehn Minuten lang sein und sollen in deutscher Sprache gedreht werden. Dabei gibt es ganz unterschiedliche Genres: So entstehen Dokumentarfilme und Berichte, aber auch Animationen oder kleine Spielfilme. Unter den besten drei wird ein Preisgeld von insgesamt 1.000 Euro, gestiftet von der Deutschen Botschaft, vergeben.

Um herauszufinden, wer zu den diesjährigen Gewinnern gehört und welche Filme dieses Mal im Rahmen der Veranstaltung gedreht wurden, war die Budapester Zeitung für Sie vor Ort.

Konzept und Entwicklung

Ins Leben gerufen wurde das landesweite Projekt im Jahr 2006 vom Zentrum, mit dem Ziel, die Ungarndeutschen überregional miteinander zu verbinden und Ihnen mehr Bekanntheit zu verschaffen. Abgedreht sei zudem eine gute Möglichkeit, um mehrere Sachverhalte miteinander zu verbinden, so Mónika Ambach, die Direktorin des Zentrums: „Die Teilnehmer beschäftigen sich mit der ungarndeutschen Herkunft und Identität, bilden sich ihre eigene Meinung darüber und setzen diese dann mit technischen Mitteln anschaulich um“. Und über die Jahre sei gerade bei Letzterem ein ganz klarer Fortschritt zu sehen.

Bei den Teilnehmern handelt es sich um Teams der ungarndeutschen und zweisprachigen Gymnasien beziehungsweise von Mittelschulen aus dem ganzen Land. So gab es auch in diesem Jahr Gruppen aus Pilisvörösvár, Mohács, Pécs, Baja und Budapest. Darüber hinaus können die Jugendlichen mehrfach an Abgedreht teilnehmen und auch mehrere Filme einreichen. Der Kreativität sind also kaum Grenzen gesetzt.

Dass dieses Filmfest eine ganz besondere Bedeutung hat, zeigt auch die Tatsache, dass vor zwei Jahren eine Diplomarbeit darüber entstand, in der unter anderem aufgearbeitet wurde, wie die Teilnahme an diesem Projekt bei einigen Mitwirkenden auch entscheidend die spätere Berufswahl – nämlich in Richtung kreativer Medien – beeinflusst hat. Denn eines darf man nicht vergessen, die Teilnehmer der allerersten Stunde sind mittlerweile bereits 30 Jahre alt.

„The Show must go on“

Um die 170 Gäste – darunter hauptsächlich die Mitwirkenden und ihre Lehrer sowie Förderer – fanden sich am vergangenen Freitag im Művész-Kino ein, um dort die diesjährigen Filmbeiträge anzusehen. Doch von Jahr zu Jahr kämen immer mehr Leute aus bloßem Interesse, merkte die Direktorin des Zentrums an.

Kurz nach 10 Uhr starteten die ersten Vorführungen im gut gefüllten Saal. „Angesichts des 12-jährigen Jubiläums von Abgedreht, erscheint es nur passend, dass wir Ihnen, liebes Publikum, heute auch 12 Filme zeigen können“, begrüßte Ambach die Gäste. Zehn der gezeigten Filme stünden im direkten Wettbewerb und zwei gehörten zum Begleitprogramm.

Die Veranstaltung wurde in zwei Teile gegliedert. Nach den ersten sechs Filmen gab es eine 30-minütige Pause zur Stärkung und auch der ungeplante Stromausfall, der sich an diesem Morgen ereignete, brachte das Organisationsteam nicht aus der Ruhe. So wurde die Zwischenzeit mit lockeren Sprüchen überbrückt und das Publikum mehrfach zum Lachen gebracht. Im zweiten Teil der Veranstaltung folgten dann die anderen sechs Filme sowie die Preisverleihung. Doch die Teilnehmer mussten sich noch einige Zeit gedulden, bevor das Ergebnis bekannt gegeben wurde. Zuvor erfolgte noch die Verlosung kleinerer Preise, an „diejenigen, ohne die Abgedreht überhaupt nicht stattfinden könnte“, so Ambach. Gemeint waren die Lehrer der teilnehmenden Klassen.

„Einen Film zu drehen, ist harte Arbeit“

Im Gespräch mit der Budapester Zeitung verriet Mónika Ambach, dass die jungen Erwachsenen zwar klug und talentiert seien und sich bereits mit vielem auskennen würden, aber dennoch gerade bei der Motivation, Unterstützung bräuchten. Die Lehrer sorgen also dafür, dass ihre Schützlinge dranbleiben und ihr Ziel verfolgen. Daher wurden auch sie im Rahmen dieser Veranstaltung bedacht. „Abgedreht ist kein leichter Wettkampf. Einen Film zu drehen, ist harte Arbeit und erfordert Teamwork. Hier zeigt sich, wie gut ein Lehrer mit der Klasse arbeitet und wie gut die Schüler dies auch untereinander tun“, erklärte Ambach im Interview.

Das sieht natürlich auch die fachkundige Jury, die zuvor die Filme gesehen und die Sieger festgelegt hat. In diesem Jahr übernahmen diese Aufgabe Jens Preißler, Pressereferent der deutschen Botschaft, Dr. Elisabeth Knipf-Komlósi, die früher das Germanistische Institut der Budapester Loránd-Eötvös-Universität geleitet hat, und Abgedreht-Alumni László Sprengler. Sprengler hatte in den Jahren zuvor etliche Preise beim Festival abgeräumt und ist mittlerweile in der Filmbranche tätig, was laut Ambach nicht zuletzt auf seine rege Teilnahme an dieser Veranstaltung zurückzuführen sei.

Die glücklichen Gewinner

„Diese Filme haben uns verzaubert und in eine andere Welt versetzt. Aber uns auch humorvolle und nachdenkliche Momente bereitet“, leitete Mónika Ambach die Siegerehrung ein. Der dritte Platz und somit ein Pokal sowie eine Geldprämie in Höhe von 200 Euro – überreicht von Maria Altmann, Kulturreferentin der Deutschen Botschaft – ging an das Team „Schwabenverein Janus“ mit ihrem Film „Schwäbisches Märchen“. Mit liebevollen Requisiten und einer Geschichte, die scheinbar unlösbare Rätsel in sich barg, entführten sie das Publikum wahrlich in eine andere Zeit, in der man die Tage noch damit zubrachte, das Sonntagsmärchen im Fernsehen zu verfolgen.

Auch das Team „Zeitreiser“ mit ihrem Film „Geduld bringt Rosen“ wurde ausgezeichnet. Auf humorvolle Weise zeigten die Jugendlichen die Parallelen zwischen der Jugendzeit ihrer Großeltern und heute. Die Frauen brauchten angeblich auch damals ewig, um sich zum Ausgehen hübsch zu machen und die Männer warteten wie eh und je. Das Publikum erhielt aber auch Einblicke in die Volkstracht und aus wie vielen Teilen diese eigentlich besteht. Mehr als nur einmal wurde dabei herzhaft gelacht. Zu Recht erhielt das Team damit den wohlverdienten zweiten Platz, einen Pokal und ein Preisgeld in Höhe von 300 Euro.

Platz 1 ging an das Team „Zeitgeist“ mit ihrem Werk „100 Jahre alt“. In dem Film wurde zunächst dargestellt, wie sich die deutsche Volksgruppe in Ungarn gegen Ende des Ersten Weltkriegs aufgrund der sich verstärkenden Auswanderung und dem Magyarisierungsdruck der Regierung zwischen der Assimilation und ihren traditionellen Werten entscheiden musste. In dieser Zeit entstand ein Gedicht von Rechtsanwalt Dr. Ernst Imrich, in dem er den Wunsch nach Zusammenhalt ausdrückte. Dieses Werk ist heute die Hymne der Ungarndeutschen und – dem Titel des Filmes entsprechend – 100 Jahre alt.

#

Das Team von „Abgedreht“ sorgte auch in diesem Jahr wieder für einen reibungslosen Ablauf der erfolgreichen Veranstaltung.

Passend zum aktuellen politischen Geschehen, schaffte das Team dann auch den thematischen Wechsel zu den Parlamentswahlen, wo es darum ging, die ungarndeutsche Landesliste zu wählen und sich wieder zu seinem Ungarndeutschtum zu bekennen. Die Gruppe setzte beides in einen anschaulichen, plausiblen Zusammenhang und wurde dafür mit einem Pokal und einer Geldprämie von 500 Euro belohnt.

Niemand geht leer aus

Doch auch andere Teams erhielten Sonderpreise in Form von weiteren, kleineren Geldprämien im Gesamtwert von 300 Euro oder einer kostenlosen Teilnahme an einem Sommercamp. Diese wurden etwa für die besondere, technische Gestaltung sowie die filmische Umsetzung eines kompakten, ausführlichen Themas verliehen. So wurden Werke wie „Treffpunkt HDDN“, „Johanns Weg 2“ und „Den Wurzeln cool treu“ bedacht. Alle Teilnehmende erhielten darüber hinaus ein Abgedreht-T-Shirt, ein Buch – gespendet vom Goethe-Institut – sowie andere Kleinigkeiten.

Beim anschließenden Gruppenfoto schaute man in strahlende Gesichter, die darauf schließen ließen, dass es sich für sie um einen erfolgreichen Tag gehandelt hat. Und schon jetzt beginnt die Vorfreude auf das nächste Jahr, wo es zum 13. Mal heißen wird: Film ab für Abgedreht.

Konversation

WEITERE AKTUELLE BEITRÄGE
Ausstellung: Bacon, Freud und die Londoner Schule

Menschliches, Allzumenschliches

Geschrieben von Sarah Günther

Die ungarischen Nationalgalerie in Budapest stellt in ihrer temporären Ausstellung Bacon, Freud und…

Die Oppositionsseite / Kommentar zur Causa CEU

Selbst das Gesetz zählt nichts mehr

Geschrieben von Redaktion der Magyar Narancs

Die CEU hat die einzige Bedingung erfüllt, welche ihr das Hochschulgesetz im April des vergangenen…

Tom Odell

Der „Piano Man“ kommt nach Budapest

Geschrieben von Redaktion

Gleich mit seinem ersten Lied „Another Love“, einem melodischen Abgesang auf eine zerbrochene Liebe,…