Obwohl Jamie Oliver zumindest mit der Restaurantmarke, die seinen Namen trägt, bereits seit fast zwei Jahren in Budapest vertreten ist, war es das allererste Mal, dass der weltbekannte britische Fernsehkoch die ungarische Hauptstadt besuchte. Doch er schien vollkommen hingerissen: „It’s amazing, it’s just brilliant here.“ – „Es ist toll, es ist einfach genial hier“, betonte Oliver mit eben jener Überschwänglichkeit und Leidenschaft, für die man ihn auch aus dem Fernsehen kennt. Die ungarische Hauptstadt will er in Zukunft auch all seinen Freunden empfehlen. „Ab jetzt werdet ihr mich wahrscheinlich in den sozialen Medien sehen, wie ich für Budapest werben und alle zwinge, ihre Reisepläne zu ändern. Nach dem Motto: Geht nicht da hin! Kommt hier her!“

Oliver und Zsidai - Brüder im Geiste

Von einem gesteigerten Besucherstrom würde letztlich auch Oliver selbst profitieren. Zwei Restaurants in Budapest tragen bereits seinen Namen. Im Mai 2016 eröffnete zunächst unter viel Tamtam das Jamie’s Italian im touristisch stark frequentierten Budaer Burgviertel – Olivers erster Vorstoß in Mittel- und Osteuropa. Ende 2017 folgte die Eröffnung eines zweiten Lokals, Jamie’s Pizzeria; diesmal im Pester Gozsdu-udvár.

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Für seinen Einzug auf dem ungarischen Markt fand Oliver im lokalen Gastrounternehmer Zoltán Roy Zsidai einen würdigen Partner. Zsidai, dessen Eltern bereits eines der ersten privaten Restaurants in Budapest eröffneten, betreibt neben Jamie’s Italian und Jamie’s Pizzeria noch eine Reihe weiterer erfolgreicher Restaurants, Bistros und Hotels in der ungarischen Hauptstadt. Darunter zwei weitere Lokale im Gozsdu-udvár, das Spíler und das Spíler Shanghai; sechs weitere im Burgviertel sowie das ÉS Bisztró und das ÉS Deli im Erdgeschoss des Kempinski Hotel Corvinus Budapest. Zudem managt die Zsidai-Unternehmensgruppe auch das gastronomische Angebot in den beiden Spielhäusern der Ungarischen Staatsoper.

Außer den gemeinsamen Geschäften verbindet das Budapester Gastro-Schwergewicht mit dem britischen Starkoch auch die Liebe für hippes Design, Qualitätszutaten sowie herausragenden Service. „Vom ersten Moment an spürte ich, dass zwischen unseren beiden Unternehmensgruppen die Chemie stimmt. Als hätte ich in London meinen Bruder im Geiste gefunden“, beschrieb Zsidai das Verhältnis in der Vergangenheit. Sogar die Lebensgeschichte der beiden scheint sich, zumindest oberflächlich, zu ähneln: „Wie Roy bin auch ich in der Gastwirtschaft meiner Familie großgeworden, mein Vater hatte ein Pub. Dort habe ich das Kochen gelernt“, erzählt Oliver zu Beginn der Presseveranstaltung am vergangen Donnerstag im Jamie’s Italian Budapest.

Oliver: „Ich muss mich auf lokale Partner verlassen können“

Hier stellte Oliver nicht nur das neue Menü des Restaurants vor und bewarb seine zahlreichen Kochbücher, von denen bisher sieben auch in ungarischer Sprache erschienen sind, sondern stellte sich auch den Fragen der anwesenden Journalisten. Diese interessierten sich vor allem für Jamie Oliver als Privatperson und Koch. „Wann ist bei dir in der Küche das letzte Mal etwas richtig schiefgegangen?“, fragte beispielsweise László Szily vom sonst eher bissigen Online-Portal 444.hu, „Was hältst du von Schmalz?“, wollte wiederum eine andere Journalistin wissen. „Stört es dich eigentlich, wenn andere Köche deine Rezepte benutzen?“

Auf einen wesentlich wichtigeren Punkt zielte angesichts der zahlreichen Skandale, mit denen die Restaurantkette Jamie’s Italian vor allem in Olivers Heimatland Großbritannien zu kämpfen hatte, aber folgende Frage ab: Wie kann Oliver angesichts der großen Anzahl von Partnern und Zulieferern auf der ganzen Welt garantieren, dass jedes einzelne Lokal den Ansprüchen entspricht, die mit seinem Namen verbunden sind? Erst im Januar dieses Jahres stellte sich beispielsweise heraus, dass Olivers Fleischlieferant in Großbritannien, Russell Hume, in einen großen Hygieneskandal verwickelt ist. So sollen abgelaufene Produkte mit neuen Etiketten beklebt und so an Kunden geliefert worden sein. Als sie von dem Skandal informiert wurden, haben Olivers Restaurants als sofortige Maßnahme zwar alle Fleischgerichte von der Karte gestrichen. Doch auch Mängel in der Sauberkeit einiger Lokale sowie Probleme mit Nagetieren, beschädigten in der Vergangenheit das Image der Marke.

„Natürlich kann ich nicht überall gleichzeitig sein“, räumte Oliver am vergangenen Donnerstag in Budapest ein. „Ich muss mich auf meine lokalen Partner verlassen.“ Um die Zusammenarbeit und Kontrolle jedoch zu verbessern, ließ Oliver ein elektronisches System entwickeln, mit dessen Hilfe potentielle Partner und Zulieferer ausgewählt werden sollen, die den Ansprüchen Jamie Olivers entsprechen. „Es heißt JOSIE und enthält alle unsere Standards hinsichtlich Qualität, Nachhaltigkeit und Ethik. Es ist sehr spezifisch, sehr detailliert“, so Oliver, dadurch wüssten Partner bereits vorab, worauf sie sich einließen. „Viele Menschen wollen mit mir zusammenarbeiten, aber nur die wenigsten wollen auch das Paket an Reglementierungen akzeptieren, das damit einhergeht.“

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Anfangs war dies auch für Olivers ungarische Partner, die Zsidai-Unternehmensgruppe, nicht ganz einfach. Allein 10 Monate dauerte es, um in Italien und Ungarn Zulieferer für das Restaurant zu finden, die die hohen Ansprüche der Kette erfüllen. Heute arbeitet man mit knapp über 20 größeren und kleineren Zulieferern zusammen. „Roy und sein Team sind ständig auf der Suche und kundschaften neue regionale Hersteller aus. Wir vertrauen ihnen da, aber natürlich machen wir auch Kontrollen.“

Bereits am Freitagmorgen ging es für Jamie Oliver weiter nach Wien, wo er seinen ersten österreichischen Restaurants, Jamie’s Italian Vienna und Jamie’s Deli, eine Stippvisite abstattete und zudem auch den Standort seines in wenigen Tagen eröffnenden dritten österreichischen Lokals Jamie Oliver’s Bar begutachtete. Auch in Österreich setzt Oliver auf die Zsidai-Unternehmensgruppe als lokalen Partner.

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