Das, was in klassischen Zoos verboten ist, ist in diesem Café die Grundlage des Geschäftsmodells. Eine kunterbunte Vielfalt an Tieren, von typischen Haustieren wie Katzen, Meerschweinchen oder Schildkröten bis hin exotischen Tieren wie Chamäleons, Schlangen und Geckos können hier nicht nur bestaunt, sondern auch berührt werden.

Streichelzoo für Groß und Klein

Eine Altersuntergrenze gibt es hier nicht. Unter dem wachsamen Blick der Tierpfleger darf hier jeder Gast die von ihm ausgewählten Tiere in der Hand halten oder gar streicheln. Angst ist dabei überflüssig. Alle Tiere sind mit Blick auf eine derartige Beanspruchung ausgewählt und den engen Umgang mit Menschen bereits gewöhnt. Einige Tiere scheinen sogar regelrecht Spaß daran zu haben, als Alternativprogramm zu ihrem eher eintönigen Aufenthalt im Terrarium statt auf Zweigen einmal auf Menschen herumzukrabbeln.

Doch keine Sorge, die Pfleger achten genau darauf, dass kein Tier länger als fünf Minuten bei einem Besucher ist. „Wir haben stets ein Auge auf den Reaktionen der Tiere. Sollten sie Unlust signalisieren oder gar Anzeichen von Stress, dann kommen sie natürlich sofort zurück ins Terrarium oder bleiben gleich von vorn herein dort“, erklärt uns Tierpflegerin Szabina. Die Studentin hat hier erst als Kellnerin angefangen und ist inzwischen begeisterte Tierpflegerin geworden. Neben einer großen Portion an Tierliebe war für diesen Schritt auch eine entsprechende Ausbildung bezüglich aller vorhandener Tiere notwendig.

Wissensvermittlung gehört zum Konzept

„Wir möchten, dass unsere Tierpfleger nicht nur bestmöglich mit den Tieren umgehen können und um ihre Eigenarten wissen, sondern auch, dass sie auf die Fragen unserer Gäste kompetent Auskunft geben können“, erklärt Geschäftsführerin Réka Karalyos gegenüber der Budapester Zeitung.

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Das Wohlergehen ihrer Tiere sei ihr mindestens ebenso wichtig wie das ihrer großen und kleinen menschlichen Gäste. Den Wahrheitsgehalt dieser Aussage kann man übrigens unter anderem sofort mittels seiner Sinnesorgane selbst überprüfen.

Die Tiere sind in geräumigen, sehr gepflegten und artgerecht eingerichteten Terrarien untergebracht. Respekt nötigt zudem ab, dass es im Zoo Café trotz der Fülle an Tieren auch bei gespitzter Nase nicht anders riecht als in jedem gewöhnlichen Café der Stadt. Es riecht hier nicht nur kaum noch Tieren, es riecht hier gar nicht nach Tieren! Hygiene und Sauberkeit scheinen hier großgeschrieben zu werden.

Zur Entstehung ihrer Geschäftsidee hätten mindesten zwei Dinge wesentlich beigetragen. Zum einen die Realität in der Großstadt Budapest, zu der auch gehört, dass bei vielen Kindern der Wunsch nach einem eigenen Haustier unerfüllt bleibt. Bei Kindern, deren Eltern der Haustierfrage etwas aufgeschlossener gegenüberstehen, eignet sich das Zoo Café hingegen hervorragend auch dazu, die eigene Haustierpräferenz zu erkennen. Lieber eine kuschlige Katze oder ein deutlich kleineres Meerschweinchen? Lieber ein kletterfreudiges Chamäleon oder eine eher träge Agame?

Daneben kann man sich bei den Pflegern auch gleich bezüglich der Haltung und natürlich dem Platzbedarf der ins Auge gefassten Tierarten erkundigen. Das freundliche Personal ist stets bereit, Fragen zu beantworten und Tipps bezüglich der Tierhaltung zu geben. Die wichtigsten Informationen zu jeder Tierart gibt es übrigens bereits auf der Webseite des Cafés, außer auf Ungarisch auch auf Englisch. „Steht die Wahl der Tierart einmal fest, dann können wir auch zuverlässige Züchter empfehlen“, führt Réka Karalyos ihren ganzheitlichen Ansatz weiter aus.

Das einzige Zoo Café in Europa

Das Zoo Café wurde im September 2014 mit zunächst nur fünf Tieren eröffnet. Bis jetzt ist es ihrem Wissen nach das einzige derartige Café in Europa. Lediglich in Asien gäbe es ähnliche Lokale. Inzwischen beherbergt das Zoo Café bereits 20 verschiedene Tierarten und insgesamt 65 Tiere.

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Es ist so beliebt, das es sich empfiehlt, lieber vorher zu reservieren. Erst recht, wenn man in einer größeren Gruppen kommen will, etwa um einen Kindergeburtstag zu feiern, worauf das Zoo Café ebenfalls eingerichtet ist. Ebenso sind hier aber auch Seminare für Tierliebhaber möglich, etwa von Kindergärten oder Schulen. Von zahlreichen Besuchern im Kinderalter künden übrigens viele Kinderzeichnungen exotischer Tiere in einem Raum gleich linkerhand des Eingangs.

Als wir von der Budapester Zeitung dem Lokal an einem Montagnachmittag einen Besuch abstatteten, bestanden die Gäste jedoch ausschließlich aus Erwachsenen, die sich interessiert und respektvoll mit den exotischen Tieren beschäftigten. „Wir hatten auch schon erwachsene Gäste, die ihre von Kindesbeinen an vorhandene übertriebene Angst vor Schlangen oder Spinnen bei uns in den Griff bekommen wollten“, berichtet die Geschäftsführerin von einem weiteren, wenn auch sicher nicht so verbreiteten Motiv ihrer Gäste.

Ach ja, und dann heißt das Zoo Café nicht nur zum Spaß Café, es gibt hier auch eine große Auswahl an Kaffee, heiße Schokolade, Limonade, Kuchen, Eis, Nachos und vieles mehr. Das Zoo Café garantiert also in jeder Beziehung einen schönen und erlebnisreichen Aufenthalt. Egal, ob man nur zum Tiereanschauen oder zum Tiereanfassen kommt. Alles kann, nichts muss.

ZOO CAFÉ

Budapest, V. Bezirk, Fejér György utca 3

Öffnungszeiten: täglich 10 Uhr bis 22 Uhr

Tischreservierung unter: (+36-30) 791-3776

Reservierungen (bei größeren Gruppen): (+36-30) 554-5765

Weitere Informationen (auch auf Englisch): www.zoocafe.hu

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