Wofür steht AWS?

Für „Alternative Wine Selection“ (dt.: alternative Weinauswahl). Zu der Zeit, als wir uns den Namen gaben, standen wir wirklich total auf Wein.

Seit wann interessiert Ihr Euch für Metal und fürs Musikmachen im Allgemeinen? Habt Ihr Vorbilder oder Bands, die Euch in Eurem musikalischen Schaffen beeinflusst haben?

Wir haben uns schon früh für Musik interessiert. Bereits im Alter von vier, fünf Jahren haben wir zusammen mit unseren Eltern Lieder von Metallica und Nirvana, aber auch von bekannten ungarischen Blues-, Rock- und Metal-Interpreten gehört.

Neben den bereits genannten Bands haben uns auch Pantera, Korn, System of a Down und Linkin Park sowie ungarische Rock- und Metal-Gruppen wie Superbutt, Subscribe und Isten Háta Mögött sehr geprägt.

Wann und warum habt Ihr Eure Band gegründet? Wie hat sich das Ganze entwickelt?

Wir sind alle in dieselbe Schule gegangen. Dort haben wir dann im Jahr 2006 unsere Band gegründet. Da wir uns alle von Kindesbeinen an für Musik interessiert haben, war es nur selbstverständlich, dass wir auch eine eigene Gruppe gründen wollten. Doch auch schon vor AWS hatten wir in unterschiedlichen Projekten zusammengespielt. Dadurch wussten wir bereits, dass wir gut zusammenarbeiten können. Wir haben dann nach ein paar Jahren auch unser erstes Album, Fata Morgana, aufgenommen (Anm.: veröffentlicht im Jahr 2011). Darauf singen wir fast ausschließlich auf Englisch. Bei den beiden darauffolgenden Alben haben wir uns allerdings dafür entschieden, zu Ungarisch zu wechseln.

Nach diesem Meilenstein spielten wir dann auch auf ungarischen Festivals und tourten mehrmals durch Ungarn und sogar Europa. Erst vor kurzem hatten wir eine ausverkaufte Show im A38 in Budapest. Kurz darauf traten wir auch in London auf. An beide Konzerte haben wir sehr schöne Erinnerungen. Dieses Jahr hatten wir schon viele ausverkaufte Shows. Ach, und im Februar haben wir natürlich auch noch die ungarische Fernsehshow „A Dal“ gewonnen. Derzeit arbeiten wir an unserem vierten Album, welches Ende des Jahres erscheinen wird. Außerdem freuen wir uns sehr auf die Teilnahme am Eurovision Song Contest im Mai.


Ihr habt bereits erwähnt, dass die Texte Eures ersten Albums noch auf Englisch gesungen wurden. Warum habt Ihr zu Ungarisch gewechselt?

Beim ersten Album haben wir noch unsere Textideen auf Ungarisch niedergeschrieben und sie später ins Englische übersetzt. Nachdem das Album veröffentlicht worden war, haben wir diese Methode diskutiert und uns schließlich dafür entschieden, gleich bei ungarischen Texten zu bleiben. Wir denken, dass wir auf diesem Weg unsere Gedanken ehrlicher und authentischer rüberbringen können.

Woher bezieht Ihr Eure Inspiration und welche Reaktionen wollt Ihr bei Euren Hörern bewirken?

Unsere Inspiration beziehen wir aus ganz alltäglichen Momenten der Freude, aber auch aus der Stärke unserer Fans und natürlich aus den alltäglichen Problemen. Wir greifen beispielsweise soziale und ökonomische Fragen auf, von denen wir denken, dass sie wichtig sind und dass man über sie sprechen sollte. Wir versuchen, auf soziale Probleme zu reagieren und wollen unser Publikum dazu bringen, die Welt bewusster wahrzunehmen und mehr nachzudenken.

Ihr seht nicht gerade wie typische Metal-Musiker aus, die man sich eher mit langen Haaren und dunklen Klamotten vorstellen würde. Denkt Ihr, dass das nur ein veraltetes Klischee-Bild ist?

Musiker können und sollten so aussehen, wie sie wollen. Und wir wollen im Moment eben genau so aussehen, wie wir es jetzt tun. Wir folgen da keinen genrespezifischen Trends. Und, wenn Ihr es genau wissen wollt, wir waschen uns regelmäßig die Haare.

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Die ewige Frage: Kann man von der Musik leben oder übt Ihr daneben noch andere Berufe aus?

Wir haben auch noch „richtige“ Jobs. Wir arbeiten aber alle in musikbezogenen Berufen, sodass wir uns zum Glück nie ganz von der Musik abwenden müssen.

Wie kommt es, dass Ihr nun Ungarn beim Eurovision Song Contest vertreten dürft?

In Ungarn wird die Vorauswahl für den ESC im Rahmen einer Fernsehshow mit dem Namen „A Dal“ getroffen. Dort treten insgesamt 30 Bands mit ihren Songs gegeneinander an. Diese wurden zuvor von einer professionellen Jury aus Hunderten Bewerbungen ausgewählt. Es gibt mehrere Runden, bei denen man jeweils seinen Song aufführt, und dafür sowohl von der Jury als auch vom Publikum bewertet wird. Die Punktzahlen der Jury bestimmen, welche vier Künstler oder Bands ins Finale kommen. Die Zuschauerstimmen wiederum entscheiden über den Sieger. Außer uns gab es 2018 sogar noch eine weitere Metal-Band, die „Leander Kills“, die es bis in die Vorfinalrunde geschafft hatte, doch letztendlich wurden nur wir in die Gruppe der vier Finalisten gewählt. Viele ungarische Metal-Bands haben uns bei der Show unterstützt, indem sie ihre Fans baten, für uns zu stimmen. Das war ein großer Moment. Nicht nur für uns, sondern für die ganze Metal-Szene Ungarns.

Welche Erwartungen und Ziele habt Ihr für den Eurovision Song Contest? Denkt Ihr, dass Ihr als Metal-Band da eine Chance habt, zu gewinnen?

Wir gehen mit denselben Zielen nach Lissabon, die wir auch schon hatten, als wir bei „A Dal“ teilnahmen: Wir möchten unsere Musik einem größeren Publikum vorstellen. Wir sind wirklich glücklich, teilnehmen zu können und werden unser Bestes geben, um einen guten Auftritt hinzulegen. Uns ist klar, dass unser Musikgenre den meisten Zuschauern nicht so vertraut ist, aber vielleicht mögen sie ja gerade diesen neuen Aspekt. Wir würden uns freuen, wenn wir unter den ersten Zwölf landen.

Hat Euch die Auswahl für eine Teilnahme am Eurovision Song Contest verändert?

Die Teilnahme hat uns selbst nicht wirklich verändert, aber dafür definitiv unsere Zeitpläne. Wir versuchen so zu bleiben, wie wir sind. Wir möchten wirklich keine Berühmtheiten werden, das ist nicht unsere Welt. Natürlich kriegen wir jetzt mehr Aufmerksamkeit als zuvor, aber wir versuchen uns trotzdem an die Pläne zu halten, die wir vor unserer Teilnahme gemacht haben: Nämlich viel proben, Interviews geben, unsere Bühnenshows planen, und währenddessen unser viertes Album aufnehmen und durch Ungarn touren. Im Moment ist AWS unser Vollzeitjob.

Was sind Eure Ziele für die Zukunft? Was wollt Ihr erreichen?

Wir möchten unseren Job erledigen: Musik machen und unsere Fans und Hörer zum Nachdenken anregen. Wie wir bereits sagten, arbeiten wir an unserem vierten Album, was sehr wichtig für uns ist. Und das soll sich auch nicht ändern.

Weitere Informationen zu den Mitgliedern von AWS und ihrer Musik finden Sie unter www.facebook.com/awszenekar/

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