Die Teilnehmer verlangten u. a., dass die Stimmen der Parlamentswahl neu ausgezählt, das Wahlrecht geändert und die Pressefreiheit zugesichert werden. Sie trugen ungarische Nationalflaggen und riefen „Orbán hau ab!“, „Viktator, Viktator!“, „Wir sind das Volk, wir sind die Mehrheit!“ Die Regierungsgegner zogen unter dem Motto „Auf – die Freiheit ruft“ von der Oper kommend vor das Parlament am Kossuth tér; die Organisatoren sprachen von bis zu 100.000 Teilnehmern.

Neu bei dieser Demonstration war, dass Politiker aus MSZP, Jobbik und Liberale gemeinsam demonstrierten, darunter Parteichefs wie Gábor Vona, Gergely Karácsony, Ferenc Gyurcsány, Gábor Fodor und Péter Juhász. Die Redner verlangten Neuwahlen sowie den völligen Zusammenschluss der Opposition. Für den kommenden Samstag haben sie eine weitere Protestaktion ausgerufen.

Die Reden dauerten insgesamt lediglich 50 Minuten, danach wurden die Demonstranten aufgefordert, ihre Handys in die Höhe zu halten, um den Oppositionsparteien zu signalisieren, dass sie nur gemeinsam eine Chance haben. Einer der Redner, Viktor Gyetvai bat, die Massen sollten auf diese Weise zeigen, dass sie den Zusammenschluss wollen, denn nur so hätten sie eine Chance gegen den Fidesz.

In einer Reihe von Städten im Ausland wurden zeitgleich Sympathiekundgebungen abgehalten, so vor der ungarischen Botschaft in Berlin. Aber auch in München und Göttingen kam es seitens der ungarischen Gemeinschaft zu Solidaritätsbekundungen mit der Protestbewegung in Budapest. Das Interesse der Menschen sollte darauf gelenkt werden, wie wichtig der Schutz der demokratischen Werte sei.

Der Fidesz hatte die Wahl am vergangenen Sonntag klar gewonnen, laut dem am Samstag mitgeteilten Endergebnis mit 49,9% der Stimmen. Im Parlament stellt der Fidesz künftig 133 von 199 Abgeordneten. Somit besitzt Orbáns Partei erneut eine Zweidrittelmehrheit für Verfassungsänderungen.

Wahlbeobachter der OSZE hatten kritisiert, im Wahlkampf habe es eine „einschüchternde und fremdenfeindliche“ Stimmung gegeben, die Opposition sei benachteiligt worden. In den vergangenen Tagen gab es zudem Berichte, wonach es bei der Auszählung der Stimmen zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein soll. Experten zufolge waren die mutmaßlichen Manipulationen aber nicht wahlentscheidend.

Kritiker werfen Orbán vor, die Demokratie in Ungarn abzubauen, unabhängige Medien zu unterdrücken und systematisch Korruption zuzulassen. Orbán hat bereits Gesetze angekündigt, welche die Arbeit von Zivilorganisationen weiter erschweren sollen. Auch der Druck auf Oppositionelle und Regierungskritiker steigt.

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