In seiner Einleitung zitiert der Autor den ungarischen Lyriker Endre Ady und beschreibt die wichtige Rolle der Donau, die vor der Vereinigung Budapests, die zwei eigenständigen Städte Buda und Pest trennte sowie der Kettenbrücke, die eines der symbolträchtigsten Wahrzeichen Budapests ist. Hauszmanns Reise durch die Jahrhunderte beginnt um 90 nach Christus und arbeitet sich vom Legionärslager der Römer, das auf dem Gebiet des heutigen Budapest errichtet worden war und dessen Überreste man noch immer in einigen Bezirken Budapests sehen kann, über den Bau einer königlichen Residenz in Buda, der 145 Jahre dauernden türkischen Herrschaft und der Befreiung der Budaer Burg von der türkischen Herrschaft bis hin zur Vereinigung der Städte Buda, Pest und Óbuda zur Hauptstadt Budapest und der Erklärung des Budaer Burgbergs und des Donaupanoramas zum UNESCO-Welterbe vor.

Budapest in der Antike und im Früh- und Hochmittelalter

Als die Römer hierher kamen und ihr Legionärslager errichteten, wussten sie noch nicht, was hier später einmal für eine geschichtsträchtige Metropole entstehen würde. Sie gründeten die Hauptstadt der Provinz Pannonia Inferior, „Aquincum“, die dann jedoch ungefähr 300 Jahre später, mit dem Vertrag von Ravenna, an die Hunnen abgetreten wurde. Der Name „Aquincum“ kommt von dem keltischen Namen „Ak-ink“ und bedeutet „viel Wasser“ und weist auf die Wasserquellen von Budapest hin.

Das Erscheinen der Hunnen war der Auslöser für die große Völkerwanderung, die Europas Landkarte erheblich umgestaltete. Der türkisch-mongolische Stammesverband der Hunnen erreichte die Spitze seiner Macht unter Hunnenkönig Attila, ging dann aber, nach dem Tod Attilas, in andere Völker auf. Nachdem der ungarische Stammesverband seine Urheimat verlassen hatte, gerieten die späteren Ungarn zunächst unter die Herrschaft von Turkvölkern. Etwa 300 Jahre später passten sie sich immer mehr an das Leben in der Steppe an und bezeichneten sich als „mogyeri“– „Magyar“. Bis ungefähr 900 wurde die „Landnahme“ des Gesamtgebietes Pannoniens und Transdanubiens endgültig vollzogen. Die Landesherren Pannoniens nannten sich „Ungri“ und führten mehrere Streifzüge gegen West-, Süd- und Südosteuropa. Das heidnisch ungarische Großfürstentum war kurz vor seiner Umwandlung in ein christliches Reich.

Kurz und bündig erklärt Hauszmann in seinem ersten Kapitel die Anfänge Budapests. Er erwähnt zwar den Hunnenführer Attila und die Herrschaft der Türken über Budapest, geht aber nicht weiter darauf ein, wie er es bei der Namensgebung der Hauptstadt der Provinz Pannoniens „Aquincum“ tat.

Im 13. Jahrhundert wurde nicht nur das Burgviertel gegründet, sondern es erfolgten auch Bauarbeiten auf der heutigen Margareteninsel. Die frühere „Haseninsel“ war eigentlich ein Jagdgebiet der Árpáden-Könige, wurde aber für Prinzessin Margarete, der Lieblingstochter von König Béla IV., umgestaltet und dann auch nach ihr benannt. In einem Infokasten erklärt der Autor an dieser Stelle übrigens die Entstehung der „Bibliotheca Corviniana“ durch den Renaissance-König Matthias Corvinus im 15. Jahrhundert.

Vereinigung von Buda und Pest

Das Zentrum der großfürstlich-königlichen Gesellschaft waren mehrere Siedlungen auf der Pester Seite: das durch die ehemalige römische Burg „castrum Pest“ benannte wirtschaftlich wichtige Pest, „minor Pest“, das von hauptsächlich Acker- und Weinbau betreibenden deutschen Einwohnern „Kreinfeld“ genannte Kleinpest sowie die Siedlung Felhévíz an den Thermalquellen der heutigen Margarethenbrücke. Die neuen deutschen Ansiedler Pests im 13. Jahrhundert waren vor allem Kaufleute und Handwerker und spielten bei der Entstehung des städtischen Bürgertums eine wichtige Rolle und wurden von den ungarischen Königen durch verschiedene Privilegien unterstützt. 1230 bekamen die Siedlungen von König Andreas das Stadtprivileg. 1541 gerät Budapest für 145 Jahre unter türkische Herrschaft. 1686 wird Budapest wieder befreit.

In dem Kapitel „Budapest (1848/1849- 1918)“ beschreibt Hauszmann die Überwindung des jahrhundertealten Feudalsystems und die Schaffung einer modernen, auf nationaler Selbstbestimmung beruhenden Verfassung. Ende Mai, Anfang Juni 1848 wurden in Buda und Pest neue Bürgermeister gewählt und im Oktober des gleichen Jahres wurde die Exekutivgewalt in Pest von einem zwölfköpfigen Landesverteidigungsausschuss unter dem Vorsitz des Publizisten und Staatsmanns Lajos Kossuth übernommen, dessen Ziel es war, die Unabhängigkeit des Landes weiterhin zu gewährleisten. Am 24. Juni 1849 verfügte Innenminister Bertalan Szemere die Vereinigung von Buda und Pest. „(…) Weil schließlich von der Landeshauptstadt Zierde, Kraft, Macht, Größe durch Einheit vorausgesetzt wird, deren das in einem ungerechten Krieg angegriffene Vaterland heute ganz besonders bedarf, verordne ich aus all den oben angeführten Gründen folgendes: Die Zusammenlegung der Verwaltungen von Buda, Pest und Óbuda wird hiermit angeordnet und die beiden Schwester-Hauptstädte hiermit als Budapest miteinander vereinigt“, so Szemere.

Der um einiges spätere Staatsakt der Vereinigung 1873 läutete für Budapest eine neue Epoche der Stadtentwicklung ein. Die Blütezeit des Wirtschaftsliberalismus stand vor allem für eine kapitalistische Umgestaltung und eine beschleunigte Modernisierung. Es kam zu einer schnellen Entwicklung von Industrie, Wirtschaft und Verkehr in Budapest. Mühlen-, Eisen- und Maschinenindustrie, sowie Chemie- und Elektroindustrie wurden Teil der Großindustrie und erhielten eine große Bedeutung und wurden durch ausländisches Kapital unterstützt. 1876 wurde die Margarethenbrücke für eine bessere Verbindung zwischen Buda und Pest eröffnet und die Donaupromenade verschönert. In dieser Zeit erhielt Budapest auch sein heutiges architektonisches Gepräge.

Einer der wichtigsten Architekten war Miklós Ybl, unter dessen Hand Gebäude, wie das Palais Károlyi, die Oper und auch die St. Stephen Basilika entstanden. Das Parlamentsgebäude wurde nach Vorbild des Kölner Doms und des Londoner Parlaments im neogotischen Stil nach den Plänen von Imre Steindl erbaut. Die bis 1896 in neoromanischen Stil umgebaute Matthiaskirche und die im gleichen Stil erbaute Fischerbastei wurden beide von dem Architekten Frigyes Schulek erbaut. Den Heldenplatz in Pest mit dem Museum der bildenden Künste und der Kunsthalle hat Budapest dem Maler und Architekten Albert Schickedanz zu verdanken.

„Ganz Budapest war wunderschön“

Auch Ungarns Rolle in den zwei Weltkriegen erklärt Hauszmann sehr verständlich und verweist hier auf den Schriftsteller und Übersetzer der Zwischenkriegszeit, Dezső Kosztolányi, der in seinem Roman „Ein Held seiner Zeit“ Budapest folgendermaßen beschrieb: „Die Donau war breit, der Gellért-Berg hoch. Beide waren wunderschön. Ganz Budapest war wunderschön. Am meisten interessierten ihn die Menschen von Budapest. Ihm fiel nur auf …, dass sie einander in Art und Benehmen glichen wie die Mitglieder ein und derselben Familie.“.

Nach Beendigung der Kampfhandlungen des Ersten Weltkriegs unterschrieben die Ungarn am 3. November in Padua einen Waffenstillstand. Bereits am 16. November wurde im Kuppelsaal des Parlaments vom Ungarischen Nationalrat feierlich das nun unabhängige und selbstständige Ungarn als Volksrepublik proklamiert. „So siegte in Budapest nach 70 Jahren erneut eine bürgerlich-demokratische Revolution“, so Hauszmann. Doch die darauffolgenden Wirtschafts- und Versorgungsprobleme standen einer demokratischen Entwicklung im Wege. Es kam immer mehr zu einer Radikalisierung der Bevölkerung.

Am 22. März 1919 wurde in Budapest die Ungarische Räterepublik ausgerufen. Den Kommunisten gelang es zweitweise, sogar bekannte Intellektuelle wie den Philosophen György Lukács, die Komponisten Béla Bartók und Zoltán Kodály sowie den Filmregisseur Sándor Korda für sich zu gewinnen. Durch den zunehmenden roten Terror verlor die Regierung bei der Bevölkerung jedoch rasch an Rückhalt. Nach nur 133 Tagen brach die Räterepublik zusammen. Das anschließende Chaos wurde erst ab dem 16. November mit dem – symbolträchtig auf einem weißen Pferd vollzogenen – Einmarsch von Konteradmiral Miklós Horthy an der Spitze seiner Nationalen Armee in Budapest schrittweise beendet. Der zunehmenden Konsolidierung konnten auch 1921 zwei Restaurationsversuche von König Karl IV nichts mehr anhaben.

Budapests Bevölkerung war bis 1941 auf 1.164.963 Einwohner angestiegen. 1923 wurde das 50-jährige Jubiläum der Vereinigung von Buda und Pest gefeiert. Drei Jahre später kam es zur Gründung der Ungarischen Nationalbank. Budapest war die Heimat von angesehenen Kulturpolitikern, wie Kuno Graf Klebelsberg sowie bekannte Literaten und Dichtern, wie Zsigmond Móritz und József Attila. Das Nationaltheater erwarb sich in dieser Epoche einen guten Ruf und die Kinos erlebten eine „goldene Epoche“. 1927 wurde die von János Horváth angefertigte Kossuth-Statue auf dem gleichnamigen Platz eingeweiht.

Nach der Besetzung Ungarns durch Hitler-Deutschland im März 1944 nahm der Antisemitismus in Ungarn extreme Ausmaße an und fand seinen Höhepunkt in der Deportation hunderttausender ungarischer Juden. Durch angloamerikanische Flächenbombardements sowie die anschließende mehrmonatige Belagerung durch sowjetische Truppen wurde Budapest schwer in Mitleidenschaft gezogen. Schwere, wenn auch nicht so großflächige Zerstörungen gab es in Budapest elf Jahre später erneut, als Ungarn gegen die sowjetischen Besatzer aufbegehrte.

Schließlich widmet sich Hauszmann, wobei er stets die Verknüpfung mit dem Leitthema Budapest sowie den Gebäuden und Denkmälern der ungarischen Hauptstadt sucht, noch der neueren Geschichte. Seine Chronik endet im Jahr 2010 mit dem Beginn der Amtszeit der zweiten Orbán-Regierung und der Ära von OB István Tarlós.

Abgeschlossen wird die Kapitelfolge mit einem, mit viel Zahlen gefüllten Überblick über das „heutige Budapest“. Immer wieder präsentiert Hauszmann verstreut über die neun Kapitel in Infokästen bemerkenswerte Hintergrundinformationen. Abgerundet wird das Buch durch etliche schwarz-weiß Bilder, eine Zeittafel, ein Personenregister und ein Ortsregister. Hauszmanns Werk ist eine gute Einführung in die Geschichte der ungarischen Hauptstadt und vermittelt zugleich grundlegende Einblicke in die Geschichte Ungarns.


Janos Hauszmann: Kleine Geschichte Budapests

Verlag Friedrich Pustet, 2012

Taschenbuch, 192 Seiten, 14,95 Euro

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