Am späten Sonntagabend hatte Ministerpräsident Viktor Orbán vor seinen Anhängern verkündet: „Wir haben gesiegt!“ Die hohe Wahlbeteiligung habe alle Zweifel „in Klammern gesetzt“. Orbán sprach von einem schicksalshaften Triumph und der Chance, Ungarn zu verteidigen. Das Land sei noch nicht dort, wo es hinwolle, doch habe es seinen eigenen Weg gewählt. Die kurze Ansprache schloss er mit den Worten „Sole Deo Gloria“.

In einem Interview für das „Echo TV“ in der Nacht zum Montag bezeichnete Orbán die Ungarn als ein Land mutiger Menschen, die ganz Europa klar gemacht hätten, dass die Dinge so nicht weitergehen können. Er sei sich im Klaren gewesen, dass dieses Volk in der Not zusammenstehe und der Welt seinen Willen zeige. Er wolle, dass Ungarn auch weiterhin auf dem Teppich bleibt und den Realitäten ins Auge sieht, doch müsse man zugleich erkennen, dass Europa unter Unehrlichkeit leide.

In regierungskritischen Online-Medien wurde am Montag ein besonders auffälliges Paradoxon des Wahltages angesprochen: Hatte das Wahlbüro im Tagesverlauf regelmäßig Zahlen zur Wahlbeteiligung vorgelegt, die eine Rekordbeteiligung vermuten ließen, fiel die 18:30 Uhr mitgeteilte Zahl nach 19 Uhr deutlich zurück. Die offizielle Erklärung lautete, die sehr wahrscheinlich erschöpften Wahlhelfer hätten beim manuellen Nachzählen zu viele Wähler vermerkt, was am Ende des Tages korrigiert worden sei. Bis 15 Uhr lag die Wahlbeteiligung in Rekordhöhe (mit einem Vorsprung von 2-3 Prozentpunkten), ab 17 Uhr fiel diese gegenüber dem bisher „demokratischsten“ Wahljahr 2002 um gut 2 Prozentpunkte zurück. Die Korrektur des Wahlbüros betraf rein rechnerisch mehr als 80.000 Wähler.

Am Montagnachmittag präsentierte das Wahlbüro aufgefrischte Mandatszahlen bei einem Aufarbeitungsstand von knapp 99%. Demnach wird der Fidesz im nächsten Parlament 134 Sitze (gleich dem Stand Sonntagnacht) haben, die Jobbik 25 (-2), die MSZP-Párbeszéd 20 (+1), die DK 9 und die LMP 8 (+1). Für den Fidesz stimmten demnach 2,6 Mio. Wähler, so viele wie nie zuvor (darunter 100.000 Auslandsungarn). Die Jobbik erreichte gut 1 Mio. Stimmen, MSZP-Párbeszéd brachten es auf 650.000 Stimmen, die LMP auf 370.000 und die DK auf weniger als 300.000 Stimmen.

Die Wahlhelfer hatten am Sonntag alle Hände voll zu tun, die vielen Stimmen auszuzählen – die Wahlbeteiligung erreichte ursprünglich 70%, welcher Wert am Abend jedoch auf 68% herunterkorrigiert wurde.

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