„Wir haben einen schicksalshaften Sieg errungen, und damit die Chance, Ungarn zu schützen“, erklärte Ministerpräsident Orbán, der seiner vierten Amtszeit entgegensieht. Noch Sonntagnacht traten Jobbik-Chef Gábor Vona und der komplette Parteivorstand der Együtt zurück. Außerdem kündigte LMP-Ko-Vorsitzender Ákos Hadházy seinen Rücktritt an.

Der Fidesz räumt ähnlich souverän wie vor vier Jahren 91 von 106 Direktmandaten ab und käme zusammen mit den Stimmen der Landesliste auf 134 Mandate im Parlament, das über insgesamt 199 Sitze verfügt – das entspricht somit erneut einer Zweidrittelmehrheit. Die Jobbik gewinnt demnach nur 1 Direktmandat, holt aber ein starkes Listenergebnis und würde mit 27 Sitzen die zweitstärkste Fraktion bilden. Das Bündnis MSZP-Párbeszéd holt gleich 8 Direktmandate; diese Fraktion wird sich aus 19 Politikern zusammensetzen. Die DK gewinnt 3 Direktmandate und insgesamt 9 Sitze. Die LMP sichert sich ebenso wie die Együtt ein Direktmandat, zuzüglich 6 Sitzen dank der erfolgreichen Landesliste, wohingegen die Együtt keine Fraktion bilden kann. Neben einem unabhängigen Abgeordneten (Tamás Mellár) wird das neue Parlament auch einen Vertreter der deutschen Minderheit haben (Imre Ritter), wenngleich die Zahl der auf ihn abgegebenen Stimmen letztlich unter 20.000 blieb. An der 5%-Hürde gescheitert sind die Neugründung Momentum-Bewegung, die es demnach auf 2,6% brachte, die Satirepartei des zweischwänzigen Hundes (MKKP) mit 1,6% und die linke Splitterpartei Együtt mit 0,6%. Einzig in Budapest konnten die Oppositionsparteien stark auftrumpfen, die voraussichtlich 12 der 18 Direktmandate in der Hauptstadt für sich entscheiden konnten.

Die Legitimation des nächsten Parlaments sei wegen der hohen Wahlbeteiligung enorm groß, hatte Fidesz-Fraktionsvorsitzender Gergely Gulyás am Abend erklärt. Die ungarische Demokratie sei stark, denn die Bürger des Landes wollten über ihr eigenes Schicksal entscheiden. Rund 1.400 Kandidaten und 23 Parteien bewarben sich um die Gunst der knapp 8 Mio. Wähler in Ungarn sowie von 58.000 im Ausland lebenden Ungarn; rund 380.000 Auslandsungarn nahmen per Briefwahl mit einer Stimme an der Wahl teil. Die Wahllokale waren ursprünglich von 6 Uhr morgens bis 19 Uhr abends geöffnet, an einigen Orten zog sich die Wahl aber bis 22 Uhr hin. So hatten sich in London 9.700 Wähler angemeldet – in allen anderen Auslandsvertretungen schlossen die Lokale pünktlich um 19 Uhr. In München wählten mehr als 4.500, in Stuttgart 3.200, in Berlin 2.100 und in Düsseldorf 1.800 Ungarn. In Újbuda sprach die Wahlleiterin von einer „tragischen Situation“, hier bildete sich wegen gut 10.700 Ummeldungen eine 1,5 km lange Schlange (gewöhnlich gehören zu einem Wahlkreis 800-1.000 Wähler). Landesweit hatten 200.000 Bürger eine Ummeldung beantragt. Deren Stimmen werden ebenso wie jene der im Ausland abstimmenden Ungarn erst im Wochenverlauf aufgearbeitet.

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