Bei den Wahlen vor vier Jahren ließen sich nur 15.209 Wähler registrieren, damals bestand daher keine realistische Hoffnung auf ein Abgeordnetenmandat. In diesem Jahr kamen jedoch knapp 34.000 Registrationen zusammen. Das stimmt die LdU optimistisch. „Damit die Liste der Landesselbstverwaltung ein Mandat erzielt und Emmerich Ritter im Parlament als Abgeordneter für uns arbeiten kann, ist noch ein großer Schritt notwendig: am 8. April müssen wir alle zur Wahl gehen’’, betonte Otto Heineck, der Vorsitzende der LdU. „Durch eine hohe Wahlbeteiligung können wir auch zeigen, dass wir als Gemeinschaft hinter der Liste stehen, und können so unserem Spitzenkandidaten eine starke Legitimation geben.“

Neue Chancen bei Mitgestaltung der ungarischen Politik

Bisher hat die deutsche Minderheit lediglich einen Sprecher im Hohen Haus, dies soll sich durch die Wahl in den kommenden Tagen ändern und den Ungarndeutschen viele neue Chancen der Mitsprache und Mitgestaltung in der ungarischen Politik ermöglichen. Heineck betont, dass sich Emmerich Ritter für die Bewahrung des kulturellen Erbes, für die Stärkung der Selbstverwaltungen und Vereine und für die Entwicklung des Schulwesens der Ungarndeutschen einsetzen wird. Dabei will er unabhängig von Parteien die Ungarndeutschen vertreten. Seit 1995 ist die LdU das höchste Organ der deutschen Minderheit und verfügt über eine zentrale Geschäftsstelle und über Regionalbüros in den von Deutschen bewohnten Regionen des Landes.

Zahlreiche kulturelle Angebote für Ungarndeutsche

Insgesamt bildet die LdU die Dachorganisation für landesweit 340 lokale Minderheitenselbstverwaltungen sowie über 500 Kulturgruppen und ungarndeutsche Vereine. Dabei gibt es ganz unterschiedliche Angebote für die deutsche Minderheit, beispielsweise das Ungarndeutsche Kultur- und Informationszentrum, die Gemeinschaft Junger Ungarndeutscher (GJU), das Ungarndeutsche Bildungszentrum Baja (UZB), das Ungarndeutsche Pädagogische Institut (UDPI), der Verein für ungarndeutsche Kinder (VUK) und der Landesrat für ungarndeutsche Chöre, Kapellen und Tanzgruppen. Auch in der Medienlandschaft gibt mit der Neuen Zeitung und Radio Fünfkirchen ein Angebot für Ungarndeutsche.

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Der gebürtige Budaörser will sich unter anderem für die Bewahrung des kulturellen Erbes der Ungarndeutschen einsetzen.

Geschichte der deutschen Minderheit in Ungarn

Die deutsche Minderheit ist laut der Volkszählung von 2011 mit rund 186.000 Personen die zweitgrößte nationale Minderheit Ungarns. Im heutigen Ungarn gibt es drei größere Siedlungsgebiete, in denen Angehörige der deutschen Minderheit in großer Zahl leben: Westungarn entlang der österreichischen Grenze, das Ungarische Mittelgebirge bis zum Plattensee-Oberland und Südost-Transdanubien.

Etwa 30. bis 40.000 Angehörige der deutschen Minderheit sprechen noch als Erstsprache eine Varietät des Deutschen, als erlernte Zweitsprache verwenden große Teile der ungarndeutschen Bevölkerung die deutsche Standardsprache. Die sprachliche Assimilation ist in den drei Regionen unterschiedlich vorangeschritten, in Südungarn am wenigsten, in der Budapester Gegend am meisten.

Der rechtliche Status der 13 anerkannten Minderheiten Ungarns wird seit 1993 in einem „Gesetz über die Rechte der nationalen und ethnischen Minderheiten“ geregelt, die Grundrechte der Minderheiten sind auch in der ungarischen Verfassung verankert. Auf kommunaler und auf der landesweiten Ebene sind gewählte Körperschaften, sogenannte Minderheitenselbstverwaltungen als politische Vertretung der deutschen Minderheit aufgrund des Minderheitengesetzes seit 1994 etabliert worden.

Weiterführende Informationen gibt es unter www.wahl2018.hu

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