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Monolog für Ungarn

Tatsächlich wurde der staatliche Nachrichtensender M1 erst vor kurzem für seine Berichterstattung über die Jobbik vom Nationalen Wahlausschuss mit einer Geldstrafe belegt. Die Berichterstattung sei zu einseitig und seit geraumer Zeit seien in dieser Sache nur Regierungsvertreter, aber kein Politiker der besprochenen Partei selbst zu Wort gekommen. Ob dies nun der Grund für den plötzlichen Versuch des Fernsehsenders ist, dem Informationsauftrag doch noch gerecht zu werden, bleibt unklar.

Jobbik-Sprecher Mirkóczki zumindest arbeitete sich in seinen fünf Minuten zuallererst an den Staatsmedien selbst ab, die zwar Unmengen an Staatsgeldern verschlingen würden, aber ansonsten – vor allem in Sachen Jobbik – „rund um die Uhr nur Lügen verbreiten”. Auch den Medienrat kritisierte Mirkóczki, denn der Präsident des Rates werde persönlich durch Premier Viktor Orbán ernannt, seine Mitglieder durch die Regierung bestimmt, kurz der Medienrat sei voreingenommen. „Dabei können wir uns für Rechtsbeistand nur an dieses eine Gremium wenden”, so der Jobbik-Sprecher.

Mirkóczki merkte zudem an, dass die Menschen eine ausgewogene Berichterstattung verdient hätten, dies derzeit aber einfach nicht gegeben sei. Mirkóczkis Monolog ging ab hier in ein erstaunlich flammendes Plädoyer für die Freiheit der Presse und des Journalismus über.

Hajnal: Orbán steht für Fragen nicht zur Verfügung

Nach der Jobbik erhielt auch die Neupartei Momentum die Chance, sich vorzustellen. Ebenfalls in den Abendnachrichten und durch den Moderator mit den Worten angekündigt: „Die öffentlich-rechtlichen Medien geben allen Parteien, die eine Landesliste aufgestellt haben, auch über die gesetzlich vorgeschriebenen Maße hinaus Sendezeit, um ihr Programm vorzustellen.”

Miklós Hajnal, Sprecher der Partei, tat es seinem Amtskollegen von der Jobbik gleich und eröffnete seinen Monolog mit der Aussage: „In der doch recht bewegten einjährigen Geschichte der Momentum ist dies das erste Mal, dass wir ins Staatsfernsehen eingeladen wurden, vielen Dank dafür.”

Hajnal wirkte bestens vorbereitet. Er griff ein Thema auf, das viele seit Jahren bewegt: Premier Viktor Orbán ist schlicht für Fragen und den direkten Kontakt mit den Wählern nicht verfügbar. Deshalb brachte Miklós Hajnal Fragen der Bürger mit ins Studio. Fragen, die die Momentum auf dem sozialen Netzwerk Facebook gesammelt hatte.

Hier ein paar Beispiele: „Wie viele Jahre Allmacht braucht der Fidesz noch, um endlich die Stasi-Akten an die Öffentlichkeit zu bringen?”, „Denken Sie, dass die Ein- oder die Auswanderung das größere Problem ist, in Anbetracht der Tatsache, dass rund eine halbe Million junger Ungarn im Ausland bleibt, während die halbe Million Flüchtlinge und Migranten schon längst weitergezogen ist?”, „Warum sind Fußballstadien wichtiger als das Bildungs- und Gesundheitssystem?”, „Wenn man nach drei Regierungsperioden mit 10.000-Forint-Gutscheinen bei Rentnern auf Stimmenfang gehen kann, haben Sie dann nicht etwas falsch gemacht?” und „Wohin sind aus dem Bund junger Demokraten (so heißt der Fidesz ausgesprochen, Red.) die Jungen und die Demokraten verschwunden?” Miklós Hajnal beendete die Verlesung seines Fragenkatalogs wenige Sekunden vor Ablauf der vorgegebenen Zeit und verließ das Studio.

Die Partei "Arme Menschen für Ungarn" stellt sich vor.

Aus Fehlern gelernt?

Der nächste Studiogast war Péter Juhász von der Partei Együtt. Diesmal wollte man beim Sender M1 wohl ähnlichen Eskapaden wie bei den ersten beiden Monologen vorbeugen, indem der Moderator Juhász etwas Spezielles zum Programm seiner Partei fragte. Doch der Együtt-Politiker stellte lieber klar, dass bereits die Einleitung des Gespräches irreführend sei, denn von einer „über den gesetzlichen Rahmen hinausgehenden Sendezeit” könne keine Rede sein. Er selbst sei seit vier Jahren nicht mehr Gast des Senders gewesen – dafür aber umso häufiger dessen Thema. Danach ließ es sich Juhász nicht nehmen, private und weniger private Skandale von Mitgliedern der Regierungspartei aufzuzählen.

Hühnergegacker im Staatsfernsehen

Sogar der Satirepartei „Ungarische Partei des zweischwänzigen Hundes” wurden fünf Minuten Sendezeit zugestanden. Zu Gast war der Kandidat der Partei für den Wahlkreis Sopron, József Tichy-Rács. Dieser kam mit aufgezogener Hühnermaske und Ganzkörperkostüm ins Studio und antwortete auf die Fragen des offensichtlich um Ernsthaftigkeit bemühten Moderators ausschließlich mit Gackern.

Der einzige Kandidat, mit dem die Moderatoren des Staatsfernsehens bisher in so etwas wie einen Dialog treten konnten, war der Vertreter der Partei „Arme Menschen für Ungarn”. Diese ist nur eine der mehr als ein Dutzend Parteien, die zwar am 8. April auf dem Wahlzettel zu finden sein werden, von denen aber ansonsten bisher wenig bis gar nichts bekannt ist.

Gábor Horváth, der für die Partei im Staatsfernsehen zu Gast war, ist nicht der Vorsitzende der Partei und nach seiner Unsicherheit vor der Kamera zu urteilen recht neu im Politgeschäft. Ein guter Politiker muss natürlich nicht zwangsläufig ein guter Selbstdarsteller sein, doch ob das Prädikat „gut” einem Politiker zusteht, der sich sowohl bei der Anzahl der Mehrwertsteuerarten als auch bei der Höhe der Einkommenssteuer vertut, ist fraglich.

Bis zur Wahl ist es noch gut eine Woche hin und noch haben sich nicht alle Parteien vorgestellt – man darf also gespannt bleiben.

Konversation

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