Im Café Dose Espresso Budapest kann man seit Kurzem die Fotografien von Anna Illés und Attila Pálhegyi bewundern. Die beiden Fotografen eröffneten am vergangenen Freitag ihre Ausstellung „Parallels between city and lanscape“. Auf unbestimmte Zeit zieren ihre Fotos nun die Wände des Cafés am Szabadság tér. Dabei werden Illés und Pálhegyi die ausgestellten Fotos alle zwei Monate austauschen, doch das Konzept bleibt. Die Künstler suchen in ihren Werken Parallelen zwischen Szenen auf dem Land und in der Stadt. Pálhegyi liefert dabei die Landschaftsfotografien, Illés die Stadtszenen.

Eine Dosis Kunst, bitte

Den Anstoß zu dieser Ausstellung gab das Café. Beziehungsweise ein Foto, das Attila Pálhegyi in einer Ecke des Cafés von Anna Illés gemacht hatte. Das gefiel dem Dose Espresso so gut, dass die beiden gefragt wurden, ob das Foto auf der caféeigenen Facebookseite veröffentlicht werden darf. Und so geriet die Zusammenarbeit ins Laufen.

Doch warum möchte ein Café eine Fotoausstellung beherbergen? Wie die beiden Künstler erklären, sollen die Gäste durch die Stadt- und Landfotografien dazu angeregt werden, über den Alltagsplausch hinaus ein gutes Gespräch zu beginnen, über Kunst, darüber, wo es sich besser leben lässt oder einfach über das Wetter. „Die Bilder sind extra in Paaren angeordnet, damit die Leute die verschiedenen und doch ähnlichen Situationen in Stadt und Land vergleichen können“, so Anna Illés im Interview mit der Budapester Zeitung. Dabei haben die beiden Fotografen nicht nur die Motive verglichen, sondern auch auf Parallelen im Lichteinfall, in der Perspektive und beim Wetter geachtet.

Architektur und Fotografie

Anna Illés ist eigentlich gelernte Architektin und arbeitet auch Vollzeit in ihrem Beruf. „Doch die Fotografie nimmt immer mehr Raum in meinem Leben ein“, gesteht Illés. Wirklich gelernt hat sie ihr dominantes Hobby nie. „An der Uni habe ich einmal einen Fotokurs belegt, aber eigentlich nur aus Spaß, und weil ich dafür Credit Points bekam.“ Dort mussten die Studenten zu einem wöchentlich wechselnden Thema Fotos einreichen, von denen anschließend die besten Bilder ausgewählt wurden.

Damals merkte die heute 25-Jährige bereits, dass ihre Bilder Anklang fanden, denn sie waren nahezu immer unter den Ausgewählten. „Ich habe es aber nie bewusst darauf angelegt, besonders gut oder professionell zu fotografieren“, erzählt Illés bescheiden. Doch durch ihr Architekturstudium und das daraus gewonnene Wissen habe sie natürlich einen guten Blick für Fotomotive. Gerne zeigt Illés in ihren Bildern gewöhnliche Plätze und Szenen aus ungewöhnlichen Perspektiven. Sie betont dabei kleine Momente, die andere vielleicht gar nicht bemerken würden.

Ihr Schwerpunkt liegt auf der urbanen Fotografie, jedoch sei dies nur der Tatsache geschuldet, dass sie in Budapest dazu natürlich mehr Motive habe, so Illés. Aber auch außerhalb der Stadt habe sie ihre Kamera immer dabei und liebe es, die Natur zu fotografieren.

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Öffentlich zugänglich gemacht hat sie ihre Fotos vor noch gar nicht so langer Zeit. Am 1. Januar 2017 eröffnete sie ihren heute äußerst beliebten Instagram-Account. „Denn am 1. Januar soll man immer mit neuen Dingen beginnen“, bemerkt die durchstrukturiert wirkende Architektin.

Ländliche Idylle in Siebenbürgen

Attila Pálhegyi hat ebenso wie Anna Illés nicht Fotografie studiert. Der gelernte Informatiker arbeitet nun jedoch schon seit fünf Jahren als Vollzeitfotograf. Er fotografiert auf Veranstaltungen, beispielsweise Hochzeiten, und zeigt sein Können auch in der Portraitfotografie. Sein künstlerischer Schwerpunkt liegt jedoch auf der Landschaftsfotografie.

Die ausgewählten Szenen zeichnen sich durch eine gute Farbkombination, interessante Wetterverhältnisse und ein einfach stimmiges Ganzes aus. Pálhegyi lebt in Oderhellen (ungarisch: Székelyudvarhely, rumänisch: Odorheiu Secuiesc), einer Stadt im Szeklerland, wo auch die Landschaftsbilder der Ausstellung entstanden sind. Diese zeigen auf besondere Weise, wie schön die Szenerie von Siebenbürgen sein kann.

Pálhegyi selbst ist äußerst zurückhaltend. Bei der Eröffnungsrede spricht der hochgewachsene Mann mit dem dichten Vollbart und der Hip-Hop-Kappe auf dem Kopf mit überraschend leiser Stimme. Seine bescheidenen Worte lassen ihn sofort sympathisch erscheinen. Stille Wasser sind bekanntlich tief und in diesem stecken eine Menge Talent und der Blick für das Schöne.

Kontrast und Parallele

Die Ausstellung im Dose Espresso zeigt nicht nur Parallelen, sondern auch Gegensätze. Diese spiegeln sich in den Fotografien wieder, aber auch in den Fotografen. Die eher quirlige und zierliche Anna Illés steht auf den ersten Blick in starkem Kontrast zu dem großen, ruhigen Attila Pálhegyi.

Doch genauso wie in den Bildern hat alles auch Gemeinsamkeiten. Denn der Blick für das Schöne und den richtigen Fotoausschnitt ist beiden Künstlern gegeben, das sieht man deutlich in den ausgestellten Fotos und in der Stimmung, die diese im gemütlichen Dose Espresso Budapest verbreiten.


Dose Espresso Budapest

Budapest, V. Bezirk, Hercegprímás utca 21

Öffnungszeiten: täglich 7.30 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag ab 9 Uhr

Weitere Fotos unter:

www.instagram.com/anna_illes_

www.instagram.com/pontosanpele

www.instagram.com/peleph

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