Nach den vergangenen acht Jahren unter der Fidesz-Regierung (dem Niederstampfen der unabhängigen Institutionen und der Medien, beziehungsweise dem Ausrauben des Landes), kann man solche Aussagen nicht mehr auf die leichte Schulter nehmen. Man muss sie so deuten, dass Orbán und die Seinen nun planen, alles niederzustampfen, was sich in diesem Land noch nicht in ihren Händen befindet.

Es sind noch gut drei (Anm.: nun nur noch zwei) Wochen bis zur Wahl und der Fahrplan für diese Zeit ist relativ klar umrissen. Die Frage ist, werden wir uns in ein paar Monaten, Jahren oder Jahrzehnten an diese Wochen zurückerinnern und uns sicher sein, dass wir wirklich alles getan haben, um die Katastrophe abzuwenden? Oder werden wir uns fragen, warum wir nicht mehr gemacht haben, um einen neuerlichen Sieg der Regierungspartei zu verhindern?

Denn bei dieser Wahl geht es um das ungarische Volk und nicht mehr nur darum, dass wir am 8. April zur Wahl gehen und in der Stille der Wahlkabine unser Kreuz beim aussichtsreichsten oppositionellen Kandidaten machen, beziehungsweise bei der uns am nächsten stehenden Partei. Das ist nur das Minimum. Darüber hinaus müssen wir noch viel mehr tun.

Der Ausgang der Wahl hängt nicht mehr nur von der Kooperation der Parteien ab, sondern auch davon, ob die Bürger kooperieren. Unabhängig davon, was die Parteien angesichts des wachsenden Druckes der kommenden Tage entscheiden werden.

Es gibt viel zu tun

Das Wichtigste ist offensichtlich, dass wir am 8. April wählen gehen. Aber das allein reicht nicht aus. Immer mehr von uns müssen zur Stimme des Regierungswechsels werden.

Wir müssen uns über unsere Ängste und negativen Gefühle hinwegsetzen, und laut und deutlich aussprechen, was wir denken. Die stumme Mehrheit, die bisher von der Minderheit unterdrückt wurde, muss zur lauten Mehrheit werden.

Wir müssen es wagen, uns auszusprechen, im Freundeskreis, beim Familienessen bei Gesprächen am Arbeitsplatz, in der Kneipe und in sozialen Medien. Wir müssen im ruhigen Ton argumentieren und so viele Menschen wie möglich davon überzeugen, am 8. April wählen zu gehen.

Doch auch das reicht noch nicht. So viele Menschen wie möglich müssen zudem davon überzeugt werden, ihre Stimmen auf den Wahlzetteln, die sie in der Wahlkabine bekommen, aufzuteilen.

Auf der Parteiliste sollte das Kreuz bei der sympathischsten Partei gemacht werden, während bei den Wahlkreisen dem aussichtsreichsten oppositionellen Kandidaten die Stimme gegeben werden sollte. Selbst dann, wenn man die Partei, die ihn entsendet, nicht mag.

Der aussichtsreichste Kandidat eines Wahlkreises ist jedoch nicht immer eindeutig zu identifizieren. Bis zur Wahl werden wir sicherlich noch zahlreiche Meinungsumfragen dazu lesen müssen. Bis jetzt scheint die Webseite „Taktisches Wählen“ (https://taktikaiszavazas.hu) am zuverlässigsten in der Präsentation des jeweils aussichtsreichsten Kandidaten. Weiterhin können die Meinungsumfragen der Bewegung „Gemeinsames Land“ (ung.: „Közös Ország“) in 18 Wahlkreisen wichtige Hinweise geben.

Trotzdem ist die Situation nicht eindeutig. Wir wissen, dass der Fidesz in den vergangenen 16 Jahren bei Meinungsumfragen stets überschätzt wurde, wir wissen allerdings nicht, wie groß die Abweichungen sind, da die Zahl derjenigen, die Angaben verweigern, noch nie so hoch gewesen ist.

Eins ist sicher:

Wenn wir in den kommenden drei Wochen aktiv werden, den Mund aufmachen und unsere Bekannten überzeugen, wenn die Mehrheit der oppositionellen Wähler den aussichtsreichsten Kandidaten mit ihrer Stimme unterstützt und die Wahlbeteiligung über 70 Prozent liegt, dann wird der Fidesz seine parlamentarische Mehrheit verlieren.

Die Aufgabe ist vorgegeben, die Möglichkeit ist da, lasst sie uns nutzen! Denn nach dem 8. April werden wir nirgendwohin mehr zurückweichen können.

Der hier in Auszügen wiedergegebene Kommentar erschien am 17. März auf dem liberalen Onlinenachrichtenportal merce.hu.

Aus dem Ungarischen von Elisabeth Katalin Grabow.

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