Im Rahmen der Umfrage wurden zehn verschiedene mitteleuropäische Länder untersucht und in Zusammenarbeit mit regionalen Partnern, wie Stiftungen und Experten ein Index ausgearbeitet. Der daraus entstandene Index wurde zwischen dem 9. Januar und 28. Februar erstellt. Zu den zehn Ländern gehören Ungarn, Deutschland, Österreich, Polen, Tschechien, Slowakei, Slowenien, Kroatien, Rumänien und Bulgarien. In Ungarn wurde die Umfrage und Auswertung vom Nézőpont Institut übernommen.

„Es werden viele verschieden Arten von Umfragen auf der ganzen Welt erstellt. Einige beruhen ausschließlich auf Expertenmeinungen und da fragt man sich, ob diese Experten nicht voreingenommen sind“, so Mráz bei seiner Eröffnung. Weiterhin gäbe es Umfragen, die sich auf makroökonomische Werte beziehen. In diesem Fall sei es jedoch manchmal schwer zu verstehen, was diese Werte genau wiederspiegeln. Schließlich gäbe es noch die Umfragen, die ausschließlich auf Meinungsumfragen beruhen. „Der Good Governance Index des Nézőpont Instituts ist deshalb sehr aussagekräftig, weil er alle drei Arten von Umfragen zusammenfasst: makroökonomische Werte, Expertenmeinungen und Meinungsumfragen“, unterstreicht Mráz.

Ungarn bei Lebensqualität auf Platz 4

Es wurden drei Aspekte unter quantitativen und qualitativen Indikatoren genau unter die Lupe genommen: politische Stabilität, Wirtschaftswachstum und Lebensqualität des untersuchten mitteleuropäischen Landes. Zur politischen Stabilität gehört beispielsweise die Einschätzung der allgemeinen Situation des Landes, die Stabilität des politischen Systems, die Zufriedenheit mit den erreichten Zielen der Regierung und auch das ausreichende Informieren der Bürger über die Politik der Regierungspartei.

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Sámuel Ágoston Mráz: „Der Good Governance Index des Nézőpont-Instituts ist deshalb so aussagekräftig, weil er alle drei Arten von Umfragen zusammenfasst.“

Umfragewerten und Expertenaussagen zufolge erzielte Ungarn in diesem Bereich 34,1 von 35 Punkten und belegt somit in dieser Kategorie den 1. Platz. Statistische Werte und Einschätzungen von Landesexperten ergaben, dass Deutschland hingegen unter dem Aspekt des Wirtschaftswachstums die meisten Punkte erzielen konnte.

Demnach sind die Deutschen einer Meinung, wenn es um den Umgang der Regierung mit dem GDP-Wachstum, den Kapitalanlangen und auch der Korruption geht. Experten denken da ähnlich und gaben Deutschland die volle Punktzahl im Bereich Wirtschaftsstabilität. Ungarn erzielte hier hinter Deutschland und Österreich immerhin den dritten Platz. Die Lebensqualität erreichte in Ungarn 27,5 Punkte und steht damit auf dem vierten Platz nach Tschechien, Deutschland und Österreich. Hierbei wurden unter anderem die Arbeitslosigkeit, die Kriminalität, die Familienpolitik und das Rentensystem untersucht.

Spitzengruppe besteht aus Deutschland, Ungarn und Tschechien

In der zusammenfassenden Rangliste der untersuchten Länder sind die ersten drei Plätze an Deutschland, Ungarn und Tschechien vergeben worden. Diese Länder haben in allen drei Kategorien die höchsten Punktzahlen erreicht. Um auch die Ergebnisse anderer Länder nicht unerwähnt zu lassen, sind die Bürger in Österreich und Rumänien am zufriedensten mit ihrem Gesundheitszustand und haben deshalb eine gute Punktzahl im Bereich Lebensqualität erreicht. Laut Csaba Fodor, dem Geschäftsführer der Nézőpont Intézet, können die untersuchten Länder insgesamt als sichere Länder betrachtet werden.

Nach der Auswertung der Ergebnisse der mitteleuropäischen Perspektive auf gute Regierungsführung, wurde diese neben Csaba Fodor auch von der Direktorin des Austrian Economics Center in Wien, Dr. Barbara Kolm, dem polnischen Wirtschaftswissenschaftler und Journalisten, Andrzej Szczesniak und dem Professor der Heiligen Kliment von Ohrid Universität in Sofia, Dr. Todor A. Tanev, kommentiert. Szczesniak argumentierte, dass man nicht alle Länder vergleichen kann, da die politischen und sozialen Ziele der Länder nicht immer gleich seien. Dazu meinte Dr. Kolm, dass es in Europa natürlich keine „One size fits all policy” gibt. Ein Wettbewerb zwischen den Ländern sei wichtig, um das Wachstum anzukurbeln. Die Leistungen der osteuropäischen Länder würden die westeuropäischen Länder motivieren.

Der Good Governance Index ist eine große Hilfestellung für alle Länder

Zum Thema Wirtschaftswachstum brachte Dr. Kolm zum Ausdruck, dass man mittlerweile immer weniger für sein Geld bekommt, was auch ein Problem der westeuropäischen Länder sei. Um höhere, wettbewerbsfähige Gehälter zu schaffen, ist es vor allem wichtig, den Wettbewerb zwischen den Ländern durch Strukturreformen aufrecht zu erhalten. Diese Reformen werden am Anfang sicherlich schwierig umzusetzen sein, aber mit der Zeit erfüllen sie ihren Sinn und fördern das Wachstum.

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Dr. Tanev bemerkte, dass es im Endeffekt auf das Gleichgewicht zwischen den Ländern ankomme. Am Ende der Diskussionsrunde wurde aus dem Publikum noch Ungarns Standpunkt zur Migration hinterfragt. Einig waren sich die Vertreter der vier Länder, Ungarn, Österreich, Polen und Bulgarien, dass eine Massenmigration nicht das sei, was die untersuchten Länder für ihre Wirtschaft und Gesellschaft bräuchten. Es wird von den Menschen erwartet, dass sie sich integrieren, arbeiten und ein Teil der Kultur sein wollen. Anders würde Migration nicht funktionieren. Dr. Tanev merkte an, dass die Migrationsfrage in Ungarn der Romafrage sehr ähnlich sei und die Flüchtlinge ohne konkrete Richtlinien genauso unintegriert blieben, wie die Roma.

Gergely Gulyás, Fraktionsvorsitzender der Fidesz, der ebenfalls an der Pressekonferenz des Good Governance Index teilnahm, vertrat die Meinung, dass die Regierung in den letzten acht Jahren sehr stabil war und es bei den bevorstehenden Wahlen auch um Stabilität ginge. Noch sei es aber ungewiss, ob diese Stabilität nach den Wahlen weiterhin bestehen bleibt oder ob mit der Opposition Chaos und Instabilität einkehren würden. Die EU könne hauptsächlich auf ihre Wirtschaftserfolge bauen. Wirtschaft und Sicherheit seien die wichtigsten Bereiche, in bei denen eine Zusammenarbeit der mitteleuropäischen Länder erforderlich sei. Es stünden viele Änderungen bevor. Die vorgelegte Studie gäbe der Regierung ein gutes Feedback hinsichtlich ihrer Arbeit und noch nötigem Handlungsbedarf.

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