Péter Márki-Zay hielt die Mehrheit seiner Wähler für einen unabhängigen Kandidaten

1. Seit letztem Sonntag wissen nun auch Márki-Zays Wähler, dass er für die Bevölkerung von Hódmezővásárhely kein großes Wunder vollbringen kann, denn er muss mit der 70prozentigen Mehrheit der Regierungspartei zusammenarbeiten. Er kann zwar das Bürgermeisteramt etwas umstrukturieren, aber die Entscheidungen der Stadträte kann er nur temporär anfechten. Márki-Zays Unterstützer standen im Endeffekt nicht wegen Hódmezővásárhely selbst hinter seinem Wahlkampf, sondern in der Hoffnung, es könnte die gesamtungarische politische Situation ändern und würde zu einem Zusammenschluss der gegnerischen Parteien führen.

2. Ungarn ist jedoch nicht Hódmezővásárhely und die Geschehnisse vor Ort kann man nicht mit der gesamtungarischen Politik gleichsetzen. (…) Auffallend ist, dass der als Marionette benutzte „unabhängige“ Kandidat bereits am Tag nach seinem Wahlsieg mit dem ex-sozialistischen Ministerpräsidentenkandidaten László Botka im Bürgermeisterbüro von Szeged die europäische Fahne schwang. Hier stellt sich natürlich die Frage: Warum tat er das nicht schon vor der Bürgermeisterwahl? Wird er demnächst mit der liberalen Meinung von Jobbik-Chef Gábor Vona übereinstimmen, mit MSZP-Chef Gyula Molnár Siebenbürgen besuchen und sich mit DK-Chef Ferenc Gyurcsány über die Moral von Lügen unterhalten?

Das Vorhaben einer, durch einen unabhängig wirkenden Kandidaten zusammengeschlossenen Opposition ist gut, aber zum Scheitern verurteilt

3. Die Vorsitzenden der fünf Parteien, die sich Plätze im Parlament sichern wollen, die Jobbik, die MSZP-Párbeszéd, die DK, die LMP und Momentum müssten sich einigen, doch das scheitert schon an den einfachsten Dingen. Siehe zum Beispiel die gegenseitige Antipathie zwischen Bernadett Szél und Gergely Karácsony, der 2012 die LMP unter recht unkorrekten Umständen verlassen hat und Gábor Vona, der sich immer noch davor sträubt, mit Ferenc Gyurcsány zusammenzuarbeiten.

Der Wunsch der Strategen nach mehr Zusammenarbeit und immer mehr untereinander aufgeteilte Wahlbezirke bergen für die einzelnen Parteivorsitzenden aber auch ein erhöhtes Risiko. Wenn sie nach alldem trotzdem die Wahlen verlieren, dann wackeln ihre Stühle.

4. Ab dem 6. März stehen den fünf oppositionellen Parteien 34 Tage zur Verfügung, die Zahl ihrer 420 Kandidaten zu minimieren. Vielleicht wird das Ende des Unterschriftensammelns noch abgewartet, weil sie hoffen, dass dadurch vielleicht doch noch die eine oder andere Partei mitbekommt, dass politische Arbeit kein Kinderspiel ist. (…) Wie viele Kandidaten die oppositionellen Parteien auch haben mögen, ab dem 6. März wird es sicher nicht leicht, dem Druck der Medien standzuhalten. (…)

Die von einem Wahlkampfsieg träumenden oppositionellen Kreise sind der Alptraum der Unterstützer der Regierungspartei

5. Falls der „große Plan“ eines Strategen mal nicht funktionieren sollte, dann wird das schnell auf die Meinungsumfragen geschoben, wie auch beim unerwarteten Ergebnis der Wahl in Hódmezővásárhely. Das Problem mit Meinungsumfragen ist meist nicht das Ergebnis, sondern dessen Interpretation. Das bezieht sich natürlich auch auf die Wahlumfragen, die momentan zeigen, dass fast sechs Millionen die Meinung der Regierungspartei zum Thema Migrationspolitik vertreten. (…) Wenn die Politik der Regierungspartei weiterhin so stark unterstützt wird, kann auf eine kleine Niederlage wieder ein landesweiter Sieg folgen.

Der hier wiedergegebene Kommentar erschien am 5. März auf dem Onlineportal der konservativen, regierungsnahen Tageszeitung Magyar Idők.

Aus dem Ungarischen von Marie-Christin Lück

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