„Wir sind hier bei den Wirtschaftsjunioren – da sind wir alle per Du“, betont der Unternehmensberater Mario Schade, Vorstandssprecher der WJU. In derart kameradschaftlicher Atmosphäre fand am 1. Februar die Mitgliederversammlung der Wirtschaftsjunioren Ungarn (WJU) in den Räumen der Deutsch-Ungarischen Industrie- und Handelskammer (DUIHK) statt. Den WJU gehören vor allem deutsche und deutsch sprechende Unternehmer, Führungskräfte und Mitarbeiter wirtschaftlicher Institutionen an. Sie treffen sich mehrmals im Jahr, um sich auszutauschen, Beziehungen aufzubauen oder einfach „ein Bierchen zu genießen“. Ebenfalls werden durch Mitgliederbeiträge bedürftige Menschen und wohltätige Organisationen in Ungarn unterstützt.

Seit 19 Jahren aktiv

Bei ihrer Jahreshauptversammlung standen für die WJU unter anderem die Wahlen eines neuen Vorstandes und die Besprechung des vergangenen sowie des nächsten Jahres an. Seit 19 Jahren gibt es die Wirtschaftsjunioren Ungarn bereits, manche der Gründungsmitglieder sind noch immer mit von der Partie. „Das ist natürlich etwas, worauf wir sehr stolz sind“, erzählt Schade. Alle Mitglieder verbinde ein reges Interesse an der Wirtschaft und daran, ihr soziales Netzwerk auszubauen. Es sei schon vorgekommen, dass Mitglieder ihre Kollegen mitbrachten und diese anschließend beigetreten seien oder auch, dass Mitglieder zu Geschäftspartnern oder Kollegen anderer Mitglieder geworden seien. Gabriel A. Brennauer, der geschäftsführende Vorstand der DUIHK, hielt als „Hausherr“ die Begrüßungsrede. In dieser betonte er, wie sehr er sich freue, den Platz für die WJU zur Verfügung zu stellen. Brennauer nutzte die Gelegenheit, um den WJU kurz den Plan der DUIHK für das Jahr 2018 vorzustellen. Unter anderem soll es im Zeichen des 25jährigen Kammerjubiläums eine Veranstaltungsreihe zum Thema „Mittel- und Osteuropa – ein starker Partner Deutschlands“ geben.

Nachhaltiges Spenden

WJU-Vorstandssprecher Mario Schade führte im Anschluss durch das Programm und berichtete zunächst über das Jahr 2017 – ein durchaus erfolgreiches Jahr für die Wirtschaftsjunioren. Aktuell bestehen die Wirtschaftsjunioren aus 50 Mitgliedern. Jedes Mitglied hat einen Mitgliedsbeitrag von 20.000 Forint im Jahr zu leisten, für U30-Mitglieder nur 10.000 Forint pro Jahr. Im Jahr 2017 waren 12 neue Mitglieder dazugekommen, die sich auf der Versammlung – falls anwesend – in kurzen Sätzen vorstellten. Unter ihnen waren zum Beispiel Dr. phil. Silvia Petzoldt, die sich besonders am Projekt mit dem Kinderschutzzentrum in Miskolc beteiligte, und Dr. Richard Zuberecz, Rechtsanwalt für Gesellschaftsrecht in Budapest. Im angebrochenen Jahr wolle man – wie schon im vergangenen Jahr – bei den Spenden auf Nachhaltigkeit setzen, sagte Michel Henss, der neue Sprecher des Spendenausschusses. Man wolle auf der sicheren Seite bleiben und trotzdem etwas wagen. Ein Teil der Spenden ging im vergangenen Jahr an den Wesley-János- Kindergarten im VIII. Bezirk in Budapest. Im Frühjahr seien dieser Einrichtung 44 Kindergartenstühle übergeben worden. Ebenfalls wurden das Kinderschutzzentrum in Miskolc, das Obdachlosenheim in Budaörs und das Altenheim Kisújszállás unterstützt. In diesem Jahr sollen diese Partnerschaften weitergeführt werden. Im vergangenen Jahr, erzählte Schade, seien neben den Spendenprojekten auch die Stammtische der WJU ein großer Bestandteil des Clublebens gewesen. Die Anzahl der Teilnehmer sei im Vergleich zu 2016 angestiegen. „Es waren auf jeden Fall immer lustige, lange Abende“, erinnert sich Schade, als er von den Erlebnissen beim Bowling, bei den Treffen in der DUIHK, in diversen Pubs, Bars, Restaurants oder auch auf dem Weihnachtsmarkt erzählt. Das jährliche Martinsgansessen gehöre ebenfalls schon zur Tradition. Ausflüge, Trainings, Musikabende und die traditionelle Kanufahrt auf der Donau seien auch sehr gut angekommen. Ein Höhepunkt der Jahreshauptversammlung war die Wahl des neuen Vorstandes. Im alten Vorstand waren Mario Schade, Christian Suttner, Peter Vettermann, Martin Neumann und Sabine Hobler.

Zwei knapp Ü30er im Vorstand

Schade und Suttner ließen sich erneut aufstellen, aber auch Jan Jansen als (ehemaliger) Spendenausschussvorsitzender sowie die zwei neuen WJU-Mitglieder, Gunda-Alexandra Detmers und Patrick Burmeier, traten zur Wahl an. Mit Abstimmung durch Handzeichen wurde der neue Vorstand „im Paket“ gewählt. „Besonders am neuen Vorstand ist, dass wir den Altersdurchschnitt erneut senken konnten“, unterstreicht Schade. Schon bei den Wahlen im Jahr 2016 habe man sich als Ziel gesetzt, neue, jüngere Mitglieder mit ins Boot zu holen, ohne dabei die älteren Mitglieder, die teils schon seit der Gründung dabei sind, aus den Augen zu verlieren.

„Dieser Spagat muss unbedingt gehalten werden, denn genau das macht die Wirtschaftsjunioren aus: Alt und Jung werden durch gemeinsame Interessen zusammengeführt“, meint Schade. Dass zwei Jahre später jedoch sogar zwei der neuen Mitglieder, Patrick Burmeier und Gunda-Alexandra Detmers, – beide nur knapp über 30 Jahre alt – mit im Vorstand sitzen würden, habe man zu dieser Zeit noch nicht erwartet. Patrick Burmeier, der aktuell im Marketingmanagement einer Veranstaltungsagentur für Junggesellenabende arbeitet, hat auch schon Pläne für seine erste Amtszeit im Vorstand: „Ich kann mir beispielsweise vorstellen, dass es für unsere Miskolcer Kids aufregender wäre, wenn man sie alle in einen Bus packen und mit ihnen zur Lego Manufactoring Kft. nach Nyíregyháza fahren würde, anstatt ihnen ‚nur‘ Stühle zu schenken.“

AUB als Anknüpfungspunkt

Ebenfalls sei es Burmeiers Ziel, sofern möglich, Vorurteile über die WJU aus dem Weg zu schaffen, die bei der jüngeren Generation vorhanden sind. „Wenn man den Begriff ‚Wirtschaftsjunioren‘ hört, denkt man sofort an schicke, etwas spießige und steife Veranstaltungen“, erzählt er, „dass das hier so locker ist, hat mich, ehrlich gesagt, überrascht, als ich das erste Mal dabei war.“ Burmeier, der früher auch in der Öffentlichkeitsarbeit der Andrássy Universität Budapest tätig war, sieht in internationalen Universitäten in Ungarn perfekte Anknüpfungspunkte für die WJU, um diesen Eindruck zu ändern – zum Beispiel durch gemeinsame Veranstaltungen. Diesen frischen Geist habe sich die WJU sehr gewünscht, so Mario Schade. Für das Jahr 2018 sind viele Dinge geplant, alles unter dem Motto: Nachhaltig spenden und trotzdem etwas wagen. Deshalb stimmten die WJU-Mitglieder für ein Spendenbudget von insgesamt einer Millionen Forint – in den letzten Jahren waren es immer zwischen 600.000 und 700.000 Forint. „Spenden kann man immer!“, ruft eines der Mitglieder während der Abstimmung rein, optimistisch, dass sie am Ende des Jahres sogar noch mehr im Topf hätten. Vor allem auf dem Land wollen die WJU noch aktiver werden, zum Beispiel durch professionelle Fußballtrainings für Kinder. Des Weiteren sind elf Stammtische in Planung, zwei Firmenbesuche – bei IBM Virtual Reality und bei Linde Gas –, sowie weitere Ausflüge, ein Holzarbeitsnachmittag, das gemeinsame Schauen der Deutschlandspiele bei der kommenden Fußball-WM und Trainingstage zum Thema Konfliktmanagement oder Coaching-Sessions mit den Alumnis der Wirtschaftsuniversität Wien (organisiert durch Paul Binder).

Weitere Informationen und Veranstaltungstermine finden Sie auf der Facebook-Seite der Wirtschaftsjunioren Ungarn unter www.facebook.com/Wirtschaftsjunioren-Ungarn-134762...

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