Die Werte- und Prinzipienbasis des Investors ging immer Hand in Hand in einer Symbiose mit seinen Markt- und Profitbestrebungen. Diese beiden Faktoren sind von Anfang an unzertrennlich an Soros’ Wirken gebunden. Dieser Dualismus war auch zugegen, als er József Antall ein Angebot machte: Er würde zusammen mit Andrew Sarlós dabei helfen, die horrende Last an ausländischen Staatsschulden in Höhe von mehr als 20 Milliarden Dollar umzuschulden, im Gegenzug würde er dafür Ansprüche auf wertvolle staatliche Unternehmen von strategischer Bedeutung erheben, die einen Teil des nationalen Vermögens bilden. Diese wären dann im Zuge der als „spontan“ bezeichneten Privatisierung in sein Eigentum übergegangen.

Soros aus Prinzip und Habgier

Jetzt, wo sich George Soros über sein ungarisches Netzwerk nun auch inhaltlich in die Entwicklung der Wahlen einmischen will, weil er erneut eine politische Wende erzwingen möchte, lohnt es sich, einmal einen Blick in die Vergangenheit zu werfen und sich die Frage zu stellen: Was war Soros’ Motivation vor dreißig Jahren bei der politischen Wende? Warum finanzierte er in der zweiten Hälfte der Achtzigerjahre die oppositionellen Kräfte, die gegen die Diktatur auftraten? Und warum förderte er das Zustandekommen der Demokratie in Ungarn und in den benachbarten Ländern? Auf diese Fragen gibt es drei mögliche Antworten: 1. Als überzeugter Demokrat unterstützte er den Auflösungsprozess der Diktaturen aus Prinzip. 2. Er suchte für seine neuen Finanztransaktionen und Investitionen unter anderem in Ungarn neue Märkte. Zum Sturz des Kommunismus verhalf er dann mit eigenen Mitteln in seiner Rolle als Utilitarist. 3. Die Wahrheit wird irgendwo in der Mitte liegen: zwischen der prinzipiellen Überzeugung und dem Wunsch nach Profiterwerb. Aber gehen wir doch von den Fakten aus!

Ein Philantrop verhilft zur Demokratie?

George Soros unterstützte tatsächlich die oppositionellen Bewegungen im mittel- und osteuropäischen Raum, und zwar nicht nur in Ungarn. 1983 gründete er seine erste Stiftung, 1984 kam dann nach einer erfolgreichen Vereinbarung zwischen ihm und der ungarischen Regierung die Soros-Stiftung zustande. Ab diesem Zeitpunkt unterstützte er die politischen Kräfte, die sich gegen das System stellten, mit Inlands- und Auslandsstipendien, Forschungsstipendien, Hunderten von Kopiergeräten und zahleichen anderen Mitteln. Diese Tätigkeiten verfolgte er selbst nach der politischen Wende.

(…) Schon damals bekannte er sich zum Gedanken der offenen Gesellschaft, der unter anderem die Vorrangigkeit des Individuums, den freien Markt und die Supranationalität betont. Das kommunistische Reich stand für das Gegenteil, deshalb zählte dessen Auflösung zu den primären Zielen von Soros. Für die Entwicklung des Kapitalismus, der Unternehmen, von Investitionen sowie des freien Marktes ist der demokratische Rechtsstaat unverzichtbar. Die Auflösung der Diktatur ist daher sowohl von der Wertebasis her als auch von Seiten des praktisch agierenden Finanzinvestors unerlässlich.

Wenn er’s nicht kriegt, soll’s keiner haben!

(…) Unter den [im ersten Absatz erwähnten wertvollen staatlichen] Unternehmen war auch die OTP, die er sich nach der Regierungsbildung unter Horn unter den Nagel reißen wollte – jedoch ohne Erfolg. Ist es insofern wirklich eine große Überraschung, wenn wir ihn schon besser kennen, dass er aus „Dankbarkeit“ 2008 bewusste Schritte setzte, um die OTP zu zerschlagen? Was wäre das für ein Geschäft gewesen und wie treffend das die Doppelidentität des George Soros symbolisiert! Eine andere Sache ist es freilich, dass der erste frei gewählte Ministerpräsident dieses Angebot für übertrieben hielt und vor dem ungarischen Volk als ein unvertretbares Geschäft betrachtete, weshalb er dieses auch ablehnte.

George Soros unterstütze also deshalb den politischen Kurswechsel in Ungarn (…) und war auch nur deshalb ein Anhänger der Demokratie, weil ihm das freie Investitionsmöglichkeiten bot, die ihm Extraprofite verhießen. Es sollte an dieser Stelle auch erwähnt werden, dass George Soros auch 1991 hinter den wilden Privatisierungen stand, durch die man das neue, freie Russland seines nationalen Vermögens beraubte. Er und seine Partner rieten dem russischen Staat und Boris Jelzin damals zu dieser Schocktherapie.

Einfluss ist sein Geschäft: SZDSZ an die Macht!

Auf der anderen Seite unterstützte George Soros die ungarischen oppositionellen Kräfte und Parteien, die den Systemwechsel anstrebten, nicht nur aus purer Langeweile. (…) Er tat alles dafür, dass 1990 der SZDSZ an die Macht kommt, der seinem neoliberalen, individualistischen, marktorientierten, staats- und vor allem nationsfeindlichen Gedankengut am nächsten stand. Gleichzeitig war er von Anfang an ein Gegner der nationalen und konservativen Parteien und Gruppierungen – in erster Linie natürlich des MDF –, die statt der offenen Gesellschaft in Ungarn lieber eine soziale Marktwirtschaft aufbauen wollten, die auf nationalen Traditionen, der nationalen Kultur sowie auf einem starken Staat beruht.

(…) Soros war sich im Klaren, dass er nicht ganz auf Nummer sicher gehen konnte, denn das MDF galt als ein unumgehbarer Faktor. Er versuchte deshalb, einen Ausgleich zwischen den beiden Parteien zu erzielen. Die Absicht dahinter war, dass dieser eventuellen großen Koalition der SZDSZ als führende Kraft voranstehen könnte, den er ja finanziell reichlich unterstützte. (…) Zoltán Bíró, damaliger Vorsitzender des MDF, erzählte schon des Öfteren, dass er im Herbst 1989 von Soros in ein Hotel zum Gespräch eingeladen wurde, wo er ihm den Vorschlag unterbreitete, sich mit dem SZDSZ zu verbünden, woraufhin Soros dann auch das MDF unterstützen werde. Das MDF wurde damals vom Westen gewaltig unter Druck gesetzt, sich mit den freien Demokraten zu verbünden, dazu kam auch noch das persönliche Angebot von Soros. Zoltán Bíró lehnte trotz allem dankend ab.

Die Machtgier als selektives Geschäft

Nachdem Soros klar wurde, dass er die größte nationale Kraft nicht zum Teil seines Planes machen konnte, wurden seine Sponsorentätigkeiten immer einseitiger und immer mehr ideologisch behaftet. Während er früher etliche, die Diktatur bekämpfende Gruppen unterstützte, erhielten nach den ersten freien Wahlen und nach der Regierungsbildung der Antall-Regierung fast nur noch die liberalen und linken Kreise um den SZDSZ eine Unterstützung von ihm.

Soros war nur denjenigen gegenüber (und auch nur solange) großzügig, die im Einklang mit dem Gedanken der offenen Gesellschaft neue Länder aufbauen wollten. Diejenigen allerdings, die an einer starken Entwicklung auf der Basis eines starken Staates, einer starken Nation und von Traditionen interessiert waren und auch die Allmacht des Marktes infragestellten, wurden ganz schnell zu seinen Gegnern. (…) Auch in der selektiven Sponsorentätigkeit erkennt man die grobe Profitorientierung von Soros. Die politische Wende war nur solange ein gutes Geschäft für ihn, wie diese nach seinen Vorstellungen über die Bühne ging. Sobald sie eine neue Wendung nahm, gab er recht schnell seine gütige Unterstützerposition auf.

Nun mischt er sich direkt in die Wahlen ein

An diesem Punkt können wir wieder ins Heute zurückkehren. Denn auch jetzt sehen wir das, was wir bereits zur politischen Wende sehen konnten, nur in einer viel dreisteren Ausprägung. George Soros tat damals nur so viel, dass er sich nach 1990 von den ihm nicht gefälligen politischen Gruppierungen abwendete, aber in einer direkten Art mischte er sich noch nicht in den Verlauf der darauf folgenden Wahlen ein (zumindest nicht nach meinen derzeitigen Kenntnissen). Heute ist er jedoch viel radikaler unterwegs: Er hält die Orbán-Regierung mittlerweile für einen Feind, der ihm bei der Realisierung seiner Welterlöser-Vorstellungen im Weg steht. Deshalb versucht er mithilfe seines Netzwerks, sich direkt in den Ausgang der Parlamentswahlen einzumischen.

Im Falle von Soros sind der Philanthrop und Weltverbesserer sowie der gnadenlose Profitgeier und Spekulant nicht voneinander zu trennen, weder 1989 noch 2018. Was ist jedoch eine Wohltätigkeit wert, die nur aufgrund der Konsequenzen seiner hemmungslosen und unmoralischen Geschäfte entsteht? Ein einziger Teufelskreis ist das.

Der hier in Auszügen wiedergegebene Kommentar erschien am 26. Januar auf dem Online-Portal der konservativen Regierungszeitung Magyar Idők.

Aus dem Ungarischen von Dávid Huszti

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