„Unserer Auffassung nach sind die Roma nicht hilflos, aber eine Minderheit, die auf die Unterstützung durch die Steuerzahler angewiesen ist. (...) Wir sprechen jedoch von ungarischen Bürgern, die hier in ihrer Heimat eine tragfähige Zukunft und Chancen haben", sagte der Premier.

Er merkte ebenfalls an, dass eine Mehrheit innerhalb der ungarischen Gesellschaft für eine lange Zeit der Meinung war, dass das Thema „Integration der Roma“ ein hoffnungsloser Fall sei. „Das heutige Treffen jedoch“, so Viktor Orbán, „zeigt, dass sich die Zeiten geändert haben: Es gibt Hoffnung – man muss nur für sie kämpfen.“

Laut der Regierung müsse man denen eine Möglichkeit geben, die danach suchen. „Wir leben erst dann in einer gerechten Welt, wenn sich jedem eine Tür zum Aufstieg öffnet“, unterstrich der Ministerpräsident. Besonders betonte er, dass man in Ungarn auf zwei Wegen aufsteigen könne: durch harte Arbeit und durch Wissenserwerb. Wenn sich beides verknüpfe, sei dies ein besonderes Glück.

„Arbeit hat auch eine charakterbildende Wirkung“

Dank der wirtschaftlichen Entwicklung der letzten Jahre sei es in Ungarn allen Menschen – die arbeiten können und dies auch wollen – möglich, eine Arbeitsstelle zu finden. Jedoch müssten die Menschen, „um ihren Willen zu arbeiten aufrechtzuerhalten, einen Sinn in ihrer Arbeit erkennen können“, betonte der Regierungschef, nach dessen Meinung Arbeit auch eine charakterbildende Wirkung habe, das Selbstwertgefühl wiederherstelle und ein nützliches und erfülltes Leben garantiere.

Bezüglich des Lernens erinnerte er an die Anfänge des Netzwerkes Christlicher Roma-Fachkollegien im Jahr 2011, die von der Absicht geleitet wurden, die soziale Inklusion zu fördern. Mehr als 90 Prozent der Absolventen der Fachkollegien hätten einen Arbeitsplatz, betonte er und wies an dieser Stelle auf die stetige Verbesserung des Bildungsniveaus innerhalb der Roma-Bevölkerung hin.

Der Regierungschef sagte zu, die Fortführung des Programms auch weiterhin zu garantieren. Der diesjährige Haushalt werde zu diesem Zweck weitere 140 Millionen Forint zur Verfügung stellen, im nächsten Jahr werden voraussichtlich sogar 550 Millionen Forint bereitgestellt.

„Nichts Vielversprechenderes“

An die zukünftigen jungen Roma-Führungskräfte gewandt, merkte Orbán weiterhin an, dass unter den derzeitigen Führungskräften des Landes viele Studenten einer Fachhochschule waren, etwa der Staatspräsident János Áder, Ungarns Minister für Nationalwirtschaft Mihály Varga, der Minister für nationale Entwicklung, Miklós Seszták, zahlreiche Abgeordnete und auch der Ministerpräsident selbst. „Ich kann ihnen nichts Vielversprechenderes sagen als das", fügte er hinzu.

In seiner Rede würdigte er mehrere staatliche Maßnahmen, etwa die obligatorische Krankenpflege ab dem dritten Lebensjahr, die breite Palette kostenloser Kinderbetreuungsangebote und die Bereitstellung von kostenlosen Lehrbüchern. Er betonte, dass es einen Durchbruch in der Kindergartenausbildung gegeben habe, dadurch steige nun die Chancengleichheit. Jetzt habe jeder die Möglichkeit, eine Karriere zu beginnen. „Ungarn ist das einzige europäische Land, in dem Kinder ab einem Alter von drei Jahren in den Kindergarten gehen müssen“, fügte der Minister hinzu.

Gemeinsam und getrennt voran

Zoltán Balog, Minister für Humanressourcen, der bei dem Treffen ebenfalls eine Rede hielt, wies darauf hin, dass ein Land nur dann dauerhaft gestärkt werden könne, wenn seine Bürger sich sowohl gemeinsam als auch getrennt voneinander nach vorn bewegen könnten. Im Falle der ungarischen Roma hätten sich in den letzten Jahrzehnten auf diesem Gebiet große Defizite angesammelt: „Es hat an Ehrlichkeit und am Willen gefehlt", sagte Balog.

Gleichzeitig wies er darauf hin, dass die Christliche Allianz 2011 das Netzwerk Christlicher Roma-Fachkollegien gründen konnte. Als Erfolg betrachte er zudem, dass sich die Zahl der Roma-Studenten in den letzten drei Jahren verdoppelt hätte.

„Die ungarische Roma-Frage ist zu wichtig, als dass wir sie den Roma komplett allein überlassen könnten“, betonte Zoltán Balog. „Und die ungarische Roma-Frage ist ebenfalls zu wichtig, als dass wir die ungarischen Roma aus dieser Frage ausschließen dürften. Nur zusammen können wir einen Schritt nach vorn machen.“

Nachdem sich einige Roma-Studenten den Anwesenden detaillierter vorgestellt hatten, würdigten und segneten die Oberhäupter der christlichen Kirchen die Veranstaltungsteilnehmer – unter ihnen auch Ursula Männle, die Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung – mit Gebeten.

Das Netzwerk der Christlichen Roma-Fachkollegien in Debrecen ist – wie man auf seiner Website nachlesen kann – ein Netzwerk unabhängiger christlicher Roma-Schulen. Die Fachhochschulen werden von den christlichen Kirchen unterhalten und nach unabhängigen organisatorischen und operativen Regeln geführt, verfügen über Studienprogramme und ein eigenes Lehrpersonal. Ihr Ziel ist es, christliche Intellektuelle und Roma-Akademiker auszubilden, die später nicht nur in ihrem professionellen Feld durch Spitzenleistungen glänzen, sondern dabei auch eine Offenheit gegenüber ihrer Roma-Identität bewahren sollen

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