TV-Kabarett zum Fremdschämen

Wer diese Show sah, dem wurde ein nicht alltägliches Erlebnis zuteil. (…) Ich dachte zuerst, (…) dass irrtümlich die Dreharbeiten für ein Silvester-Kabarett auf Sendung gegangen waren. Olga Kálmán sagte plötzlich zum Jobbik-Vorsitzenden: „Richten sie doch ein paar Worte an Viktor Orbán, als ob ich gar nicht hier wäre!“

Daraufhin blickte Gábor Vona in die Kamera und sprach den Regierungschef duzend an, bezeichnete ihn als korrupten Erpresser und drohte ihm, dass er und seine Partei keine Angst vor ihm hätten, jedoch Viktor Orbán auf der Hut sein solle, da sie ihn 2018 nur so wegfegen würden. Nach diesem Monolog drehte er sich wieder zurück und setzte das nette Geplauder mit der Moderatorin fort. Und ich wusste gar nicht mehr, wo ich vor lauter Fremdschämen noch hinschauen sollte. (…)

Der sich als professionell bezeichnende Sender und seine mit einer fetten Promi-Gage ausgestattete Mitarbeiterin erreichten hier gemeinsam einen fachlichen Tiefpunkt. Wir sollten sie aber niemals unterschätzen, vielleicht kann man ja noch tiefer sinken. (…)

Vom talentierten Politiker zum lumpigen Staubsaugervertreter

Gábor Vona wurde vom rechten Lager vor zwei-drei Jahren noch für einen talentierten Politiker gehalten, heute allerdings erinnert er immer mehr an einen Staubsaugervertreter, für den keinerlei Prinzipien oder Werte mehr zählen und der sich nur noch auf das eine fokussiert, nämlich wie er sich und sein Produkt, also die Partei, deren Seele er geraubt hat, am besten verkaufen kann. (…) Er selbst versank in der als Vervolksparteilichungsprozess bezeichneten Gesinnungslumperei immer tiefer. (…) Er verriet die Jobbik und ihren Geist. (…)

Die immer peinlicheren Auftritte des Parteichefs und die sichtliche Ohnmacht der Jobbik widerspiegeln, dass es ihnen an einem Thinktank beziehungsweise einem schlagkräftigen Beratungsteam mangelt. Ihre einzig konkrete und markante Botschaft ist, dass man Viktor Orbán wegfegen müsse. Die Orbán-Phobie wurde gänzlich Herr über Gábor Vona. Er spricht im Parlament und in den Medien über nichts Anderes mehr. Das ist ein klares Zeichen von Angst. (…)

Vorbeireden hilft nichts, Gesetze gelten auch für die Jobbik

Er könnte allerdings gerne vor der Öffentlichkeit Rechenschaft darüber ablegen, aus welchen Mitteln sie ihre Plakatkampagnen finanziert haben, wieviel Geld sie von Béla Kovács erhielten und an welche befreundeten Firmen die staatlichen Förderungen der Partei flossen. Während sie eine Hysterie zu entfachen versuchen und die Bußgeldzahlung des Staatlichen Rechnungshofes als politischen Angriff interpretieren, ist die Sachlage eigentlich sehr klar: Man muss den Preis für die mehreren Tausend Parteiwerbungen bezahlen. Es ist unverständlich, warum Gábor Vona und seine Partei denken, dass das Parteifinanzierungsgesetz gerade für sie nicht gelten würde.

Jetzt schnorren sie die Staatsbürger an und möchte ihre früheren Kampagnen nachträglich von ihnen finanzieren lassen. So wäre auch ihre anständige und ehrenhafte Regierungsarbeit, die sie für die Zeit nach 2018 versprechen. (…) Anstatt der gemeinsamen Werte bleibt nur noch eines, was sie alle von Vona bis Gyurcsány vereint: ein unermesslicher Orbán-Hass.

Viele der enttäuschten Jobbik-Wähler sagen es mittlerweile schon ganz offen: Es gibt keine andere Alternative mehr, nur noch den Fidesz.


Der hier in Auszügen wiedergegebene Kommentar erschien am 9. Dezember auf dem Online-Portal der konservativen Regierungszeitung Magyar Idők.

Aus dem Ungarischen von Dávid Huszti

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