Varga zufolge sinkt seit acht Jahren die Staatsverschuldung, die Zinsausgaben werden voraussichtlich im kommenden Jahr unter 2% des BIP fallen. ÁKK-Generaldirektor György Barcza (r.) sagte, die 2018 ablaufende Fremdwährungsverschuldung betrage 2,3 Mrd. Euro. Diese liegt damit weit über der vorgesehenen Anleihebegebung von 1 Mrd. Euro im Ausland. Somit sinkt der Fremdwährungsanteil des Staatshaushaltes weiter und könnte von 22% in diesem Jahr unter 20% Ende 2018 schrumpfen. Aufgrund der sinkenden Staatsschulden und des steigenden Anteils von Inlandsanlegern ist Ungarn nicht mehr den Schwankungen an den internationalen Geldmärkten ausgeliefert. Positiv sei zudem, dass infolge des niedrigen Zinsumfeldes die Zinsausgaben sinken. Das Ertragsniveau der ungarischen Staatspapiere befindet sich bereits unter den polnischen Erträgen und im Umfeld der tschechischen Erträge, d. h. auch im Bereich der Schuldenfinanzierung ist Ungarn in der Visegrád-Gruppe (V4) wettbewerbsfähig.

Barcza hob hervor, dass die Ertragssenkung in diesem Jahr deutlich war: Es gelang 2017 zum ersten Mal, Staatspapiere mit Negativzinsen auf den Markt zu bringen. Zwar ist 2018 ein Wahljahr, dennoch steht Ungarn bei zwei der drei großen internationalen Ratingagenturen vor einer Heraufstufung des Ratings. Die Nachfrage nach ungarischen Staatspapieren war in diesem Jahr enorm, für die Auktionen waren durchschnittlich dreifache Überzeichnungen charakteristisch. Den aktuellsten Verkaufsdaten zufolge sind bereits 90% der Anleger Privatpersonen.

Der Nettofinanzierungsbedarf beläuft sich im kommenden Jahr auf 1.361 Mrd. Forint, die Gesamttilgungen liegen bei 7.397 Mrd. Forint, somit beträgt der Bruttofinanzierungsbedarf 8.758 Mrd. Forint. In diesem Jahr wurde die Emittierung von Papieren für die ungarischen privaten Anleger auf 1.700 Mrd. Forint angehoben, um so die Vorfinanzierung der EU-Gelder zu decken. Varga informierte, dass bis zum Ende des Jahres 300-600 Mrd. Forint an EU-Geldern eingehen werden. Zu den Finanzierungsplänen 2018 gehört im Falle von günstigen Marktkonditionen die Emission einer internationalen Fremdwährungsanleihe, die Abrufung von 180 Mio. Euro aus dem Kredit zur Erweiterung des AKW Paks sowie im Rahmen des zweijährigen Renminibi-Programms die Emittierung einer weiteren Panda-Anleihe.

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