Diese Statistiken sind nur einer der Gründe, warum Dóra Kocsis sich um die Umwelt sorgt. Bei einer Weltreise 2014 konnte sie mit eigenen Augen sehen, dass der Umweltschutz in großen Teilen der Welt ein enormes Problem darstellt. Schon vor fünf Jahren hatte Dóra Kocsis nach Menschen gesucht, die so wie sie umweltfreundlicher leben wollen, und schloss sich der NGO Messzelátó (dt.: „Weitsichtig”) als ehrenamtliche Mitarbeiterin an. Seit Oktober 2015 arbeitet sie dort in Teilzeit als Programmkoordinatorin. In dieser Funktion ist sie verantwortlich für „grüne” Strategien und die Umsetzung von „Livestyle”-Projekten, um der ungarischen Gesellschaft ein freiwilliges, einfacheres und umweltfreundlicheres Leben näherzubringen. Da es nur wenige Angestellte bei der Zivilorganisation gibt, fallen aber auch andere Tätigkeiten wie Öffentlichkeitsarbeit, Mittelbeschaffung und das Erstellen von Grafiken in ihren Aufgabenbereich.

Müllvermeidung

„Einfacher Leben” heißt für Dóra Kocsis in der Praxis, Einkäufe so zu tätigen, dass man keinen oder nur wenig Abfall produziert. Dies kann man erreichen, indem man beispielsweise seinen eigenen Behälter mitnimmt und auf angebotene Tüten und andere Verpackungen verzichtet. Kocsis erklärt, dass gerade die vielen Markthallen in Budapest dafür ein guter Ort seien, aber es gebe auch in manchen Supermärkten die Möglichkeit, seine eigenen Gläser oder Plastikbehälter auffüllen zu lassen.

Eine andere tolle Sache seien Bienenwachstücher, die man entweder selber machen oder auch kaufen kann (erhältlich beispielsweise bei www.cibi.hu). Diese sind unter anderem gut für das Einwickeln von Butterbroten. Für heißes Essen oder Fleisch sind sie jedoch ungeeignet.

Dóra Kocsis gibt zu, dass die Umstellung auf umweltfreundlichere Verpackungsalternativen schon etwas länger dauere. Aber nachdem man die richtigen Händler gefunden habe, gehe es im Alltag mit Übung und Vorbereitung genauso schnell wie vor der Umstellung. Bis jetzt ist sie noch immer fündig geworden, erklärt sie, vermisse keine Produkte und ein positiver Nebeneffekt sei zudem, dass die nicht vorverpackten Lebensmittel auch gesünder seien.

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Die Workshops sind an Firmen gerichtet und können bei Dóra Kocsis gebucht werden.

Anlässlich des „Plastic Free July“ (dt.: plastikfreier Juli), einer australischen Initiative, organisierte Dóra Kocsis einen Workshop im Coworking-Büro „Impact Hub”, in dem auch sie arbeitet. Hier versuchte sie, ihre Kollegen dazu zu ermutigen, weniger Plastik wegzuwerfen. Leider gelang es ihr nicht 100-prozentig, aber es lenkte mehr Aufmerksamkeit auf das wichtige Thema Müllvermeidung. Seitdem würden die Kollegen auch öfter ihre eigenen Behälter für das Mittagessen mitbringen.

Dóra Kocsis hält Projekte wie dieses für besonders effektiv, da sie einfach und persönlich seien, und damit ein guter Einstieg. Schließlich bräuchte es dafür kein besonderes Fachwissen. Außerdem trenne man sich von Dingen, die man eigentlich nicht braucht und zu denen man auch kaum emotionale Verbindungen hat, wie etwa Plastiktüten und Einwegpappbecher.

Naturkosmetik- und Hygieneprodukte

Viel Müll fällt im Haushalt auch bei Schönheitsprodukten an, erklärt Dóra Kocsis, wobei nicht nur die Verpackungen kritisch zu betrachten sind, sondern auch die hochkomplexen synthetischen Inhaltsstoffe, die die meisten weder kennen noch aussprechen können. Die Organisation Messzelátó bietet daher einen Workshop zum Thema „Eco Beauty Bag“ an. Hier lernt man, seine eigene Naturkosmetik selbst herzustellen. So weiß man hinterher genau, was in seiner Gesichtscreme drin ist.

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Selbstgemachte Naturkosmetika. (Fotos: Messzelátó)

Aber keine Angst, wie Dóra Kocsis uns versichert, müsse man dafür kein Chemiker sein. Im Grunde genommen braucht eine normale Tagescreme gar nicht viele Inhaltsstoffe. Die meisten dafür finden sich meist sogar in der eigenen Küche. Idealerweise sollte man naturbelassene Rohstoffe in Bio-Qualität und ohne synthetische Konservierungsmittel bevorzugen, weshalb man sauber arbeiten und die Naturkosmetika im Kühlschrank aufbewahren muss, um die Haltbarkeit zu steigern. Die hausgemachten Produkte haben zudem den Vorteil, dass sie auf Grund der natürlichen Inhaltsstoffe seltener Allergien auslösen.

Doch so oder so, mit dem Rezept müsse man etwas rumspielen, um seine persönliche Mischung zu finden, erzählt Dóra Kocsis. Ihre Lieblingszutaten für Schönheitsprodukte sind Natron, auch bekannt als Speisesoda, Backsoda, Backpulver, aber auch Speisenatron und Essig, weil sie vielseitig anwendbar sind – egal ob nun als Shampoo oder zum Putzen. Kocsis erzählt, es hätte zwar etwas gedauert die richtige Mischung zu finden – nach ihrem ersten Versuch hätten ihre Haare beispielsweise nach eingemachten Gurken gerochen und sie musste die Rezeptur etwas anpassen –, aber es habe sich gelohnt. Man müsse dem Körper, warnt Kocsis, zunächst aber auch etwas Zeit geben, um sich an die Umstellung zu gewöhnen. Es würde sich daher anbieten, im Urlaub auf die neue Form der Körperhygiene umzusteigen.

Ein anderer Bereich des alltäglichen Lebens, über den sich Dóra Kocsis Gedanken macht, ist die Frauenhygiene. Binden und Tampons würden sich in Ungarn jährlich zu 11.000 bis 16.000 Stücken nicht abbaubarem Müll aufsummieren. Man stelle sich das Szenario in Ländern ohne Müllabfuhr vor. Als Alternative, erklärt Kocsis, gebe es wiederverwertbare Binden aus Baumwolle und Menstruationskappen, die beispielsweise beim Onlineversandhaus Emilla (http://emilla.me/) erhältlich seien.

Müllfreies Reisen

Da Reisen eine große Rolle in Dóra Kocsis’ Transformation spielte, aber nicht das umweltfreundlichste Hobby ist, entschied sie sich, gemeinsam mit ihrem Mann, zu überprüfen, ob es auch möglich sei, umweltschonend und ohne Müll zu produzieren, auf Tour zu gehen. Statt mit dem Flugzeug reisten sie per Bus, Zug oder fuhren per Anhalter nach Montenegro und Georgien. In zehn Tagen kamen sie dabei auf gerade einmal 45 Gramm Abfall. Sie machten eigene Snacks, nahmen eigene Wasserflaschen mit und filterten das Wasser falls notwendig. Auf ihrem Blog „Talpalatnyi Történetek“ geben die beiden Tipps für Anfänger, Fortgeschrittene und extreme Müllvermeider.

Das nächste große Projekt für die Zivilorganisation Messzelátó ist das Budapester Frühlingsfestival „Simply Living” mit dem Thema „Minimalismus” und „freiwilliger Verzicht”. Im Vorfeld der Veranstaltung wird es Gesprächsrunden geben, die jedoch auf Ungarisch sein werden. Zum Aufwärmen kann man sich im November zum Thema „Objekte”, im Januar zum Thema „Zeit” und im Februar zum Thema „Geld” informieren.

Weitere Informationen finden Sie unter www.messzelato.hu

Dóras “Zero Waste Travelling Blog”

https://talpalatnyitortenetek.hu/2017/10/20/zero-w...


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Apps helfen durch den Chemie-Wirrwarr

  • ToxFox: die App vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. gibt Auskunft über mehr als 80.000 Körperpflegeprodukte
  • haut.de: Hinter dieser App stehen unter anderem der Deutsche Allergie- und Asthmabund sowie der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel.
  • Codecheck: Zeigt, ob sich Palmöl, Mikroplastik, Nanopartikel, Parabene oder Paraffine in einem Produkt verstecken.
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