Die traditionelle Konjunkturumfrage der Deutsch-Ungarischen Industrie- und Handelskammer (DUIHK) findet im Frühling statt. Wer nun glaubt, deren Ergebnisse seien zu einem Gutteil der sprießenden Natur zuzuschreiben, der sollte sich die jüngsten Daten anschauen: Die Kammer erhob in einer Kurzumfrage die wichtigsten Daten erstmals auch im tristen Herbst und durfte doch eine weiter verbesserte Stimmung konstatieren.

Stimmungsrekorde selbst im Herbst

Hatten im Frühjahr 55 Prozent der beteiligten Unternehmen ihre gegenwärtige geschäftliche Lage als gut bewertet, sind es nunmehr 68 Prozent. Der Anteil von Unternehmen, die das Prädikat „befriedigend“ vergaben, sank von 38 auf 29 Prozent. Von einer schlechten Geschäftslage sprechen aktuell noch 3 Prozent der Befragten, gegenüber 7 Prozent im Frühling.

Nicht ganz so schwungvoll haben sich die Erwartungen verbessert; schließlich haftet diesen zu jeder Zeit eine gewisse Unsicherheit an. Für die kommenden zwölf Monate erwarten nun 52 Prozent der Unternehmen eine bessere geschäftliche Entwicklung – gemessen an 46 Prozent vom Frühjahr. Ging vor einem halben Jahr mit 48 Prozent noch eine relative Mehrheit der von der Kammer befragten Unternehmen von einer gleichbleibenden Geschäftsentwicklung aus, fiel dieser Anteil aktuell auf 44 Prozent zurück. Schlechtere Aussichten gaben noch vier statt sechs Prozent der Unternehmen an.

Seit 2005 führt die DUIHK ihre Konjunkturumfrage durch – noch nie hat es bessere Werte gegeben! Das traf bereits für die im Frühjahr getroffenen Aussagen zu, bevor im Herbst in beiden Fragen neue Stimmungsrekorde markiert werden konnten. Selbstverständlich liege der Zusammenhang der von den befragten Unternehmen bescheinigten guten Stimmung mit der günstigen Konjunkturlage hierzulande ebenso wie beim wichtigsten Wirtschaftspartner Deutschland auf der Hand, schreibt die Kammer in ihrer Presseaussendung.

Deshalb brachte auch die Frage nach der mittelfristigen konjunkturellen Entwicklung in Ungarn bessere Umfragewerte: Beurteilte im Frühjahr noch jedes zehnte Unternehmen diese Aussichten schlechter, als die aktuell gegebene Konjunkturlage, ist der Anteil der Skeptiker seither auf drei Prozent geschrumpft. Allerdings bewahren sich die deutschen Unternehmen eine gesunde Prise Skepsis, denn dass sich die Konjunktur mittelfristig besser entwickeln wird, glauben auch weiterhin nur 35 Prozent. Eine große Mehrheit von nunmehr 62 Prozent (Frühjahr: 55 Prozent) geht von gleichbleibenden Aussichten aus.

Aufgestockte Investitionsbudgets

Die DUIHK präsentiert in diesem Kontext Prognosen von Wirtschaftsforschern, die im Mittelwert ein robustes Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent für das laufende sowie einen ähnlichen Zuwachs für das kommende Jahr voraussagen. Diese Erwartungshaltung wird vom Stab der Ungarischen Nationalbank (MNB) geteilt, der für 2017 ein Wachstum von 3,6 Prozent nebst 3,7 Prozent für 2018 erwartet. Die Prognose der Europäischen Kommission unterscheidet sich nur in Hinsicht auf das nächste Jahr, in dem sie für Ungarn mit 3,5 Prozent Wachstum rechnet. Dass der konjunkturelle Aufschwung also keine Fortsetzung erfahren soll, glaubt aber nicht einmal mehr der Internationale Währungsfonds (IWF), der seine gewohnt konservative Wachstumsprognose im Herbst auf 3,2 Prozent für dieses und 3,4 Prozent für das kommende Jahr angehoben hat. Die Experten vom IWF gelten aber auch mit diesen Zahlen unverändert als Schwarzmaler, im Gegensatz zum großen Optimismus der ungarischen Regierung, die für 2017 mit 4,1 Prozent rechnet, welche 2018 sogar mit 4,3 Prozent getoppt werden sollen.

Der strategische Wirtschaftspartner Deutschland dürfte in beiden Jahren ungefähr um zwei Prozent wachsen – mit dieser Zahl können die Unternehmen der stärksten Wirtschaftsmacht Europas gut leben. Strukturell setzen beide Länder sehr ähnlich auf steigende Investitionen, ein starkes Exportgeschäft und eine kräftige private Nachfrage als die wichtigsten Triebkräfte, ist die DUIHK überzeugt. Wo sich Unternehmen auf eine wachsende Nachfrage einstellen, wird mehr investiert, sowohl in Maschinen und Ausrüstungen, als auch in Personal.

Laut aktueller Umfrage der DUIHK gehen 56 Prozent der deutschen Unternehmen in Ungarn von einem höheren Investitionsbudget für die kommenden zwölf Monate aus – im Frühjahr waren es erst 40 Prozent. Da lag die Antwort „unveränderte Ausgaben für Investitionen“ mit 41 Prozent sogar noch knapp in Führung, deren Anteil binnen eines halben Jahres auf 32 Prozent zurückfiel. Und während im Frühling noch beinahe jedes fünfte befragte Unternehmen bei den Investitionen auf die Bremse treten wollte, sind im Herbst ganze zwölf Prozent verblieben, die weniger oder gar kein Geld für Investitionszwecke bereitzustellen beabsichtigen.

Verbesserte Ausbildung unabdingbar

Noch beeindruckender stellt sich die Aussage der Unternehmen zur erwarteten Personalentwicklung dar. Im Frühjahr hielten sich die Antworten „mehr Beschäftigte“ oder „unveränderte Beschäftigung“ mit 45 zu 44 Prozent die Waage – das Beinah-Unentschieden entsprach den Investitionsplänen. Im Herbst wollen dagegen 61 Prozent mehr Personal einstellen. Nur noch 37 Prozent gehen von Stagnation aus, während mit Stellenabbau vor dem Winter ganze zwei Prozent der Befragten rechnen, wo es doch vor dem Sommer noch elf Prozent waren! Was Wunder, dass die Kammer noch nie zuvor dermaßen hohe Werte bei ihren Fragen zu Investitionen und Personalentwicklung messen konnte.

Doch rückt diese Bereitschaft gesteigerter Geschäftsaktivitäten ein enormes Risiko in den Vordergrund: Der Mangel an Fachkräften wird mittlerweile durch drei von vier befragten Unternehmen als eines der Hauptrisiken für die kommenden zwölf Monate benannt. Knapp die Hälfte (47 Prozent) sieht daneben die Entwicklung der Lohnkosten kritisch, immerhin noch 35 Prozent melden Bedenken wegen der Nachfrage an, jedes vierte Unternehmen zeigt Skepsis in Sachen wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen und Rechtssicherheit.

Die DUIHK sieht diese Aussagen als klaren Beleg, dass die weitere Verbesserung der Ausbildung in Ungarn eine unverzichtbare Voraussetzung für eine langfristig erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung des Landes ist. In diesem Sinne wird die Kammer selbst seit langem aktiv, indem sie intensiv die Bemühungen der Regierung um den Aufbau eines leistungsfähigen Systems der Berufsausbildung unterstützt.

Gefahrenquelle Lohnzuwachs

Was die Lohnentwicklung anbelangt, kann die DUIHK die Zuversicht der Regierung nicht teilen. Die Sorge der Unternehmen sei verständlich, denn in den ersten drei Quartalen legten die Bruttoverdienste in der Privatwirtschaft um über elf Prozent zu. Sollten derartige Zuwachsraten anhalten, könnte dies vielen Unternehmen – selbst unter Berücksichtigung der parallel vorgenommenen Entlastungen bei den Sozialabgaben – bald ernste Sorgen bereiten. Genau das aber glaubt die ungarische Wirtschaftsführung nicht, die in größter Übereinstimmung mit den Gewerkschaften einen Zuwachs der Reallöhne von 40 Prozent bis 2022 als realistisch ansieht. Demnach wird den Unternehmen also zugetraut, die Löhne auch in den folgenden Jahren jeweils um 6-8 Prozent über der Inflation anzuheben.

Wenigstens stehen die deutschen Unternehmen in Ungarn mit ihren Sorgen nicht allein. Bei der jüngsten Konjunkturumfrage des DIHK in Deutschland wurden der Mangel an Arbeitskräften, gefolgt von der Entwicklung der Arbeitskosten, als größte Risiken für die eigene Geschäftsentwicklung angesehen. An dritter Stelle rangiert in deutschen Landen die Sorge um steigende Energie- und Rohstoffpreise – diese wurde in Ungarn nur von elf Prozent der Unternehmen benannt.

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