Lohnwende bereits eingetreten

Viele kritisieren die Regierung dafür, dass sie das Land nach wie vor in ein einziges Montagewerk verwandeln möchte, welches sie mit einem niedrigen Lohnniveau für ausländische Investoren attraktiv machen will. Schön langsam kann man allerdings sagen, dass diese Behauptungen nicht mehr zeitgemäß sind. Wir schrieben schon öfters zu diesem Thema, aber auch die Statistiken belegen, dass im Bereich der Löhne bereits eine Wende eingetreten ist.

Dies wirkt sich auf jede Branche aus – auf die einen in einem größeren Ausmaß, auf die anderen in einem geringeren. Es ist jedoch eine unumstrittene Tatsache, dass die Regierung den Lohnerhöhungen einen deutlichen Schwung verliehen hat. Dies ist nicht nur im unternehmerischen Umfeld spürbar, sondern auch im Gesundheitswesen, wo die Zahl der Abwanderungen ebenfalls deutlich abgenommen hat.

Abwanderungen auf Rekordtief

Hier lohnt es sich auch, einen Blick auf die Zahlen der UNO zu werfen. Aus diesen wird ersichtlich, dass etwa sechs Prozent der ungarischen Bevölkerung aus Ungarn ins Ausland zum Arbeiten oder Studieren ausgewandert sind. Zwar will die Opposition mit Vorliebe düstere Bilder heraufbeschwören, wonach die Arbeit der Regierung die Staatsbürger ins Ausland vertreiben würde, aber das ist schlicht und ergreifend falsch.

In anderen Ländern gibt es eine viel stärkere Abwanderung: Der erwähnte Wert liegt in Kroatien bei etwa 20, in Rumänien bei 17, in Bulgarien bei 16, in Polen bei 11,5 und in der Slowakei bei 6,3 Prozent. Hier bilden sogar die entwickelteren Staaten keine Ausnahme: in Österreich suchen 6,7 Prozent, in Großbritannien 7,6 Prozent und in Portugal sogar 22 Prozent der Bevölkerung ihr Glück im Ausland. Es sei nur angemerkt, dass Ungarn unter anderem auch deswegen der EU beigetreten ist, damit sich ihre Arbeitsnehmer frei zwischen den Mitgliedsstaaten bewegen können.

Zukunftskapital Fachkräfte und Ingenieure; Irinyi II für die Stärkung der KMUs

Und dann blieben noch ein paar Worte zu den Montagewerken. Einerseits ist es wenig zielführend, auf jene ausgebildeten Fachkräfte von oben herabzuschauen, die in den ungarischen Autowerken diese Art von Arbeit verrichten. Ihre Expertise unterscheidet sich in keiner Weise von jener ihrer westeuropäischen Kollegen. Man müsste sie vielmehr wertschätzen. Andererseits wurden in Ungarn immer mehr Investitionen getätigt, die ihren Schwerpunkt auf Innovation und Forschung haben. Und dazu sind Ingenieure notwendig. Nehmen wir etwa das Bosch-Entwicklungszentrum in Budapest, wo man auf das Wissen von tausenden Ingenieuren zurückgreift.

Auch die Regierung hat erkannt, dass sich die ungarische Industrie auf die digitale Revolution einstellen muss. Genau deshalb begann sie unter anderem mit dem Bau einer Teststadt neben Zalaegerszeg, wo für die Entwicklung von selbstfahrenden Autos bald Rahmenbedingungen auf Weltniveau geboten werden. Erwähnenswert ist hier aber auch der neu ins Leben gerufene Risikokapitalfonds Irinyi II, der ausdrücklich für KMUs eine Unterstützung bei der Digitalisierung ihrer Tätigkeiten bieten möchte.

Neue Isozuckerfabrik als BIP-Booster

Ebenso gelten auch solche Investitionen als Meilensteine, durch die wir die Grundstoff-Exporte durch hochverarbeitete Produkte mit einem bedeutenden Mehrwert ablösen können. Eine der größten Entwicklungen in diesem Bereich erfolgte mit der Übergabe der Isozuckerfabrik in Tiszapüspöki zwischen Budapest und Debrecen, die auch im europäischen Vergleich als bedeutend gilt. Den Kalkulationen zufolge wird das ungarische BIP allein durch diese Fabrik um etwa 185 Milliarden Forint [knapp um 595 Millionen Euro] wachsen.

Es wurden Veränderungen eingeleitet, die ein langfristiges Aufschließen auch in jenen Zeiten garantieren werden, in denen die Unternehmen mit weniger EU-Förderungen rechnen können.

Der Paradigmenwechsel wurde also eingeleitet. Es wäre auch für die linksliberalen Fachleute ratsam, mit den Veränderungen Schritt zu halten und einzusehen: Sie irren sich (und ich schreibe hier jetzt bewusst nicht „lügen“), wenn sie den Teufel eines bevorstehenden Desasters an die Wand malen. Es steht ihnen natürlich frei, dies auch weiterhin so zu praktizieren, doch der Zug der Realität wird sehr rasch an ihnen vorbeisausen.

Der hier wiedergegebene Kommentar erschien am 3. November auf dem Online-Portal der konservativen Regierungszeitung Magyar Idők.

Aus dem Ungarischen von Dávid Huszti

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