Wie sieht ein Baby im fünften Schwangerschaftsmonat aus? Warum fällt ein Ball auf den Boden, wenn man ihn fallen lässt? Wie funktionieren Magneten? Und was um alles in der Welt ist eine Lauge? Auf diese und viele weitere Fragen gibt der Budapester Palast der Wunder (ung.: Csodák Palotája, kurz CsoPa) Antworten. Auf rund 5.000 Quadratmetern und zwei Stockwerken werden Naturwissenschaften anhand zahlreicher anschaulicher Beispiele nahegebracht. Dabei geht es jedoch nicht nur darum, Ausstellungsobjekte anzusehen und Infotafeln zu lesen, sondern vor allem darum, Biologie, Physik und Chemie auf spielerische Weise zu erleben. Mehr als 250 interaktive Ausstellungselemente machen dies möglich.

Seit 1993 gibt es den CsoPa bereits. Seit der Gründung wechselte das Museum jedoch schon des Öfteren den Standpunkt. Bis 2012 hatte es seinen Sitz im Millenáris Park in Budapest. Danach zog es in Räumlichkeiten im Campona-Einkaufszentrum um. Seit September ist der CsoPa mit all seinen Attraktionen auf der Bécsi út in Óbuda anzutreffen.

Alt und Neu

Außer dem Gebäude hat sich aber auch einiges an der Ausstellung des CsoPa verändert, so gibt es am neuen Standort noch mehr interaktive Spiele. Ein Beispiel dafür erwartet Besucher gleich zu Beginn: An der ersten Station der Ausstellung „Die Welt der Natur“ können Groß und Klein nicht etwas nur über verschiedene Tier- und Pflanzenarten lernen, sondern auch die menschlichen Sinne besser kennenlernen.

#

Menschliche Organe im XXL-Format ermöglichen es, zu ertasten, zu erschnüffeln, zu erschmecken, zu sehen und zu hören, wie die Sinne funktionieren und sich auswirken. Doch auch Spiele des „alten“ Wunderpalasts sind weiterhin Teil der Ausstellung, zum Beispiel der „Fliegende Ball“, bei dem ein Wasserball ohne ersichtlichen Halt in der Luft schwebt. Ein von unten kommender Luftstrom hält ihn in dieser Position.

Der „Raum der Geburt“, der erst ab zwölf Jahren zugänglich ist, wird von Biologie-Klassen oft für den Aufklärungsunterricht genutzt: Hier werden die körperlichen Vorgänge bei der Fortpflanzung und der Schwangerschaft lebendig und anschaulich vorgestellt. Anhand eines mit insgesamt zwölf Kilo Gewichten beschwerten Umhangs, den Besucher sich umschnallen können, lässt sich erfahren, wie es sich ungefähr anfühlt, hochschwanger zu sein. Auch Brustkrebs, Verhütung und die DNA werden erklärt. Den Schülern ermöglicht der spielerische Umgang, offen Fragen zu stellen und scheinbare „Tabuthemen“ anzusprechen.

Nicht nur Biologie, sondern auch Physik wird im Csodák Palotája spannend erklärt: Eine Weltraumstation, in der man die Planeten kennenlernt und einen entlaufenen Außerirdischen auf spielerische Weise retten muss, aber auch Logikpuzzles oder Stationen wie der Raum der Magneten erklären physikalische Prinzipien wie Magnetismus, Gravitation oder die Zentrifugalkraft.

Selfie mit Isaac Newton

Doch auch berühmte Wissenschaftler werden in der Ausstellung vorgestellt: Ein Raum voller lebensgroßer Pappfiguren, der bereits am Anfang des Rundganges zu finden ist und zum Beispiel Marie Curie, die Entdeckerin der Radioaktivität zeigt, lässt die Lebensgeschichten großer Geister lebendig werden. Auch Sir Isaac Newton, Verfasser des Gravitationsgesetzes, ist in Lebensgröße anzutreffen, allerdings nicht als Pappkamerad, sondern in Form einer soliden Statue. In einem eigenen Raum, genannt „Newtons Erlebniswelt“, ist das Abbild des Naturphilosophen und Physikers – natürlich auf einer Wiese unter dem berühmten Apfelbaum sitzend – ausgestellt. In diesem Raum kann man zudem am eigenen Leib erfahren, wie die Schwerkraft funktioniert, indem man sich selbst an einem Seil hochzieht.

#

Ein weiterer Höhepunkt für Besucher des CsoPa ist der Raum der Illusionen, in dem man sich optischen Täuschungen aussetzen kann und so verstehen lernt, wie sie unser Gehirn austricksen. Besonders beliebt ist jedoch auch der XXL-Tischkicker für bis zu zehn Spieler, ein Live-Ticker, der sowohl die aktuelle Bevölkerungszahl des Landes als auch der Welt anzeigt, diverse Escape Room Games, sowie ein Kino, das über die Grenzen normaler 2- oder 3-D-Filmvorführungen hinausgeht und den Zuschauer sogar 5-D beziehungsweise 9-D erleben lässt.

Auch das Themenfeld Chemie wird nahegebracht. In „Gedeon Richters Labor“ (Richter gilt als Begründer der modernen ungarischen Pharmaindustrie) können Besucher beispielsweise unter Anleitung herumexperimentieren. Orientiert wird sich hier als auch im „Öveges-Raum“ am Lehrer József Öveges, der in den 50er- und 60er-Jahren in Ungarn als Lehrer tätig war und dafür berühmt geworden ist, dass er seinen Schülern die Prinzipien der Chemie anhand von spannenden Experimenten vorführte und den Unterricht so deutlich spannender gestaltete. Dies ist auch das Ziel des CsoPa.

Csodák Palotája für jedermann

Andrea Serfőző, die PR- und Bildungsmarketing-Managerin des CsoPa, erzählt: „Wir sind stolz darauf, dass sich die Zielgruppe des Csodák Palotája aus unterschiedlichsten demografischen Schichten zusammensetzt.“ Tatsächlich sind die Spiele sowohl für die Kleinsten als auch für Erwachsene und Senioren interessant – Paare, Familien, Schulklassen würden sich hier gleichermaßen angesprochen fühlen. Für Kleinkinder gibt es zudem eine spezielle Route, die „Csipet CsoPa-útvonal“ (dt.: „Eine Prise des Palasts der Wunder“), die sie ablaufen können und auf der Experimente und Spiele vorgestellt werden, die ihrem Kenntnisstand angepasst sind.

Unterstützt und finanziert wird die Csodák Palotája Nonprofit Kft. von Partnern wie der Loránd-Eötvös-Gesellschaft für Physik, der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, der Internationalen Businessschule Budapest (IBS) sowie vom Budapester Verkehrszentrum (BKK).

#

Neben der Ausstellung bietet der Palast der Wunder unter der Woche auch abendliche Programme an: Das CsoPa-Café, der Science-Pub und angeleitete Experimente im Labor des CsoPa sind laut Serfőző bei allen Altersgruppen sehr beliebt. Die CsoPa-Playbar sei ebenfalls täglich geöffnet und biete abends auch alkoholische Getränke an, sodass es möglich sei, sich hier mit Freunden auf einen Cocktail zu treffen und sich über die Wissenschaft oder eben Gott und die Welt zu unterhalten.

Zukunft des Palastes

Bisher verzeichnete der CsoPa durchschnittlich 200.000 Besucher pro Jahr. Laut Andrea Serfőző hofft das Museum aber, mit dem Standortwechsel und dem wachsenden Angebot noch mehr Besucher anziehen zu können. Das Angebot im Palast der Wunder werde auch weiterhin stetig wachsen. Ein großes Team aus rund 70 Mitarbeitern und Wissenschaftlern ist dafür zuständig, sich immer neue Experimente und Knobelspiele auszudenken. Bereits für die nahe Zukunft seien neue Spiele und Attraktionen zu erwarten – doch auch schon jetzt ist der CsoPa einen Besuch wert.

Ein kleiner Tipp: Für den Besuch des interaktiven Wissenschaftsmuseums sollten mindestens zwei Stunden eingeplant werden – so bleibt genug Zeit, um die Exponate ganz in Ruhe zu testen und sein Wissen über die Welt um uns herum zu erweitern.

Eintrittspreise und weitere Informationen finden Sie unter www.csopa.hu

Konversation

ÄHNLICHE BEITRÄGE
Mein Budapest: Kempinski-Küchendirektor Roland Holzer

Koch mit Leib und Seele

Geschrieben von Katja Kiwitter

Der Österreicher Roland Holzer ist seit zehn Jahren Küchendirektor im Kempinski Hotel Corvinus…

Bewegung „Gemeinsames Land” beginnt zivilen Ungehorsam

Mit Meinungsumfragen Kooperation erzwingen

Geschrieben von Elisabeth Katalin Grabow

Die ungarische Opposition ist zerstritten wie nie. Statt Zeit für die wirklichen Probleme des Landes…

4. Swiss Business Day 2017

Innovativer Zugriff erhöht Wettbewerbsfähigkeit

Geschrieben von BZ heute

Die Außenwirtschaftskraft Ungarns wird auch durch die hier tätigen schweizerischen Unternehmen…