Schon rein äußerlich bildet die Hauptniederlassung der MagNet Bank in der Andrássy út 98 einen Kontrast zu Filialen anderer Banken. Am ehesten dürften die mit Kunstrasen bezogenen Kugeln, die die Fassade des Gebäudes schmücken, vorbeigehenden Passanten wohl den Eindruck vermitteln, hier ein Kulturinstitut, einen Jugendclub oder vielleicht ein modernes Museum vorzufinden. Im Vorgarten stehen Sonnensegel, darunter Cafétische und Stühle. Statt dicker Schlitten stehen zahlreiche Fahrräder vor der Tür der sowohl Geschäftsräumlichkeiten und als auch ein Restaurant beherbergenden Bankfiliale. Auch Gábor Pozsonyi, der uns im zweiten Stock des Gebäudes in seinem eher spartanisch eingerichteten Büro empfängt, entspricht nicht dem landläufigen Bild eines Bankers. Statt Hemd und Krawatte trägt der stellvertretende Geschäftsführer der MagNet Bank einen schlichten schwarzen Rollkragenpulli. Gemeinsam mit seiner Brille vermittelt seine Erscheinung eher den Eindruck eines Steve Jobs, den er – wie er uns erzählt – sehr bewundert, als den eines Josef Ackermanns. Doch nicht nur rein optisch verfolgt die MagNet Bank ein anderes Konzept als andere ungarische Geldinstitute.

Eine Bank mit einer Mission

Doch was genau ist es, was sie so anders macht?

„Im Grunde bieten wir alle Serviceleistungen an, die Sie auch bei anderen Banken erwarten. Sie können bei uns Geld einzahlen, Sie können Transaktionen vornehmen und Sie können Kredite aufnehmen“, erklärt Pozsonyi. „Doch wenn Sie mich fragen, was uns darüber hinaus besonders qualifiziert, dann ist es wohl die spezielle Mission, die hinter unserer Bank steht. Denn wir wollen das Geld unserer Kunden nutzen, um vor allem Projekte zu unterstützen, die einen positiven Einfluss auf die Welt haben, sei es im Bereich Soziales, Umwelt oder Kultur. Dabei wollen wir selbst mit einem transparenten, gesunden und nachhaltigen Geschäftsmodell vorangehen.“

Die MagNet Bank erkennt das Bedürfnis vieler Menschen an, die wissen wollen, was mit ihrem Geld geschieht und garantiert ihren Kunden daher, kein Geld in Projekte zu investieren, die nach allgemeinem gesellschaftlichen Konsens als „unethisch“ angesehen werden, etwa weil sie Menschenrechte verletzen, zur Zerstörung der Umwelt beitragen oder auf der Ausbeutung von Arbeitern beruhen. „Wir werden die Einlagen unserer Kunden beispielsweise nicht nutzen, um in Ölraffinerien zu investieren“, erläutert Pozsonyi die selbst auferlegten Kriterien. Doch die MagNet Bank geht noch weiter. Statt nur potenziell „schädliche“ Investitionen auszuschließen, will das Geldinstitut positive Akzente setzen und dabei in fast basisdemokratischer Weise die eigenen Kunden mitbestimmen lassen.

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Dabei ruht das Engagement auf drei für den traditionellen Bankensektor ungewöhnlichen Säulen: einem jährlichen aus dem Profit der Bank finanzierten Spendenprogramm, einem ständigen nutzungsbasierten Spendenprogramm und einer Möglichkeit, mit Spareinlagen gezielt Kredite für bestimmte Projekte zu unterstützen.

Gutes tun, ohne viel tun zu müssen

Die wichtigste dieser drei Säulen ist nach Pozsonyis Ansicht das Gemeinschaftsspendenprojekt KAP, kurz für Közösségi Adományozási Program. Hierbei verpflichtet sich die Bank, zehn Prozent ihres Jahresüberschusses an Zivilorganisationen zu spenden. Das Besondere: Welche Organisationen wie viel Geld erhalten, entscheiden die Kunden.

Dahinter steht ein nicht unerheblicher administrativer Aufwand, wie Pozsonyi versichert. „Zunächst schicken wir einen Brief an alle unsere Kunden, in dem wir aufschlüsseln, wie viel Gewinn wir mit ihrem Geld im vorangegangenen Jahr erwirtschaftet haben.“ Dies ist auch eine der vielen Maßnahme, die die Geschäfte der Bank für ihre Kunden transparenter machen soll. „Diese dürfen dann aus einer Liste an Projekten und Organisationen auswählen, wem sie ihre zehn Prozent zugutekommen lassen wollen.“ Vorausgewählt werden die Kandidaten für eine mögliche Spende zuvor von einem Komitee, das sich sowohl aus Mitarbeitern der MagNet Bank als auch aus externen Experten zusammensetzt. Bewerben könne sich dafür jede zivile Organisation, die nicht gegen bestimmte Ausschlusskriterien verstößt. Um sich bei den Spendenbeträgen jedoch nicht im Kleinklein zu verlieren, begrenzt das Komitee die Liste der Kandidaten auf eine überschaubare Anzahl. Ausgewählt wird dabei vor allem nach dem geschätzten Wirkungsgrad der Organisation. 2017 verteilte die MagNet Bank auf diese Weise immerhin mehr als 72 Millionen Forint an 80 Zivilorganisationen.

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Vor allem gemeinnützige Stiftungen im Gesundheitsbereich, aber auch Tierschutzorganisationen seien besonders beliebt und würden so vor allem von dem Spendenprogramm profitieren. Zwar würden auch andere Banken für gemeinnützige Zwecke spenden, sagt Pozsonyi, doch verglichen mit den Summen, mit denen diese Institute an anderer Stelle jonglieren, sei das gesellschaftliche Engagement nicht mit dem der MagNet Bank vergleichbar, erklärt der ehemalige CIB-Banker.

Mit den eigenen Einlagen grüne Energie fördern

Eine weitere Möglichkeit zu spenden, bietet sich Kunden der MagNet Bank in der alltäglichen Nutzung ihrer Bankkarte. Davon sind derzeit rund 25.000 Stück im Umlauf. Mit jeder Kartenzahlung unterstützt man als MagNet-Kunde eine Zivilorganisation seiner Wahl. Allerdings handelt es sich hier, das muss auch Pozsonyi zugeben, um einen eher symbolischen Akt, der mehr der Kommunikation der eigenen Werte dient, als dass er tatsächlich etwas zu bewirken vermag. Denn die Spendensumme pro Zahlung beläuft sich auf einen Promillebetrag. Hier produziert wohl auch das sprichwörtliche Kleinvieh eher wenig Mist.

Eine dagegen etwas wirkungsvollere Möglichkeit für MagNet-Kunden, Gutes zu tun, ist das Einlagengeschäft der Bank. So können sich diese etwa dafür entscheiden, mit ihren Einlagen entweder ganz gezielt bestimmte Kredite zu fördern oder aber sie für die Nutzung in ausgewählten Wirkungsbereichen zu bestimmen. So kann sich beispielsweise ein Kunde dafür entscheiden, dass mit seinen Einlagen nur Kredite im Bereich „Grüne Energien“ oder „Zivilgesellschaft“ finanziert werden. „Wir garantieren, dass diese Gelder dann auch tatsächlich nur solchen Zwecken zugutekommen. Falls wir dies einmal nicht können, weil beispielsweise nicht genügend Kreditnehmer zur Verfügung stehen, dann investieren wir die Gelder in ungarische Staatsanleihen“, erklärt Pozsonyi. Doch auch Kredite außerhalb der Zivilsphäre, etwa der Wohnungskredit eines Freundes, können mit den eigenen Einlagen unterstützt werden. Egal ob Wirkungsbereich, NGO, Unternehmen oder Privatperson, wenn ein Kunde einen Kredit mit seinen Einlagen unterstützt, senkt MagNet für diesen die Zinsen. Zusätzlich haben Anleger die Möglichkeit, zugunsten bestimmter Kredite auf einen Teil ihrer Zinsen zu verzichten – zumindest könnten sie dies, „im Moment macht uns aber der negative Einlagenzins der EZB einen Strich durch die Rechnung“, so Pozsonyi.

Von der Internet- zur Gemeinschaftsbank

Schon seit sieben Jahren fördert die MagNet Bank auf diese Weise Projekte und Organisationen, die einen positiven Einfluss im Sinne der Dreifachbilanz (Triple Bottom Line) im wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ökologischen Bereich entfalten. 2010 wurde sie in ihrer heutigen Form ins Leben gerufen.

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Doch die eigentlichen Anfangsjahre der Bank liegen sogar noch viel weiter zurück. Bereits 1995 gründeten Zsolt Fáy und Attila Rostás den Rechtsvorgänger der Bank, die Spargenossenschaft HBW Express. Die beiden IT-versierten Geschäftsmänner planten damals die schnellste Internetbank des Landes aufzubauen und waren damit Vorreiter einer gerade erst weltweit einsetzenden Digitalisierung des Finanzsektors. 2008 begannen Fáy und Rostás in Zusammenarbeit mit der Genossenschaftsbank Caja Navarra mit der Umwandlung der Spargenossenschaft in eine Universalbank. Das spanische Geldinstitut besaß zu diesem Zeitpunkt 30 Prozent der Anteile an HBW Express und half ihr, das erforderliche Anfangskapital zu sammeln. Begeistert vom Konzept der Caja Navarra, die selbst als Gemeinschaftsbank operiert, übernahmen Fáy und Rostás deren wertbasiertes Unternehmensmodell. 2013 kaufte man jedoch die Anteile der Caja Navarra zurück, wodurch die MagNet Bank in Ungarn zur bis heute einzigen Bank wurde, die sich zu hundert Prozent in privater, ungarischer Hand befindet.

Einen weiteren Meilenstein, erzählt Pozsonyi, erreichte die Bank erst im vergangenen Jahr. Nach einer Testperiode von zwei Jahren, in denen die MagNet jeweils an den strengen Aufnahmekriterien der Organisation gemessen wurde, ist sie seit 2016 Mitglied der international agierenden „Global Alliance for Banking on Values“ (GABV). Das 2009 gegründete Netzwerk besteht heute aus 28 nachhaltig operierenden Banken, zu denen auch die deutsche GLS Gemeinschaftsbank sowie Europas größtes wertbasiertes Geldinstitut, die niederländische Triodos Bank, gehören. Die MagNet Bank ist jedoch das einzige Mitglied aus dem mittel- und osteuropäischen Raum.

Für die Aufnahme in die GABV musste die Bank hart arbeiten. Ein Problem, erzählt Pozsonyi, sei gewesen, dass die Bank aus ihrer Zeit als HBW Express zahlreiche Kredite übernehmen musste, die nicht ihrem heutigen Vorsatz der Dreifachbilanz entsprechen. Eine Voraussetzung der GABV ist jedoch ein Anteil an Triple-Bottom-Line-Krediten von mindestens 30 Prozent. Diesen erreichte die Bank im vergangenen Jahr, heute liegt er sogar bei 35 Prozent: „Natürlich wollen wir den Anteil dieser Kredite noch weiter ausbauen“, so Pozsonyi.

Ein weiterer Kritikpunkt der GABV sei die Aktionärsstruktur der Bank gewesen. Derzeit befinden sich 90 Prozent der Anteile im Besitz von nur drei Aktionären – neben den ursprünglichen Gründern Zsolt Fáy und Attila Rostás gehört dazu auch János Salamon, der derzeitige Geschäftsführer der Bank. Weitere Schlüsselpersonen würden je über ein Prozent verfügen. In Zukunft wolle man jedoch auch den Angestellten der Bank Kaufoptionen auf Anteile einräumen, um die Besitzstruktur weiter zu demokratisieren.

Herausforderungen der Zukunft

Auch wenn die MagNet Bank in den vergangenen Jahren einen stetigen Kundenzuwachs verzeichnen konnte – rund 50.000 Kunden zählt die Bank heute –, glaubt Pozsonyi, dass man insbesondere auf dem Gebiet des Marketings und der weiteren Bekanntmachung der Bank noch einiges zu tun habe. Dabei möchte er, ähnlich wie viele andere Öko- und Lifestyle-Produkte, auch an das Statusbewusstsein der Menschen appellieren: „Ich will gerade der Schicht der urbanen Intellektuellen verklickern, dass es einfach uncool ist, ohne eine Geldkarte von MagNet in der Geldbörse herumzulaufen. Ich meine, wir wollen hier schließlich nicht weniger, als die Welt zu verändern, Leute!“

Pozsonyi macht sich jedoch auch keine Illusionen: „Ich erwarte von den Menschen nicht, dass sie alle ihre Finanzgeschäfte nur bei uns abwickeln. Das ist nicht unser Bestreben. Es ist okay, ein Konto bei MagNet zu haben, seine Wertpapiere und seine Kreditkarte aber vielleicht bei einer anderen Bank zu verwalten.“ Kreditkarten bietet die MagNet Bank aus ethischen Gründen im Übrigen tatsächlich nicht an. Das Geschäftsmodell beruhe auf der Annahme, dass ein Teil der Menschen nicht mit seinen finanziellen Mitteln haushalten könne und Schulden anhäuft, für die sie wiederum hohe Zinsen zu zahlen haben, erklärt uns Pozsonyi. Ganz auf Komfort verzichten müssen MagNet-Kunden aber auch nicht, schließlich kann auch mit der regulären Bankkarte in fast allen Läden sowie im Internet bargeldlos bezahlt werden. Auch das Abheben an Bankautomaten im Ausland stellt kein Problem dar.

Doch neben spezifischen Problemen wie diesem, hat die MagNet Bank natürlich auch mit den gleichen Herausforderungen wie andere Geldinstitute zu kämpfen, beispielsweise mit der Umsetzung der neuen „PSD2“-Richtlinie der EU, die es den Geldhäusern vorschreibt, bis 2018 auch Drittanbietern wie Finanz-Start-ups den Zugriff auf Konten und Daten ihrer Kunden zu ermöglichen.

Wer in Zukunft seine Finanztransaktionen über die MagNet Bank abwickeln möchte, kann dies selbst als ausländischer Staatsbürger ohne große Erschwernisse tun. Einzig ein gültiges Ausweisdokument ist für EU-Bürger notwendig, um in einer der insgesamt 11 Budapester Filialen der Bank ein Konto zu eröffnen. „Derzeit dauert ein solcher Anmeldeprozess bei uns im Durchschnitt gerade einmal 40 Minuten, unser Ziel ist es aber den zeitlichen Aufwand sogar auf 20 Minuten zu verringern“, erklärt Pozsonyi nicht ohne Stolz. Auch an einer sprachlichen Barriere soll eine Kontoeröffnung nicht scheitern, so sei man in den Filialen darauf vorbereitet, in englischer Sprache über alle relevanten finanziellen und geschäftlichen Belange Auskunft zu geben. Auch außerhalb der ungarischen Hauptstadt ist die MagNet Bank mit Filialen vertreten, bisher sind es allerdings nur drei. Dafür kann man jedoch auch an Automaten anderer Banken immer und überall Geld abheben – und das zu denselben Konditionen wie an den MagNet-Automaten.

Weitere Informationen zur Bank und ihrem Serviceangebot gibt es – auch auf Englisch – unter www.netbank.hu

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