Ursprünglich ist der heutige Chief Technology und Innovation Officer der Magyar Telekom ein Mann der Wissenschaft. Er hat Physik und Mathematik studiert und auch seinen PHD auf dem Gebiet der Physik erworben. Nach seinem Studium schlug er zunächst eine akademische Laufbahn ein. Erst war er als Postdoc-Forscher einige Jahre in Belgien und danach in Italien tätig. Ende der 90er Jahre fand er den Weg in die Wirtschaft: drei Jahre lang war er für Philipps Research im niederländischen Eindhoven tätig. Schließlich begann er im ebenfalls niederländischen Den Haag für eine „Greenfield“ Mobil-Firma zu arbeiten, die schließlich von der Deutschen Telekom übernommen wurde.

Die Wirtschaftlichkeit im Visier

Seine Tätigkeit änderte sich dadurch nur wenig. Er beschäftigte sich weiterhin vor allem damit, die Wirtschaftlichkeit von neuen Technologien und geplanten Projekten zu untersuchen. Außerdem unterstützte er die Technologie-Strategie seiner Firma. Dabei ging es auch um die Planung zukünftiger Netze und entsprechende ökonomische Modelle. „Meine Tätigkeit kreiste immer um die Frage, was kann man mit einer gegebenen Technologie tun und wie kann man daraus ein wirtschaftlich funktionierendes Geschäftsmodell entwickeln“, erklärt Larsen. Auf Grund des hohen Stellenwertes seiner Untersuchungen für die Bonner DT-Zentrale stand er in regelmäßigem Kontakt mit den nationalen Telekom Businessbereichen. Je mehr noch: „Seit 2004 war ich in alle wichtigen Mergers & Acquisitions der Deutschen Telekom involviert.“

2012 verließ er die Deutsche Telekom und wechselte zur Qtel (später Ooredoo) nach Katar. Im Anschluss war er anderthalb Jahr in Birma tätig. 2014 kam er als Senior Vice President for Technology Strategy and Economics wieder zur DT-Gruppe. Neben seinen bisherigen Themenbereichen begann er sich nach seiner Rückkehr zur Gruppe speziell mit den Themen 5G zu beschäftigen und dabei unter anderem zu untersuchen, wie die durch die 5G-Technologie entstehenden neuen Möglichkeiten auf ökonomische Weise genutzt werden können und welche neuen Geschäftsmodelle sich daraus ergeben können.

Künstliche Intelligenz sorgt für effizienteres Fehlermanagement

Ein weiteres Gebiet, mit dem er sich intensiver auseinander zu setzen begann, war das Thema künstliche Intelligenz (AI) und lernende Maschinen. Dabei geht es nicht nur um theoretische Aspekte, sondern ganz konkret um zukünftige Einsatzmöglichkeiten in der Praxis. Seiner Meinung nach könnten künstliche Intelligenz und lernfähige Systeme unter anderem mit dazu beitragen, die immer größere Komplexität von Netzwerken zu managen. So könne mit AI beispielsweise bei Netzwerk-Unregelmäßigkeiten viel schneller herausbekommen werden, welche davon wirklich kritisch sind und welche Gegenmaßnahmen getroffen werden müssen. „Dabei geht es nicht primär darum, Personal einzusparen, sondern vor allem darum, eine deutlich höhere Qualität und Effizienz zu erzielen, um letztlich das Kundenerlebnis und deren Zufriedenheit zu erhöhen“, unterstreicht Larsen.

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Generell würden auch die besten AI-Systeme nie ohne Menschen auskommen. Bei allen Vorteilen würde es stets auch Limits geben, in gewissen Situationen müssen Menschen das letzte Wort haben. „AI-Systeme bieten viel Potenzial, man darf aber nie den Blick für ihre realen Möglichkeiten und ihre Limits verlieren“, unterstreicht Larsen. Als ein Beispiel für solche Limits erwähnt er das autonome Fahren, das teils erheblich von ethischen Fragen limitiert wird. „Mein Technologie-Team arbeitet an einigen super interessanten Projekten im Bereich von Datenwissenschaft, angewandtes Maschinenlernen und AI. Wir arbeiten bei diesen Projekten eng zusammen mit Forschungs- und Innovationskapazitäten innerhalt der DT-Gruppe und von Universitäten.“

Ungarische Ingenieure: Mit Leidenschaft und Qualität bei der Sache

Befragt nach seinen ersten Eindrücken von Ungarn kommt Larsen ins Schwärmen. „Ein super spannendes Land mit einer hohen Lebensqualität!“ Dank seiner ungarischen Frau sei er schon vorher mit dem Land und dessen Kultur einigermaßen vertraut gewesen. Begeistert ist Larsen auch von seinen neuen ungarischen Kollegen. „Sie sind mit Leidenschaft mit dabei, weisen eine super Qualität auf und sind solide Ingenieure“, fasst er zusammen. Sie würden hart arbeiten und vom Drang besessen sein, die besten zu sein. „Die Diskussionen mit unseren Ingenieuren sind hochqualitativ. Sie wissen, wovon sie reden und sind mit Leidenschaft und Commitment dabei.“

Voll des Lobes ist er natürlich auch für die ungarische Infrastruktur. „Wir haben das schnellste LTE-Netz Europas. Weltweit ist Ungarn nach Seoul und Hongkong die Nummer drei.“ Der Mix von Top-Mitarbeitern und Spitzeninfrastruktur sei eine großartige Umgebung für Innovationen. Als dritten positiven Faktor erwähnt Larsen das starke Bestreben der ungarischen Regierung, Ungarn auf die Road Map für Innovation und Technologie zu platzieren. Dieses finde nicht nur auf Deklarationsniveau statt, sondern äußere sich auch ganz konkret in der Praxis. Als Beispiel erwähnt er die entstehende Testdrive-Anlage in Zalaegerszeg, auf der bald Zukunftstechnologien beispielsweise rund um das Thema autonomes Fahren getestet werden sollen. Die Magyar Telekom wird hier speziell 5G-Lösungen testen.

Aufgeschlossenheit und Begeisterung auf allen Seiten

Aufgeschlossenheit und Vorausschauen gebe es in Ungarn aber nicht nur von Seiten der Wirtschaft, sondern auch bei den Hochschuleinrichtungen. „Man spürt die Leidenschaft und die Energie, ganz vorne mit dabei zu sein“, findet Larsen, der schließlich auch noch auf einen weiteren objektiven Pluspunkt Ungarns hinweist. „Ungarn ist ein kleines Land, man kann hier Dinge viel schneller und kosteneffizienter umsetzen als beispielsweise in Deutschland.“ Wegen all dieser Gegebenheiten, sei Ungarn seiner Meinung nach ein ideales Testfeld für Zukunftstechnologien im Infokommunikationsbereich.

Und was ist mit der Abwanderung? Hier verweist Larsen auf die wettbewerbsfähigen Löhne und attraktiven Arbeitsplätz für Ingenieure bei seinem Unternehmen. „Insgesamt ist Ungarn im Moment für unsere Branche der beste Platz in Europa“, ist sich Larsen sicher. Speziell für junge Leute sei es hochattraktiv, bei Innovationen für die Zukunft ganz vorne mit dabei zu sein. Auch so etwas motiviere die Leute zum Hierbleiben. Oder auch zum Zurückzukommen, wie eben gerade erst einen ungarischen Kollegen von Larsen, der aus Finnland nach mehreren Jahren Aufenthalt zurück nach Ungarn gekommen ist.

Spitzenposition weiter ausbauen

Im Moment sind die Anstrengungen von Larsen und seinem Team darauf gerichtet, die Spitzenposition der Magyar Telekom auf dem ungarischen Markt zu halten und weiter auszubauen. „Wir haben das beste LTE-Netz Ungarns und möchten unsere Spitzenposition halten und ausbauen“, unterstreicht er. Zurzeit konzentriere man sich vor allem darauf, dass unter den MT-Kunden Voice over LTE eine noch größere Verbreitung findet. Den Kunden würde dadurch eine komplett neue und äußerst verbesserte Spracherfahrung geboten, unter anderem durch eine wesentlich bessere Gesprächsqualität und einen schnelleren Verbindungsaufbau. Außerdem würden bei dieser Art der Kommunikation mehr Kapazitäten zur Verfügung stehen, was sich besonders bei Video over LTE bemerkbar machen würde.

Obwohl seine Firma in Ungarn schon sehr gut positioniert ist, gibt es immer noch viel Wachstumspotenzial. So sollten etwa vorhandene Frequenzen noch besser genutzt werden. Bei der Netzabdeckung gäbe es hingegen kaum noch ein Plus-Ultra. Mit Blick auf die Einwohner liege man bei 98,4 Prozent, geografisch in der Nähe davon. „Bis Ende des Jahres sind die meisten Löcher geschlossen“, verspricht Larsen. Jetzt gehe es vor allem darum, die Netzkapazität zu erhöhen. Bei diesen Investitionen erweist sich die geringere Größe des Landes als vorteilhaft. „Ungarns geringere Größe hilft, das Land ökonomisch mit LTE abzudecken und den Kunden eine bessere Qualität anzubieten“, unterstreicht er. Während beispielsweise zur vollen Abdeckung von Deutschland mit GSM etwa 27.000 Funkmasten benötigt würden, seien in Ungarn dafür nur etwa ein Neuntel dieser Menge notwendig. Auch ein gutes Network Sharing würde zum wirtschaftlichen Betrieb der ungarischen Netze beitragen.

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Neben der schrittweisen Erhöhung der Netzkapazitäten liege das Hauptaugenmerk von Larsen und seinen Ingenieurskollegen auch auf der Erhöhung der sogenannten operational excellence. Dabei gehe es unter anderem darum, Ausfälle zu minimieren und die Zeit bis zum Aufspüren und der Ausbesserung von Fehlern zu reduzieren. Ganz wichtig seien aber auch die weitere Modernisierung des Festnetzes und der Ausbau des Glasfasernetzes. Hier gehe es vor allem um eine Erhöhung der Bandweite und der Zuverlässigkeit des Netzes. Da Kabel in Ungarn – im Gegensatz zu etwa Deutschland – nicht vergraben werden müssen, könnten solche Investitionen in Ungarn ebenfalls wesentlich wirtschaftlicher erfolgen und könnten Fasernetze viel schneller entwickelt werden.

5G wird ab Mitte der 2020er den Massenmarkt betreten

Was die 5G-Zukunft betrifft, so werde es Ende 2018, Anfang 2019 mit der Inbetriebnahme des Testdrives in Zalaegerszeg einen ersten größeren Schritt in Richtung Praxis geben. Im Moment befinde sich die Telekommunikationsbranche weltweit in der sogenannten Pre-Standard-Phase. Diese Phase werde nach Einschätzung von Larsen spätestens bis etwa 2020 abgeschlossen sein. Mitte der 2020er Jahre werde sich 5G dann langsam für den Massenmarkt öffnen und bei Themen wie autonomes Fahren, Smart Health und Smart City, oder wie es bei der Deutschen Telekom heißt: Smart Universe für eine Welle an neuen Geschäfts- und gesellschaftlichen Lösungen sorgen. „Bei vielen 5G-Entwicklungsprojekten werden ungarische Ingenieure ganz vorne mit dabei sein“, ist sich Larsen schon jetzt sicher.

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