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Auch Schauspielerin Lilla Sárosdi, derzeit Teil des Schauspielensembles am Örkény-Theater, ging Mitte Oktober mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit. In einem Facebook-Post versehen mit #metoo berichtete sie von ihren Erlebnissen.

„Bitte entschuldigen Sie meinen Widerstand“

Der Vorfall liegt zwar schon 20 Jahre zurück, aber Sárosdi erinnert sich noch genau: Im Anschluss an eine Probe habe sie der Regisseur mit einem Freund zu einer gemeinsamen Rundfahrt in seinem Auto eingeladen.

Im Auto dann habe er seine Hose geöffnet und die junge Frau aufgefordert, ihm einen Kuss auf seine Genitalien zu geben. Sie weigerte sich, und als sie schließlich aus der Situation entlassen wurde, erinnert sich Sárosdi: „Da bat ich verschämt um Entschuldigung vom großen Regisseur, dass ich ihn mit meinem Widerstand beleidigt habe“.

Auch den Namen des Mannes, der sie bedrängt haben soll, macht Sárosdi wenig später öffentlich: László Marton, ein in Fachkreisen anerkannter Theaterregisseur und derzeit am Vígszínház tätig. Oder vielmehr war er es, denn rund zwei Wochen nach Sárosdis Post gab das Theater eine Erklärung ab, in der es darüber informierte, dass man sich von Marton getrennt habe. Dieser Schritt sei jedoch keineswegs ein Urteil über „seine unbestreitbaren fachlichen Leistungen“.

László Marton selbst meldete sich erst knapp eine Woche nach der Veröffentlichung der Anschuldigungen zu Wort. In einer Presseaussendung teilte er mit, dass die Behauptungen unwahr seien, er würde jedoch mit dem heutigen Tag und bis zur endgültigen Klärung der Anschuldigungen von seinem Posten beim Vígszínház zurücktreten. Auch seine Position als Lehrer an der Budapester Filmhochschule legte er mit einer ähnlichen Begründung vorerst auf Eis.

#metoo

Nach Sárosdis öffentlichem Bekenntnis meldeten sich in den vergangenen Wochen immer mehr Schauspielerinnen mit ähnlichen Erlebnissen zu Wort. Eine Frau berichtet von einem Vorfall, der nur zwei Jahre zurückliegt. Ihre Bewerbung für die Filmhochschule sei – auch von Marton selbst – abgelehnt worden. Unmittelbar nach dem Vorsprechen habe der Regisseur jedoch Kontakt mit ihr aufgenommen und ihr angeboten, bei ihm am Vígszínház zu proben und zu lernen. Bereits bei der ersten Probe, so zitiert das Nachrichtenportal index.hu die junge Frau, sei ihr die stark verbreitete körperliche Distanzlosigkeit aufgefallen. „Es wurde sich viel umarmt und angefasst.“ Marton habe ihr dann später angeboten, sich in seiner Wohnung zu treffen, um Monologe zu üben, im Theater sei es zu unruhig und zu laut, habe er argumentiert. In Martons Wohnung habe sich jedoch das ungute Gefühl der Proben fortgesetzt, von viel „Anfasserei“ ist die Rede, woraufhin die junge Frau beschloss, den Regisseur zur Rede zu stellen. Das Nachrichtenportal zitiert sie: „Ich sagte ihm ‚Ich glaube, Sie (Anm.: Marton) wollen mehr von mir‘, woraufhin er antwortete, dass ich damit richtig läge. (...) Er sagte dann, wir bräuchten uns nicht mehr zu treffen, wenn das für mich ein Problem wäre.“

Auch bei dem Nachrichtenportal 444.hu meldeten sich frühere Opfer Martons. Ihre Geschichten ähneln sich vor allem in einem Punkt: Marton, der seit Jahrzehnten zu den Großen im ungarischen Theater zählt, nutzte die Unerfahrenheit der jungen Frauen und ihren Wunsch nach Anerkennung aus. László Marton selbst bestreitet bis heute alle Vorwürfe und will vor Gericht gegen die Anschuldigungen vorgehen.

Von Mitgefühl bis Unverständnis

Die Reaktionen im ungarischsprachigen Netz sind zahlreich, die Meinungen gespalten. Ungarn hat, dies ist seit Langem bekannt, eine starke Kultur der Opferbeschuldigung. So finden sich unter Artikeln zum Thema, aber auch unter Posts mit dem Hashtag Metoo – unabhängig von der Causa Marton – Aussagen wie „Was regt sie sich so auf? Sie hat doch Karriere gemacht“ oder „Sie wusste, worauf sie sich einlässt“ oder auch „Klar, jetzt, 20 Jahre später ist das auch noch total glaubwürdig“. Dabei sind es nicht nur Männer, die Lilla Sárosdi und andere Opfer angreifen. Oft sind es auch Frauen, die ihre Geschlechtsgenossinnen angehen. Das Phänomen der Täter-Opfer-Umkehr, bei dem die Schuld für eine Straftat beim Opfer gesucht wird, ist in Ungarn weitverbreitet.

Betrachtet man beispielsweise eine Kampagne der Polizei im südungarischen Pécs, die vor drei Jahren produziert wurde, wird klar, woher die Haltung innerhalb der Gesellschaft kommt. Vollkommen ernst gemeint veröffentlichte die Polizei drei Präventionsvideos mit dem Titel „Du kannst etwas dafür, du kannst etwas dagegen tun“. Darin sind drei junge Mädchen in knapper Bekleidung zu sehen, die stark alkoholisiert feiern und mit Jungs tanzen. Am Ende wird eine von ihnen das Opfer sexueller Gewalt durch einen Unbekannten. Schon damals wiesen Frauenrechts- und Opferschutzverbände darauf hin, dass diese Haltung weit an der Wirklichkeit vorbeigehe. Der erdrückende Teil der Übergriffe passiere durch Täter aus dem unmittelbaren Umfeld der Opfer.

Sexismus in Ungarn weitverbreitet

Doch zurück zum Fall Marton: Die Reaktionen im Netz verdeutlichen noch einen weiteren Punkt: Sexuelle Übergriffe sind in Ungarn für viele Frauen (und Männer) auch heute noch alltäglich. Doch es scheint auch ein Umdenken zu geben. Während auf Facebook eine Mittfünfzigerin unflätige Anmachen oder das Hinterherpfeifen auf der Straße damit verteidigt, dass man als Frau mehr Toleranz gegenüber diesen Männern aufbringen müsse, da sie ihre Bewunderung leider nicht gediegener zum Ausdruck bringen könnten, finden sich auch immer mehr junge Menschen, die eben diese Toleranz und diesen Respekt auch für sich einfordern und klar und deutlich „Nein“ zu dieser Art Kompliment sagen.

Im Rahmen der #metoo-Welle hielten es jedoch auch (ungarische) Männer für geboten, herauszustellen, dass sie nie Frauen belästigt hätten und generell das Ganze ja vielleicht mehr eine Medienkampagne denn ein aktuelles Problem sei. Tatsächlich ist auch diese Einstellung in Ungarn wenig überraschend, lehnte Premier Orbán doch beispielsweise auch die Frage nach der Abberufung der ungarischen Botschafterin in Amerika, Réka Szemerkényi, mit den Worten „Mit Frauenthemen beschäftige ich mich nicht“ ab. Leider ist es innerhalb der Regierung nach wie vor eine weitverbreitete Auffassung, dass Frauen vor allem als Mütter ihre Erfüllung finden sollten und ihr Wert sich durch die Anzahl ihrer Kinder definiere. Die Offenbarungen um László Marton haben die Theaterwelt erschüttert, aber gleichzeitig auch einen gesellschaftlichen Diskurs eröffnet, den Ungarn dringend benötigt.

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