Der Fidesz-Politiker würdigte eingangs, dass die deutschen Unternehmen die Tätigkeit der Orbán-Regierung bei der Erneuerung Ungarns konsequent unterstützten. „Wir sind stolz darauf, Hinterland der deutschen Industrie zu sein.“ Mitteleuropa avanciere generell immer mehr zum Motor des europäischen Wachstums, während die Region „mit tausend Banden“ mit Deutschland verknüpft sei. Der Handel der V4-Länder mit Deutschland übertrifft jenen mit Frankreich um 55 Prozent.

Die Orbán-Regierung werde die Senkung der Lasten auf die Arbeit fortsetzen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen auch bei steigenden Löhnen zu bewahren. Bei der Investitionsförderung wurden technologieintensive Investitionen als neue Kategorie eingeführt, außerdem werden nun auch F+E-Investitionen in der Hauptstadt unterstützt. Um die ungarische Wirtschaft auf eine neue Ebene zu heben, sei unter anderem die Digitalisierung voranzutreiben. Der Staat helfe der Wirtschaft unter anderem mit einer Mobilisierung der Arbeitskräfte sowie der Förderung der dualen Ausbildung.

Nach den Wahlen in Deutschland, Österreich und Tschechien sei Ungarn am Zustandekommen stabiler Regierungen interessiert. Die Debatte über die Zukunft der EU erschwere nach den Worten Szijjártós, dass diese häufig ideologisch und emotional geführt würden. So sei es schwer, zu vernünftigen Lösungen zu kommen. Die Migrationskrise sorge neben dem Sicherheitsrisiko auch für ein wirtschaftliches Risiko, wenn der Schengen-Raum untergraben wird. Die EU konnte seit 2011 kein Freihandelsabkommen mehr schließen, diese seien aber wichtig für die künftigen Weichenstellungen, so auch mit Großbritannien nach dem Brexit.

Bezüglich des Ausscheidens Großbritanniens sprach sich Szijjártó erneut für eine „faire“ Lösung aus. Der neue Vertrag zwischen Großbritannien und der EU-27 müsse „so tief und umfassend wie möglich“ sein. Außerdem sprach sich Szijjártó für eine Erweiterung der EU aus und hoffe möglichst bald auf eine EU-28, EU-29 und so weiter. Insbesondere bezüglich Serbien und Montenegro wäre eine Integration „sehr einfach“ und würde auch dazu beitragen, Spannungen in der Region zu reduzieren.

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DWC-Präsident Dr. Arne Gobert (r.) bedankt sich bei Außenminister Péter Szijjártó für die Intensivierung der Zusammenarbeit: „Es geht uns in erster Linie um den Wirtschaftsstandort Ungarn, aber natürlich auch um das Interesse unserer Mitglieder.“

Gespräch mit dem DWC-Vorsitzenden Dr. Arne Gobert

„Kommunikation unter Freunden“

Nach der DWC-Veranstaltung, auf der die strategische Zusammenarbeit zwischen dem DWC Ungarn und dem ungarischen Außenministerium bekanntgegeben wurde, unterhielten wir uns mit dem DWC-Vorsitzenden Dr. Arne Gobert über das Zustandekommen und die Absichten dieser Kooperation.


Wie kam es zu dieser Idee?

Die Idee zu dieser Initiative kam aus dem Kreis der Vorstandsmitglieder, um den Club und unser Engagement für unsere Mitglieder weiterzuentwickeln. Unter anderem bei unserer Jubiläumsfeier zum 25. Jahrestag des DWC wurde bei den Reden unserer Ehrengäste mehrfach ein Interesse an einer vertieften „Kommunikation unter Freunden“ im Interesse Ungarns bekundet. Nachdem wir dies im Vorstand bereits als Konzept besprochen hatten, wurde ich in meinen persönlichen Gesprächen unter anderem mit Ministerpräsident a. D. Roland Koch, der bei uns einen Vortrag gehalten hatte, darin bestärkt, dies auch in der Praxis umzusetzen. Minister Szijjártó war für uns dann aufgrund seiner Zuständigkeit für die Außenwirtschaft sowie der Tatsache, dass er seit drei Jahren jedes Jahr gerne zu uns als Gastredner kam, der logische erste Ansprechpartner, wobei wir gleich bei der Kontaktaufnahme deutlich gemacht haben, dass es unser Wunsch wäre, auch das Ministerium von Minister Zoltán Balog, der übrigens Ehrenmitglied im DWC ist, unbedingt mit einzubeziehen. Die regierungsinterne Koordination wird jetzt von Szijjártós Ministerium, also dem Ministerium für Außenhandel und Äußeres übernommen.


Wie hat die Regierung den Vorschlag des DWC aufgenommen?

Minister Szijjártó hat den Vorschlag gerne aufgenommen und noch am selben Abend nach unserem Gespräch die Zusammenarbeit im Rahmen seines Vortrags beim DWC verkündet und ein erstes Rundtischgespräch bereits für Dezember 2017 vorgeschlagen. Auf seinen und unseren Vorschlag hin werden bei dem Rundtischgespräch die Ministerien der Minister Szijjártó, Balog und Varga sowie der Investitionsförderer HIPA und der Exportfinanzierer Eximbank vertreten sein.


Was ist das Ziel der jetzt beschlossenen regelmäßigen Rundtischgespräche?

Im Rahmen der Rundtischgespräche soll es Unternehmern und Unternehmensleitern ermöglicht werden, in einen beidseitigen, unmittelbaren Kommunikationskanal über den DWC eingebunden zu sein. Ziel ist es, bestehende Kommunikationskanäle zu ergänzen und nicht zu ersetzen. Basierend auf Vorschlägen unserer Mitglieder sollen gemeinsame Lösungen für anstehende Probleme und Fragestellungen entwickelt werden. Hierfür benötigen wir selbstverständlich die aktive Mithilfe und den Beitrag unserer Mitglieder. An den Rundtischgesprächen werden nicht nur Vorstandsmitglieder des DWC, sondern auch Unternehmer und Unternehmensvertreter unserer Mitgliedsfirmen teilnehmen. Grundsätzlich kann uns aber auch jeder allgemeine und branchenbezogene Anregungen für die Diskussionen mitgeben. Der Rundtisch wird und soll keine Einzelfallproblematiken lösen, sondern für die Wirtschaft oder einzelne Branchen spezifische Fragestellungen behandeln. Auf der anderen Seite ist vereinbart, dass wir und unsere Mitglieder über den Rundtisch möglichst frühzeitig in neue Gesetzesvorhaben eingebunden sind. Es ist geplant, unsere Mitglieder jeweils einmal im Quartal im Rahmen eines Newsletters über die Besprechungsergebnisse zu informieren.


Wer wird von DWC-Seite an den Gesprächen teilnehmen?

Bei den Diskussionsrunden werden wir in der Regel von unserer Seite mit fünf bis sechs Teilnehmer vertreten sein, abhängig von der jeweiligen Tagesordnung und Vorschlägen aus dem Kreis unserer Mitglieder. Um es aber noch einmal zu betonen, es geht uns nicht um die Lösung von Individualproblemen, sondern die Lösung von allgemeinen Problemen, um die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Ungarn zu erhöhen. Selbstverständlich werden die DWC-Vertreter auch Themen und Vorschläge von Mitgliedern vortragen beziehungsweise für sie vertreten. Diskussionsanregungen oder Vorschläge von Unternehmerseite sind herzlich willkommen.


Können nur DWC-Mitglieder Input geben?

Es geht uns in erster Linie um den Wirtschaftsstandort Ungarn aber natürlich auch um das Interesse unserer Mitglieder. Sollten Lösungen erarbeitet werden, kommen diese dann selbstverständlich nach einer entsprechenden Umsetzung auch allen anderen Unternehmern zu Gute. Die Kommunikation und damit die Informationen aus „erster Hand“ erhalten zunächst immer erst einmal die DWC-Mitglieder, für die wir diese Initiative angeregt haben. Wir vom DWC-Vorstand verfolgen mit dieser Initiative keine Individualinteressen, sondern möchten soweit wie möglich die Kommunikation zwischen Regierung und Unternehmern – insbesondere von kleinen- und mittelständischen Unternehmen, die in der Regel über keine eigenen Kommunikationskanäle zur Regierung verfügen – bereichern und damit unseren Beitrag für unseren gemeinsamen Wirtschaftsstandort Ungarn leisten. Wir sind Minister Szijjártó und der ungarischen Regierung sehr dankbar, dass sie diesen Vorschlag angenommen haben und auch sofort mit uns in die Praxis umsetzen wollen. Dies ist keineswegs selbstverständlich!

Konversation

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