Was werden Sie nach dem eher klassischen Auftakt dem Publikum jetzt bieten?

Als nächstes steht ein Stück von dem Schweizer Autor Friedrich Dürrenmatt auf dem Programm. Und zwar haben wir uns für „Das Strindberg Spiel“ (original Titel „Play Strindberg“) entschieden. Die Premiere findet am 3. November um 19 Uhr wie bisher im Spirit-Theater statt, die zweite Vorstellung folgt dann am 9. November.


Warum haben Sie sich gerade für dieses Stück entschieden?

Nach dem Klassiker Goethe wollten wir etwas Modernes auf die Bühne bringen. Wobei Dürrenmatt mittlerweile ja auch als Klassiker gilt, aber eben als Klassiker der modernen Dramatik. Ein weiterer Grund, ein Stück von Friedrich Dürrenmatt auf die Bühne zu bringen, ist die Tatsache, dass er als Schweizer Autor in seinem Vier-Sprachen-Land deutsch schreibt. Er gehört zu den bedeutendsten Schweizer Dramatikern des 20. Jahrhunderts und hatte mit Stücken wie „Der Besuch der alten Dame“ oder „Die Physiker“ weltweite Erfolge.

„Play Strindberg“ ist dagegen eher unbekannt, obwohl es Dürrenmatts erfolgreichste Bearbeitung ist. Sie entstand während seiner Zeit als Co-Direktor am Theater Basel, als Dürrenmatt von Strindbergs „Totentanz“ eine Strichfassung erstellen wollte. Da er das Stück aber für zu gefühlsbeladen und zu langatmig hielt, reduzierte er das Personal auf drei Personen und verknappte die Dialoge aufs Wesentlichste.

Wer also Goethes „Mitschuldigen“ gesehen hat, das ja an der schauspielerischen Technik der Comedia del Arte angelehnt ist, in Reimen gesprochen wird und eine wirklich lustige Komödie mit außergewöhnlichen Musikeinsetzen zeigt, kann nun das ganze Gegenteil sehen. Bei Dürrenmatts „Strindberg Spiel“ nutzen wir eine andere Schauspieltechnik um die Art seiner Sprache in dessen bissigen Figuren zu unterstreichen.


Worum geht es in dem Stück?

Es handelt sich um eine Bearbeitung des Dramas „Der Totentanz” von August Strindberg. Dass Dürrenmatt sein Werk letztendlich „Play Strindberg“ nannte, entsprang dem Geist der Zeit, in der das Stück entstand. In Dürrenmatts verknappter Fassung geht es wie bei Strindberg um das Ehepaar Alice und Edgar, das seit 25 Jahren verheiratet ist. Jeder wirft dem anderen vor, der andere habe das eigene Leben verhindert. Es ist eine Art Hassliebe und sie können diesem Beziehungsgefängnis nicht entrinnen. Als nach Jahren Alices Vetter Kurt seinen Besuch anmeldet, kommt es zum Eklat der beiden. Alle legalen und illegalen Mittel, Lügen, Intrigen, Liebe und Gnadenlosigkeit werden bis zum bitterbösen Ende angewendet und animieren den Zuschauer zum Lachen und zum Nachdenken.


Wie haben Sie das Stück inszeniert?

Dürrenmatts Verknappung der Sprache und seine Grundgedanken der Bühnengestaltung sind für uns Ausgangspunkt gewesen. Sprachlich sind wir noch einen Schritt weiter gegangen und haben, nach den positiven Erfahrungen mit der Vers-Sprache bei Goethe, den latenten Rhythmus in der Sprache neu entdeckt, obwohl uns Dürrenmatt eigentlich eine Prosa-Sprache hinterlassen hat. Das führt zu einer neuen rhythmischen Spannung zwischen Sprache und Bedeutung, Sprache und Geste sowie Sprache und Handlung. Die NBB wäre nicht die NBB, wenn da nicht sofort musikalische Assoziationen entstehen würden. Jochen Könnecke am Cello tut sein Bestes, auch diesen Part zu erfüllen. Die Bühnengestaltung wird schlicht sein, die Handlung noch kompakter als bei Dürrenmatt, die Figuren zeigen groteske Züge. Die Inszenierung siedelt das Stück im Heute an und man darf sich nicht wundern, wenn plötzlich ein Smartphone die Handlung vorantreibt.


Kann sich das Publikum auf ein Wiedersehen mit den Schauspielern aus den Mitschuldigen freuen?

Ja, zum Beispiel wird Jürgen Kramer, der in den „Mitschuldigen“ den Wirt gespielt hat, im „Das Strindberg Spiel“ die Rolle des Ehemannes Edgar übernehmen. Jochen Könnecke, der in den „Mitschuldigen“ den adeligen Alcest spielte, wird nun den Vetter Kurt darstellen. Ich selbst werde Ehefrau Alice spielen.


Was kosten die Tickets und wie kommt man sicher zu welchen?

Tickets kosten 4.000 Forint und sind an der Kasse des Spirit Theaters oder online auf http://spiritszinhaz.jegy.hu/ erhältlich. Alternativ können sich Interessierte auch direkt per Mail an die Neue Bühne Budapest wenden (dan-du@web.de). Für alle geplanten Vorstellungen im November sind noch Tickets erhältlich. Auf Facebook können die aktuellen Vorstellungstermine und weitere Neuigkeiten eingesehen werden.

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Gibt es noch einmal die Möglichkeit, „Die Mitschuldigen“ zu sehen?

Da für uns zurzeit das Stück „Die Mitschuldigen“ logistisch und finanziell doch sehr aufwendig ist, bieten wir lediglich noch eine letzte Vorstellung am 11. November um 19 Uhr im Spirit Theater an. Eine Wiederaufnahme ist bei einer gesicherten Finanzierung auf jeden Fall geplant.


Wie wird es mit der NBB weitergehen?

Es geht weiter! Vorerst noch ausschließlich mit der Theaterkunst. Unser allerwichtigstes Anliegen ist es, ein eigenes kleines bis mittelgroßes Theater zu bespielen. Wir suchen dazu Räumlichkeiten! Wir suchen dafür natürlich auch Unterstützer jeglicher Art! Unser Wunsch wäre es, eine Begegnungsstätte für kulturell interessierte Deutschsprachige in Ungarn ins Leben zu rufen, wohin man auch nur mal zum Plaudern oder Zeitung lesen geht und in ungezwungener Atmosphäre die einen oder anderen Geschäftsgespräche zustande kommen können. Eine Art Clubsalon, in dem sich Wirtschaft und Kultur treffen. Menschen aus vollkommen anderen beruflichen Bereichen, die sich sonst nie treffen würden, könnten hier zusammenkommen. Ein Pool der Freude und des Entspannens. Bei angenehmen Musikabenden und Lesungen, Theatervorstellungen und anderen Events lassen sich neue Kontakte knüpfen.


Auf welche Stücke kann sich das Publikum als nächstes freuen und wann ungefähr?

Es ist unsere Freude, den Zuschauern im Laufe unserer nächsten Spielzeiten die deutschsprachige Dramatik auch dadurch näher zu bringen, indem wir mit vielfältigen und unterschiedlichen Theaterformen arbeiten. Das betrifft nicht nur die Auswahl der Stücke, sondern auch ihre Darstellung. Genauso wie wir Stücke aus unterschiedlichen Epochen und Gattungen, also Komödien, Tragödien, Dramen spielen, ist es uns auch wichtig, die Stücke von deutschsprachigen Muttersprachlern zu wählen.

In dieser Spielzeit stehen noch folgende Stücke auf unserem Spielplan: „Der Zerbrochene Krug“ von Heinrich von Kleist, ca. im März Premiere gleichauf mit „Der Ignorant und der Wahnsinnige“ von Thomas Bernhard und später: „Mahagonny“ nach Brecht / Weill.


Die Zukunft der Neuen Bühne hängt ganz wesentlich von der Unterstützung durch die deutschsprachige Gemeinschaft ab? Welche Fortschritte können Sie hier verzeichnen?

Wir haben natürlich als erstes mit der Deutschen, der Österreichischen und der Schweizer Botschaft Kontakt aufgenommen. Nachdem wir unser Entrée-Stück „Die Mitschuldigen“ aus unserer privaten Tasche finanziert haben, damit unser Publikum erst einmal sehen kann, wie ernst es uns ist und welches fachliches Niveau wir bieten, können wir bei unserem zweiten Stück „Das Strindberg Spiel“ bereits die Schweizer Botschaft als Sponsor nennen. Aber auch die Deutsche Botschaft lässt uns nun auf eine Sachspende hoffen und auch die österreichische Botschaft denkt über ihre Möglichkeiten nach, wenn wir mit österreichischen Schauspielern arbeiten und auch einen österreichischen Autor spielen werden.

Gespräche mit Frau Nietsch, Direktorin der Deutsche Schule wurden intensiviert und holte bei uns „Der zerbrochene Krug“ auf den Plan, da es auch Unterrichtsstoff der Oberstufe ist. Sicherlich können davon weitere deutschsprachige Gymnasien und Bildungsträger ihren Nutzen ziehen.

Mercedes Budapest ist mit uns im Gespräch und denkt über ein Sponsoring nach. Nicht zuletzt durch Referenzen sind andere potentielle Sponsoren zu motivieren.

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Auf welche Weise können die Theaterfreunde unter unseren Lesern etwas dafür tun, auch weiterhin in Budapest deutschsprachige Theatervorstellungen der NBB besuchen zu können?

Natürlich freuen wir uns vor allem darüber, wenn möglichst viele Leser der Budapester Zeitung den Weg zu einer unserer Inszenierungen finden – das ist für uns auf jeden Fall die beste und wichtigste Form der Unterstützung.

Darüber hinaus ist es für ein mit viel Idealismus betriebenes Theater wie das unsrige immer sehr wichtig, durch Mundpropaganda empfohlen zu werden, denn wir haben nicht die Möglichkeit, teure Werbekampagnen zu fahren oder Hochglanz-Programmhefte drucken zu lassen.

Und: Je besser unsere Vorstellungen besucht werden, desto mehr werden wir auch für potentielle Sponsoren interessant – und deren Unterstützung benötigen wir sehr.

Mit Sponsoring meinen wir aber nicht nur die großen deutschen Unternehmen, die in Ungarn ansässig sind, sondern auch kleinere Firmen oder auch Einzelpersonen, die unser Engagement gut finden und wie wir der Meinung sind, dass es in Budapest eine deutschsprachige Bühne geben sollte. Deswegen ist uns jede Form der Unterstützung willkommen, seien es Räumlichkeiten für Proben, Sachspenden für zukünftige Bühnenbilder, Kostüme oder auch unsere immer noch unvollständige Ausrüstung unseres Theaterbüros.

Was die Probensituation betrifft, so greifen wir derzeit auf Proberäume am Balaton zurück, weil sie dort deutlich günstiger als in Budapest zu haben sind. Erschwingliche Proberäume in Budapest wären uns aber lieber. Hilfe können wir aber auch durch tatkräftiges Engagement gebrauchen. Wenn sich zum Beispiel jemand zum Fotografen berufen fühlt oder gar eine professionelle Ausbildung hat, kann er oder sie sich gerne bei uns melden. Wir suchen außerdem händeringend nach einer Person, die uns eine Webseite gestalten kann und uns bei der Verwaltung und im Marketing behilflich ist.

In dem Zusammenhang möchte ich mich hier auch gleich sehr herzlich bei der Budapester Zeitung bedanken, die von Anbeginn ausführlich über unsere Arbeit berichtet hat. Die Leser der Budapester Zeitung können sich jederzeit gerne bei uns melden und Ideen vorschlagen, wie man uns unterstützen könnte, oder durchaus auch eventuelle Sachspenden ankündigen.

Andererseits denken wir derzeit darüber nach, wie wir neben unserer Theaterarbeit mit dem potentiellen deutschsprachigen Publikum noch in Kontakt treten können. Wir möchten unsere Fähigkeiten und die unserer Schauspieler ausnutzen und könnten uns durchaus vorstellen, ein Coaching im Bereich Auftreten und Körpersprache anzubieten. Das ist derzeit allerdings noch Nebensache und spielt aktuell für uns noch keine große Rolle. Dennoch – wenn jemand diesbezüglich bei sich oder andern Bedarf sieht, kann er auch deswegen auf uns zukommen, wir helfen dann gerne weiter.

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