Gerade einmal vier Monate ist es her, dass das Caviar & Bull Ende Juni die durch die Schließung des Szamos Royal Kávéház vakant gewordenen Räume im Erdgeschoss des Corinthia Hotels Budapest bezog. Und trotzdem gelang es dem Gourmetrestaurant, binnen kürzester Zeit zu einer der heißesten Adressen für Feinschmecker und Genießer aufzusteigen: Schon nach wenigen Wochen eroberte das Lokal Platz 1 der Top-Restaurantempfehlung in Budapest auf der Bewertungsplattform TripAdvisor und verteidigt diese Position bis heute. 93 Prozent der weit über 300 Bewertungen geben dem Restaurant ganze fünf Sterne. „So ein schneller Aufstieg ist sehr ungewöhnlich für ein neues Lokal“, erklärt uns Kristóf Szigeti, Manager des Caviar & Bull.

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Dabei war auch für das Gourmetrestaurant, das sich auf mediterrane Küche spezialisiert, aller Anfang schwer. Als Restaurant mit Sitz in einem Hotel hat man mit gewissen Vorurteilen zu kämpfen, erklärt uns Szigeti. Denn obwohl das Caviar & Bull – wie etwa auch das Bock Bistro, das seinen Sitz ebenfalls im Corinthia hat
– nur die Räumlichkeiten der internationalen Hotelkette mietet, ansonsten aber auf eigenen Beinen steht, wird es fälschlicherweise oft als Hotelrestaurant wahrgenommen. Das wiederum sei für viele eine Art Hemmschwelle. Doch, während das Caviar & Bull, das wochentags ab 17 Uhr, am Wochenende bereits ab 12 Uhr geöffnet ist, an seinen ersten Tagen noch leere Tische beklagte, kann es sich heute vor Gästen kaum retten: „Wir haben fast jeden Tag volles Haus“, so der Restaurantmanager.

Verspielt und innovativ

Den Hauptgrund dafür sieht er in den außergewöhnlichen Küchenkreationen, die im Caviar & Bull auf dem Menü stehen und sowohl in ihrer Zubereitung als auch ihrer Präsentation ein gehöriges Maß an kulinarischer Fantasie verraten. Insbesondere bei erfahrenen Foodies kommen diese, beinahe etwas verspielten Gerichte, die schon in sich Erlebnischarakter bergen, besonders gut an. Wie der Name des Restaurants verrät, treffen auf der Speisekarte zwei besonders prominente Vorzüge der mediterranen Küche aufeinander: zum einen ein Schwerpunkt auf Fisch und Meeresfrüchten aller Art, zum anderen eine herausragende Expertise bei der Zubereitung von Rind.

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Besonders hervorzuheben wäre beispielsweise das Rindfleisch-Carpaccio – derzeit eine der beliebtesten Vorspeisen, wie uns Szigeti verrät. Dieses wird, ebenso wie auch das Lachs-Carpaccio, unter einer rauchgefüllten Glasglocke serviert. Dabei sieht der Rauch, der nach dem Anheben der Glocke noch langsam über dem Teller wabert, bevor er endgültig verpufft, nicht nur gut aus, sondern gibt den rohen, hauchdünn geschnittenen Fleischstücken ein besonderes Aroma.

Auch ein weiteres der einfallsreichsten Gerichte des ganzen Menüs ist im Bereich der Vorspeisen zu finden: Hummer-Popcorn. Mag seltsam klingen, ist aber in Wahrheit eine der luxuriösesten und innovativsten Leckereien, von denen man je gehört hat. Wie uns Szigeti verrät, ist Hummer-Popcorn eine ureigene Erfindung von Starkoch und Besitzer Marvin Gauci. „Eines Tages war er im Kino und hat Popcorn genascht, da ist ihm die Idee gekommen: ‚Wäre es nicht toll, so etwas aus Hummer zu machen?‘“ Und das ist es. Für die Zubereitung wird zunächst das gesamte Fleisch aus der Schale entfernt, in kleine Würfel geschnitten, paniert und dann frittiert. Das knusprige Endergebnis sieht in Farbe und Form echtem Popcorn tatsächlich ähnlich. Serviert wird es in der zuvor gesäuberten, leeren Schale des Hummers.

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Und auch im Bereich der Hauptspeisen bleibt im Caviar & Bull kein Wunsch offen. Neben Steaks vom Black-Angus-Rind, Lammrücken und Mangalica lassen auch Fisch- und Pastagerichte den Gästen das Wasser im Munde zusammenlaufen. Wer sich gar nicht entscheiden kann, sollte am besten zum Degustationsmenü greifen, welches in zwei Varianten angeboten wird. Dieses gibt nicht nur einen umfangreichen Einblick in die Kunst des Küchenteams, sondern ist mit einem Preis von 19.500 bzw. 21.500 Forint für neun Gänge im Vergleich zu anderen Fine-Dining-Lokalen sogar äußerst preiswert.

Weg vom Budapester Mainstream

Doch auch das Design des Caviar & Bull ist für die ungarische Hauptstadt etwas ganz besonderes, denn während der Rest des hiesigen Restaurantmarktes sich irgendwo auf einem Spektrum zwischen Minimalismus, Eklektizismus und Vintage befindet, sticht es mit einem eher schwerfälligen, dafür aber imposanten Ambiente hervor. Auf den ersten Blick wirken die beiden Gasträume des Caviar & Bull, mit ihrem von verschiedenen Schwarz- und Grautönen dominierten Interieur, das von goldenen Akzenten aufgelockert wird, etwas kühl. Doch wenn sich die Tische am Abend füllen und im vorderen Gastraum der matte Schein des betriebsamen Lebens auf der großen Ringstraße durch die Fenster dringt, schlägt dieser Eindruck plötzlich in Gemütlichkeit um.

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Massige schwarze Ledersofas und hartkantige Sesselgarnituren scheinen eine starke männliche Note vermuten zu lassen, umso überraschter sind wir, zu erfahren, dass es Marvin Gaucis Frau war, die höchstpersönlich jedes einzelne Möbelstück und Detail arrangierte. Eines der optischen Highlights des Restaurants ist, neben einem auffälligen Gemälde einer Fischgräte, der Hummertank im hinteren Gastraum des Restaurants, hier kann man die Schalentiere beim munteren Auf- und Abmarschieren beobachten. Wer auf ein ganz besonderes Erlebnis aus ist, kann zudem noch einen weiteren Teil des Restaurants zu Gesicht bekommen. Am „Chef’s Table“ erhält man, während man sein Dessert verspeist, einen Einblick in das betriebsame Leben in der Küche.

Fazit

Das Caviar & Bull ist in Budapest mit dem Ziel angetreten, neue Standards zu setzen und die – wenn auch bisher nicht übermäßig mit Spitzengastronomie verwöhnten – ungarischen Hauptstädter zu beeindrucken. Gelungen ist ihm dies alle Mal. Doch das ist den Machern hinter dem Lokal noch nicht genug: „Wir sind ständig in Bewegung, versuchen uns weiterzuentwickeln und zu verbessern“, erklärt Kristóf Szigeti. Denn dem Restaurant schwebt ein großes Ziel vor Augen: die Adelung durch den Guide Michelin. Und auch wenn dieses Ziel sich vielleicht noch nicht bis 2018 verwirklichen lässt, so hat das Fine-Dining-Lokal auf seinem Weg zum ersten Michelin-Stern doch bereits in den Turbogang geschaltet. Da sollten Costes, Onyx und Co. in Zukunft ihre Deckung besser nicht sinken lassen, denn bei Caviar & Bull handelt es sich nicht um einen neuen gastronomischen Sparringpartner, sondern um ein wahres Schwergewicht, das wie auch der Bulle auf dem Logo des Restaurants mit aller Macht an die Spitze stürmt.

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Caviar & Bull

Budapest, VII. Bezirk, Erzsébet körút 43-49

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 17 Uhr bis Mitternacht, Samstag und Sonntag ab 12 Uhr

Reservierungen unter +36-1-479-4040

Weitere Informationen auf www.caviarandbull.com/budapest


Preise

Kaviar: 28.000 bis 99.000 Forint pro 50 Gramm

Vorspeisen: 1.400 bis 8.900 Forint

Hauptgerichte: 6.600 bis 9.900 Forint

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