Der MSZP-Vorsitzende Gyula Molnár, die Jobbik-Abgeordnete Frau Hegedűs, die LMP-Co-Vorsitzende Bernadett Szél sowie der EP-Abgeordnete der DK, Péter Niedermüller, sprachen gleichermaßen darüber, dass das Land gespalten sei, mehr Geld für Bildung und Gesundheitswesen, die Anhebung der Mindestrenten in die Hand genommen werden müsse. Für all das wird genügend Geld da sein, wenn mit der Regierungsablösung des Fidesz auch die Korruption der Regierung und die verschwenderischen Prestigeinvestitionen ein Ende haben. Mehrere Redner sprachen von ausgelieferten, unterbezahlten Arbeitnehmern, der aussichtslosen Lage der Rentner, einer Notwendigkeit des sozialen Wohnungsbaus. Die Oppositionsparteien waren sich einig, dass bei einem Regierungswechsel eine neue Verfassung und die Umstrukturierung des ungarischen politischen Systems nötig sind. Molnár zufolge will die MSZP eine soziale Mindestsicherung, die 13. Rente, die Verdopplung der Mindestrente sowie kostenfreie Arzneimittel für chronisch Kranke über 65 Jahren einführen. Die von der Jobbik angestrebte europäische Lohnunion sieht Molnár eher skeptisch; zuerst wäre eine ungarische Lohnunion notwendig, um die drastischen Unterschiede zwischen östlichem und westlichem Landesteil zu beseitigen.

Frau Hegedűs hielt entgegen, dass die EU durch die riesigen Einkommensunterschiede in Ost- und Westeuropa gespalten sei, deswegen müsse man sich dringend mit diesem Thema beschäftigen. Es sei interessant, dass gerade die Sozialisten sich diesem Thema verschließen. Die sozialistische Regierung vor 2010 vereinbarte mit dem IWF die Einfrierung der Löhne – dies sei einer der Gründe für die Abwanderung der Ungarn ins Ausland.

Bernadett Szél zufolge sind derzeit fast 5.000 Lehrerstellen unbesetzt, 500.000 Ungarn haben keinen Hausarzt, der Fidesz habe das Gesundheitswesen dahin gebracht, dass nur Besserverdienende sich eine gute medizinische Behandlung mit viel Geld leisten können. Im öffentlichen Dienst herrscht infolge der Zentralisierung eine „parteistaatliche Kontraselektion“. In dieser Hinsicht befindet sich sogar die Türkei in einer besseren Lage; dort nehme die Politik nur bis zu den Hauptabteilungsleitern Einfluss, im von Orbán geführten Ungarn reicht der Einfluss bis zum Referenten einer Behörde.

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